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GA 27 – Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst

GA 27 – Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen
Rudolf Steiner und Ita Wegman
Ersterscheinung: Dornach 1925

Befund zum Thema: Das erste Lebensjahr des Menschen

GA 27, das gemeinsame Hauptwerk Steiners und Ita Wegmans zur anthroposophischen Medizin, enthält zwei inhaltlich relevante Passagen zur frühesten Lebensphase des Menschen.

Fundstelle 1 – Das erste menschliche Lebensalter als Formungskraft (Krankheitslehre)

Im Kontext der Krankheitsentstehung beschreibt Steiner, wie physischer und ätherischer Leib ursprünglich durch die Tätigkeit des Astralischen und der Ich-Organisation geformt werden — und wie dieser Vorgang im Laufe der Entwicklung übergeben wird:

«Die Gesamtgestaltung des physischen und ätherischen Leibes aus der Tätigkeit des Astralischen und der Ich-Organisation sich ergibt; daß aber mit zunehmendem Alter die astralische und Ich-Tätigkeit in der physischen und ätherischen Organisation weiterlaufen […] das heißt, die im ersten menschlichen Lebensalter vom astralischen Leib und der Ich-Organisation besorgt, später aber vom physischen und ätherischen Organismus allein übernommen werden.»

Erkrankung entsteht demnach, wenn die höheren Wesensglieder (astralischer Leib, Ich-Organisation) in einem späteren Lebensalter wieder eingreifen müssen in Aufgaben, die dem «ersten menschlichen Lebensalter» zuzuordnen sind — jene Formungstätigkeit, die normalerweise mit dem Heranwachsen an den physischen und ätherischen Organismus übergeben wird.

Fundstelle 2 – Sprache als Ausdruck der Menschennatur in den ersten Lebensjahren (Eurythmie)

Im Kapitel über die Eurythmie als Heilmittel heißt es:

«Alle Bewegungen beruhen auf der inneren Wesenheit der Menschen-Organisation. Aus dieser fließt in den ersten Jahren des menschlichen Lebens die Sprache. So wie sich nun der Laut in der Sprache der Konstitution des Menschen entringt, so können bei einer wirklichen Erkenntnis dieser Konstitution Bewegungen aus dem Menschen und aus den Menschengruppen herausgeholt werden, die eine wirkliche sichtbare Sprache oder ein sichtbarer Gesang sind.»

Die Sprache wird hier als naturhafter Ausdruck der inneren menschlichen Organisation in den ersten Lebensjahren beschrieben — als unbewusster, organisch bedingter Vorgang, dem die Eurythmie als bewusst entwickelte «sichtbare Sprache» entspricht.