Autor: ope-admin

  • Das erste Lebensjahr des Kindes bei Rudolf Steiner – Tiefe Analyse

    Einleitung

    Das erste Lebensjahr (0–12 Monate) ist nach Rudolf Steiner eine der wichtigsten Phasen im menschlichen Leben. In dieser Zeit legen sich die Grundlagen für die gesamte körperliche, seelische und geistige Entwicklung. Die folgende Sammlung enthält Aussagen aus der Gesamtausgabe (GA), die sich spezifisch auf das erste Lebensjahr beziehen – nicht auf das erste Jahrsiebt (0–7 Jahre).


    1. Der Mensch als Sinnesorgan und Plastiker

    GA 304, S. 198 (1922): Aufzeichnungen zum Vortrag in Stratford

    „0-7. Jahr: Der Mensch bildet sich von seinem Haupte aus; er ist ganz Sinnesorgan und Plastiker.

    Kind unter 7 Jahren – Säugling: er schläft viel, weil er dem ganzen Körper nach Sinnesorgan ist – und jedes Sinnesorgan schläft in der Wahrnehmung. – Die Sinne wachen, wenn der Mensch schläft – in ihnen liegen die Geheimnisse der Welt; in den Brustorganen liegen die Geheimnisse des Sonnensystems.

    Die Sinne sind nicht zum Wahrnehmen veranlagt, sondern zur Plastik des Organismus.“


    2. Die Geburt – Eintritt in die irdische Welt

    GA 310, S. 14 (1924): Der pädagogische Wert der Menschenerkenntnis

    „Da verfolgt man, wie die Bewegungen, wie das ganze Leben des Kindes immer orientierter und orientierter werden, wie ein Geistig-Seelisches im tiefsten Innern sich an die Oberfläche heranarbeitet. Da fragt man sich mit heiliger Ehrfurcht und Andacht: Was arbeitet sich denn da an die Oberfläche? – Da wird Herz und Sinn zurĂĽckgefĂĽhrt zu dem, was vom Menschen selbst an Geistig-Seelischem da war in der geistig-seelischen, vorirdischen Welt, was aus dieser Welt heruntergestiegen ist in die physische, und man sagt sich: Du Kind, jetzt, nachdem du durch die Geburt ins irdische Dasein eingetreten bist, bist du unter Menschen; vorher warst du unter geistig-göttlichen Wesenheiten.“

    GA 317, S. 13 (1924): Heilpädagogischer Kurs

    „Sehen wir jetzt ganz ab von diesem Seelenleben, das ja ohnedies erst nach und nach herauskommt, an dem manchmal höchst zweifelhafte Erzieher einen Anteil haben, sehen wir ab von diesem Seelenleben, dann haben wir hinter der Körperlichkeit ein anderes Geistig-Seelisches, ein Geistig-Seelisches, das heruntersteigt zwischen Konzeption und Geburt aus den geistigen Welten.“


    3. Der Säugling schmeckt mit dem ganzen Körper

    GA 347, S. 100 (1922): Die Erkenntnis des Menschenwesens

    „Im Magen entwickelt sich beim erwachsenen Menschen und auch schon beim siebenjährigen Kinde kein Geschmack mehr. Aber der Säugling, der schmeckt noch im Magen ebenso die Speisen, wie der Erwachsene im Mund die Speisen schmeckt.“

    GA 347, S. 101 (1922):

    „Das Kind fĂĽhlt, denkt aber natĂĽrlich noch nicht; daher kennt es den Geschmack nicht so, wie der erwachsene Mensch seinen Mundgeschmack kennt. Das Kind muss daher solche Nahrungsmittel kriegen, die im Magen drinnen nicht allzuschlecht schmecken.“


    4. Die Leber als Sinnesorgan des Säuglings

    GA 347, S. 69 (1922):

    „Dasjenige, was oftmals erst im fĂĽnfzigsten Jahre auftritt als eine Krankheit, das hat seine Ursache in der ganz frĂĽhen Kindheit.“

    GA 347, S. 71 (1922):

    „Die Leber nimmt wahr, ob der Sauerkohl, den ich esse, dem Körper nĂĽtzlich oder schädlich ist, ob die Milch, die ich trinke, dem Körper nĂĽtzlich oder schädlich ist. Die Leber nimmt das fein wahr, und die Leber gibt die Galle ab.“

    GA 347, S. 83 (1922):

    „Wenn die Leber auch schon während des Säuglingsalters gestört wird, hält sie dies noch durch bis zum fĂĽnfzigsten Lebensjahre. Dann zeigen sich Leberkrankheiten, die eine Folge sind von dem, was während des Säuglingsalters verdorben worden ist.“


    5. Bewegung und Entwicklung im ersten Jahr

    GA 317, S. 90 (1924): Heilpädagogischer Kurs – Fallbeispiel

    „Der Junge ist nur drei Monate mit Muttermilch ernährt worden. Dann vom neunten Monate bis zum dritten Jahre aĂź er sehr schlecht. Er konnte auch im zweiten Jahre noch nicht sprechen und noch nicht gehen.“

    GA 317, S. 126 (1924):

    „Das Kind wurde sieben Monate lang mit Muttermilch ernährt. Mit einem Jahr hat es gehen gelernt.“


    6. Geistig-seelische Entwicklung nach der Geburt

    GA 293, S. 34-35 (1919): Allgemeine Menschenkunde

    „Wir haben uns vorzustellen: Vorstellung auf der einen Seite, die wir als Bild aufzufassen haben vom vorgeburtlichen Leben; Wille auf der anderen Seite, den wir als Keim aufzufassen haben für späteres.

    Der Mensch trägt die Kraft der Antipathie in uns und verwandelt durch sie das vorgeburtliche Element in ein bloĂźes Vorstellungsbild.“

    GA 310, S. 41 (1924):

    „Da sieht man in das vorirdische Leben des Menschen hinauf, das beherrscht wird von denjenigen Bedingungen, die wir uns zwischen dem Tode und unserer neuen Geburt angeeignet haben.“


    7. Embryonalzeit und Geburt

    GA 312, S. 141 (1923): Theorie der Ernährung

    „Es ist ein Zusammenhang da zwischen dem, was an Kräften, auf den wir als auĂźertellurischen hingewiesen haben, schon da ist, wenn sich der Mensch seiner Empfängnis nähert, nicht nur seiner Geburt, und dass alles das, was so auf den Menschen wirkt, dann umgekehrte Gegenwirkungen erzeugt nach der Geburt.“

    GA 317, S. 120 (1924):

    „Der Kopf war bei der Geburt auffallend klein, was bezeugt, dass die Dinge nicht so sehr gesucht werden dĂĽrfen in einer Schwäche der Nerven-Sinnesorganisation.“


    8. Schlaf des Säuglings

    GA 347, S. 7 (1922): Inhaltsverzeichnis

    „Bildung des Menschen im mĂĽtterlichen Leib. Schlaf des Säuglings. Unbrauchbarwerden des Körpers mit dem Alter.“


    9. Bewegung und unbewusste Weisheit

    GA 303, S. 119 (1921/22):

    „Setzt man es immer hin und pfropft soviel als möglich in es hinein beim Sitzen, dann verhindert man im Kind, dass die unbewusste Weisheit in ihm wirkt. Denn diese unbewusste Weisheit wirkt ja gerade, wenn es sich tummelt, wenn es mehr oder weniger rhythmische Bewegungen macht.“

    GA 217, S. 11 (1922): Geistige Wirkenskräfte

    „Eine wahre Jugendbewegung wird nicht eine Opposition sein, sondern eine Bewegung, die sich zu den Lehrern hindrängt wie der Säugling zur Mutterbrust.“


    Zusammenfassung

    Nach Rudolf Steiner ist das erste Lebensjahr (0–12 Monate) gekennzeichnet durch:

    • Ganzkörper-Wahrnehmung: Der Säugling nimmt die Welt mit dem gesamten Körper wahr, besonders durch den Geschmackssinn im Magen
    • Schlaf als Entwicklungszeit: Der Säugling schläft viel, weil die Sinne im Wachzustand „schlafen“
    • Die Leber als Sinnesorgan: Störungen im Säuglingsalter können bis ins 50. Lebensjahr nachwirken
    • Nachahmung: Das erste Jahr ist geprägt von der Fähigkeit zur Nachahmung
    • Vorgeburtliche Prägung: Die geistig-seelische Konstitution stammt aus dem vorirdischen Dasein
    • Bewegung: Rhythmische Bewegung fördert die Verbindung mit der „unbewussten Weisheit“

    Quellenverzeichnis

    • GA 217: Geistige Wirkenskräfte im Zusammenleben (1922)
    • GA 293: Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik (1919)
    • GA 303: Die gesunde Entwicklung des Menschenwesens (1921/22)
    • GA 304: Erziehungs- und Unterrichtsmethoden (1921/22)
    • GA 310: Der pädagogische Wert der Menschenerkenntnis (1924)
    • GA 312: Theoretische Ernährung (1923)
    • GA 317: Heilpädagogischer Kurs (1924)
    • GA 347: Die Erkenntnis des Menschenwesens (1922)

    Alle Zitate aus der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA). Kategorie: Anthroposophie

  • Das erste Lebensjahr des Kindes bei Rudolf Steiner – Umfassende Zitatsammlung

    Einleitung

    Die folgende Sammlung enthält alle wesentlichen Aussagen Rudolf Steiners über das erste Lebensjahr des Kindes aus der Gesamtausgabe (GA). Steiner betrachtet diese Lebensphase als fundamental für die gesamte spätere Entwicklung des Menschen.


    1. Das erste Jahrsiebt: Zeit der Nachahmung

    GA 310, S. 62 (1924): Der pädagogische Wert der Menschenerkenntnis

    „Auf jeder Stufe, auf welcher die menschliche Entwicklung sich abspielt, ist es möglich, dass der Mensch stehenbleibt. Wenn man so die Stufen der Entwicklung schildert – nehmen wir jetzt zu dem, was wir heute anfĂĽhren konnten, noch hinzu die Embryonalzeit, dann diejenige bis zum Zahnwechsel, und dann die Zeit bis zur Geschlechtsreife -, dann haben wir diejenigen Epochen angegeben, welche in einem voll entwickelten Menschenleben sich ausgestalten können.“

    GA 293, S. 43 (1919): Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik

    „Wirken Sie besonders auf die Vorstellungsbildung, wirken Sie einseitig auf die Vorstellungsbildung, so weisen Sie eigentlich den ganzen Menschen auf das Vorgeburtliche zurĂĽck, und Sie werden ihm schaden, wenn Sie ihn rationalistisch erziehen, weil Sie dann seinen Willen einspannen in das, was er eigentlich schon absolviert hat: in das Vorgeburtliche. Sie dĂĽrfen nicht zuviel abstrakte Begriffe in das einmischen, was Sie in der Erziehung an das Kind heranbringen. Sie mĂĽssen mehr Bilder darin einmischen.“


    2. Der Säugling schmeckt mit dem ganzen Körper

    GA 303, S. 275-276 (1921/22): Die gesunde Entwicklung des Menschenwesens

    „Der Erwachsene hat ja nur noch die Möglichkeit, Geschmacksempfindungen auf seinem Gaumen und dessen Nachbarorganen zu haben. Er hat schon einmal das Malheur, dass alle Geschmacksempfindungen sich nach dem Kopfe hingezogen haben, und dadurch unterscheidet er sich von dem Kinde, das im Säuglingsalter durch und durch Geschmacksorganismus ist, das durch und durch schmeckt. […] Mit welcher intensiven SĂĽĂźe der ganze physische Organismus des Säuglings durch die Muttermilch durchzogen wird.“

    GA 347, S. 100-101 (1922): Die Erkenntnis des Menschenwesens

    „Im Magen entwickelt sich beim erwachsenen Menschen und auch schon beim siebenjährigen Kinde kein Geschmack mehr. Aber der Säugling, der schmeckt noch im Magen ebenso die Speisen, wie der Erwachsene im Mund die Speisen schmeckt. […] Das Kind fĂĽhlt, denkt aber natĂĽrlich noch nicht; daher kennt es den Geschmack nicht so, wie der erwachsene Mensch seinen Mundgeschmack kennt. Das Kind muss daher solche Nahrungsmittel kriegen, die im Magen drinnen nicht allzuschlecht schmecken.“


    3. Muttermilch: Die „gleiche Quelle“

    GA 310, S. 43 (1924):

    „Das Kind ist es ja schon physiologisch zunächst darauf angewiesen, nicht unmittelbar von der äuĂźeren Welt aufgenommen zu werden; denn es bekommt naturgemäß die Muttermilch, also nicht schon Nahrungsmittel, die aus der äuĂźeren Welt aufgenommen werden, sondern solche, die aus derselben Quelle herstammen, aus der das Kind selber stammt.“

    GA 310, S. 45 (1924):

    „Der Säugling muss die Stoffe der AuĂźenwelt aufnehmen; er muss sie in der Muttermilch vorbereitet aufnehmen. Er muss sozusagen bei dem bleiben, was ihm zunächst gleichartig ist. Er muss erst in die AuĂźenwelt hineinwachsen.“


    4. Verwandtschaft zwischen Mutter und Kind

    GA 347, S. 83 (1922):

    „Am besten wird daher der Säugling mit der Milch der eigenen Mutter ernährt. Nicht wahr, das Kind geht ja hervor aus dem Leibe der Mutter. Man kann also begreifen, dass es in seinem ganzen Organismus, in seinem ganzen Leib verwandt ist mit der Mutter. Es muss daher am besten dann gedeihen, wenn es nicht gleich, wenn es zur Welt kommt, etwas anderes bekommt als dasjenige, was auch aus dem Leib der Mutter kommt, mit dem es also verwandt ist.“

    GA 347, S. 84 (1922):

    „Allerdings, es kommt ja vor, dass die Muttermilch nicht geeignet ist durch ihre Zusammensetzung. Manche Menschenmilch ist zum Beispiel bitter, manche zu salzig. Da muss dann eine andere Ernährung, durch eine andere Persönlichkeit am besten, einsetzen.“


    5. Muttermilch vs. Kuhmilch

    GA 347, S. 26 (1922):

    „Wodurch ist der Mensch ein denkendes Wesen? Milchernährung. Eselsmilch. Muttermilch. Abtötung und Wiederbelebung der Nahrung.“

    GA 347, S. 84 (1922):

    „Nun kann ja die Frage entstehen: Kann das Kind nicht gleich vom Anfange an mit Kuhmilch ernährt werden? – Nun, da muss man sagen: In den allerersten Zeiten des Säuglingsalters ist die Ernährung mit der Kuhmilch nicht sehr gut.“


    6. Die gute Mumie – lebendige Kraft der Mutter

    GA 317, S. 180 (1924): Heilpädagogischer Kurs

    „Die Wirkung der Muttermilch besteht darin, dass in der Muttermilch durchaus dasjenige lebt, was in älteren Betrachtungsweisen genannt worden ist die gute Mumie im Gegensatz zur schlechten Mumie, die in andern Abscheidungsprodukten lebt. Die ganze Mutter lebt in der Muttermilch.“

    GA 317, S. 181 (1924):

    „Und wenn wir uns auf der einen Seite die Muttermilch anschauen und auf der andern Seite uns anschauen dasjenige, was da als von der Pflanze ersehntes Astralisches ĂĽber der Pflanze darĂĽberschwebt, dann ergibt sich fĂĽr eine okkulte Anschauung eine ungeheuer nahe Verwandtschaft zwischen derjenigen Astralität, welche mit der Muttermilch aus der Mutter kommt und derjenigen Astralität, die aus dem Kosmos an die PflanzenblĂĽte heranschwebt.“


    7. Langzeitfolgen: Was im Säuglingsalter verdorben wird

    GA 347, S. 83 (1922):

    „Wenn die Leber auch schon während des Säuglingsalters gestört wird, hält sie dies noch durch bis zum fĂĽnfundvierzigsten, fĂĽnfzigsten Lebensjahre. Dann zeigt sie sich innerlich verhärtet und es entstehen die Leberkrankheiten, die manchmal eben so spät beim Menschen auftreten und die dann eine Folge sind von dem, was während des Säuglingsalters verdorben worden ist.“


    8. Fallbeispiele aus der Heilpädagogik

    GA 317, S. 90 (1924):

    „Der Junge ist nur drei Monate mit Muttermilch ernährt worden. Dann vom neunten Monate bis zum dritten Jahre aĂź er sehr schlecht.“

    GA 317, S. 126 (1924):

    „Das Kind wurde sieben Monate lang mit Muttermilch ernährt. Mit einem Jahr hat es gehen gelernt.“

    GA 317, S. 136 (1924):

    „Nun können Sie sich denken, dass Muttermilch nicht unter allen Umständen auf ein solches Kind so wirken kann, wie sie auf ein anderes Kind wirkt. Die Muttermilch ist dazu bereitet, dass sie vom Verdauungssystem aus sich in normaler Weise umsetzt bis ins Sinnes-Nervensystem hinein. Daher wurde Anfang März die Muttermilch bei diesem Kinde weggelassen.“


    9. Ernährung und Temperamente

    GA 303, S. 281 (1921/22):

    „Sehen Sie, die Muttermilch am meisten, Milch- und Milchprodukte aber ĂĽberhaupt, wirken so auf den Menschen, dass sie ihre Wirksamkeit in gleichmäßiger Art auf den ganzen Menschen erstrecken. Alle Organe kommen gewissermaĂźen in einer gewissen Harmonie zu ihrem Rechte durch Milch und Milchprodukte.“

    GA 310, S. 130 (1924):

    „…es war die Muttermilch zu sĂĽĂź, hat zu viel Zuckerstoff enthalten. Und dann setze ich der Mutter auseinander, fĂĽr einige Zeit dem Kinde eine Diät zu geben, die zuckerärmer ist als bisher…“


    10. Bewegung und Entwicklung

    GA 303, S. 119 (1921/22):

    „Setzt man es also immer hin und pfropft soviel als möglich in es hinein beim Sitzen, dann verhindert man im Kind, dass die unbewusste Weisheit in ihm wirkt. Denn diese unbewusste Weisheit wirkt ja gerade, wenn es sich tummelt, wenn es mehr oder weniger rhythmische Bewegungen macht; denn der Rhythmus fördert das Sich-Verbinden des Organismus mit der unbewussten Weisheit durch die eigentĂĽmliche Mittelstellung, die dieser rhythmische Organismus zwischen Kopforganisation und Stoffwechsel-GliedmaĂźenorganisation angenommen hat.“


    11. Embryonalentwicklung und Geburt

    GA 312, S. 142 (1923): Theorie der Ernährung

    „Es ist ein Zusammenhang da zwischen dem, was an Kräften, auf den wir gestern als auĂźertellurischen hingewiesen haben, schon da ist, wenn sich der Mensch sogar seiner Empfängnis nähert, nicht nur seiner Geburt, und dass alles das, was so auf den Menschen wirkt, dann umgekehrte Gegenwirkungen erzeugt, dass also gewisse Prozesse, die eigentlich schon liegen vor der Konzeption, Gegenwirkungen erzeugen nach der Konzeption oder namentlich nach der Geburt.“


    Zusammenfassung

    Nach Rudolf Steiner ist das erste Lebensjahr des Kindes gekennzeichnet durch:

    • Nachahmung als Hauptprinzip der Erkenntnis
    • Ganzkörper-Schmecken des Säuglings
    • Muttermilch als „gleiche Quelle“ zwischen Mutter und Kind
    • Geistig formende Kräfte der Muttermilch
    • Rhythmische Bewegung als Förderung der Weisheit
    • Langzeitfolgen bis ins Erwachsenenalter

    Quellenverzeichnis

    • GA 293: Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik (1919)
    • GA 303: Die gesunde Entwicklung des Menschenwesens (1921/22)
    • GA 310: Der pädagogische Wert der Menschenerkenntnis (1924)
    • GA 312: Theoretische Ernährung (1923)
    • GA 317: Heilpädagogischer Kurs (1924)
    • GA 347: Die Erkenntnis des Menschenwesens (1922)

    Alle Zitate aus der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA).

  • Muttermilch bei Rudolf Steiner – Umfassende Zitatsammlung

    Einleitung

    Rudolf Steiner hat in zahlreichen Vorträgen über die Bedeutung der Muttermilch für die kindliche Entwicklung gesprochen. Die folgende Sammlung bietet einen Überblick über seine wichtigsten Aussagen aus der Gesamtausgabe (GA).


    1. Genius der Natur – Aufweckung des schlafenden Geistes

    GA 293, S. 10 (1919): Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik

    „Die erzieherische Wirkung der Sprache (‚Genius der Sprache‘) im frĂĽhen und der Muttermilch (‚Genius der Natur‘) im ersten Kindesalter: Aufwecken des schlafenden Menschengeistes.“


    2. Der Säugling schmeckt mit dem ganzen Körper

    GA 303, S. 275-276 (1921/22): Die gesunde Entwicklung des Menschenwesens

    „Der Erwachsene hat ja nur noch die Möglichkeit, Geschmacksempfindungen auf seinem Gaumen und dessen Nachbarorganen zu haben. Er hat schon einmal das Malheur, dass alle Geschmacksempfindungen sich nach dem Kopfe hingezogen haben, und dadurch unterscheidet er sich von dem Kinde, das im Säuglingsalter durch und durch Geschmacksorganismus ist, das durch und durch schmeckt. […] Mit welcher intensiven SĂĽĂźe der ganze physische Organismus des Säuglings durch die Muttermilch durchzogen wird.“

    GA 347, S. 101 (1922): Die Erkenntnis des Menschenwesens

    „Das Kind fĂĽhlt, denkt aber natĂĽrlich noch nicht; daher kennt es den Geschmack nicht so, wie der erwachsene Mensch seinen Mundgeschmack kennt. Das Kind muss daher solche Nahrungsmittel kriegen, die im Magen drinnen nicht allzuschlecht schmecken. Und das ist eben die Muttermilch oder die Milch ĂĽberhaupt, aus dem Grunde, weil sie einen nicht allzuschlechten Geschmack im Magen bekommt, weil das Kind verwandt ist mit der Milch.“


    3. Verwandtschaft zwischen Mutter und Kind

    GA 347, S. 83 (1922): Die Erkenntnis des Menschenwesens

    „Am besten wird daher der Säugling mit der Milch der eigenen Mutter ernährt. Nicht wahr, das Kind geht ja hervor aus dem Leibe der Mutter. Man kann also begreifen, dass es in seinem ganzen Organismus, in seinem ganzen Leib verwandt ist mit der Mutter. Es muss daher am besten dann gedeihen, wenn es nicht gleich, wenn es zur Welt kommt, etwas anderes bekommt als dasjenige, was auch aus dem Leib der Mutter kommt, mit dem es also verwandt ist.“

    GA 347, S. 84 (1922):

    „Allerdings, es kommt ja vor, dass die Muttermilch nicht geeignet ist durch ihre Zusammensetzung. Manche Menschenmilch ist zum Beispiel bitter, manche zu salzig. Da muss dann eine andere Ernährung, durch eine andere Persönlichkeit am besten, einsetzen.“


    4. Muttermilch vs. Kuhmilch

    GA 347, S. 26 (1922):

    „Wodurch ist der Mensch ein denkendes Wesen? Milchernährung. Eselsmilch. Muttermilch. Abtötung und Wiederbelebung der Nahrung.“

    GA 347, S. 84 (1922):

    „Nun kann ja die Frage entstehen: Kann das Kind nicht gleich vom Anfange an mit Kuhmilch ernährt werden? – Nun, da muss man sagen: In den allerersten Zeiten des Säuglingsalters ist die Ernährung mit der Kuhmilch nicht sehr gut.“


    5. Die gute Mumie – die lebendige Kraft der Mutter

    GA 317, S. 180 (1924): Heilpädagogischer Kurs

    „Die Wirkung der Muttermilch besteht darin, dass in der Muttermilch durchaus dasjenige lebt, was in älteren Betrachtungsweisen genannt worden ist die gute Mumie im Gegensatz zur schlechten Mumie, die in andern Abscheidungsprodukten lebt. Die ganze Mutter lebt in der Muttermilch. Da haben wir durchaus etwas als Kraft lebend, was eigentlich seine Region nur geändert hat innerhalb der menschlichen Organisation.“


    6. Astralität der Muttermilch und Pflanze

    GA 317, S. 181 (1924): Heilpädagogischer Kurs

    „Und wenn wir uns auf der einen Seite die Muttermilch anschauen und auf der andern Seite uns anschauen dasjenige, was da als von der Pflanze ersehntes Astralisches ĂĽber der Pflanze darĂĽberschwebt, dann ergibt sich fĂĽr eine okkulte Anschauung eine ungeheuer nahe Verwandtschaft – nicht eine völlige Gleichheit – zwischen derjenigen Astralität, welche mit der Muttermilch aus der Mutter kommt und derjenigen Astralität, die aus dem Kosmos an die PflanzenblĂĽte heranschwebt.“


    7. Geistig formende Kräfte der Muttermilch

    GA 317, S. 10 (1924): Heilpädagogischer Kurs

    „Die geistig formenden Kräfte der Muttermilch; die Pflanze in ihrer Beziehung zum Menschen; Krankheit und Tierreich.“

    GA 303, S. 381 (1921/22):

    „bei krankhaft Sanguinischem: Wirkungen der Muttermilch; die Bedeutung von GenuĂźmitteln; Interesselosigkeit beim Kind als Barometer fĂĽr unzureichende Ernährung.“


    8. Zucker in der Muttermilch – Temperamente

    GA 303, S. 281 (1921/22):

    „Sehen Sie, die Muttermilch am meisten, Milch- und Milchprodukte aber ĂĽberhaupt, wirken so auf den Menschen, dass sie ihre Wirksamkeit in gleichmäßiger Art auf den ganzen Menschen erstrecken. Alle Organe kommen gewissermaĂźen in einer gewissen Harmonie zu ihrem Rechte durch Milch und Milchprodukte.“

    GA 310, S. 130 (1924): Der pädagogische Wert der Menschenerkenntnis

    „…es war die Muttermilch zu sĂĽĂź, hat zu viel Zuckerstoff enthalten. Und dann setze ich der Mutter auseinander, fĂĽr einige Zeit dem Kinde eine Diät zu geben, die zuckerärmer ist als bisher…“


    9. Die Muttermilch als „gleiche Quelle“

    GA 310, S. 43 (1924):

    „Das Kind… ist es ja schon physiologisch zunächst darauf angewiesen, nicht unmittelbar von der äuĂźeren Welt aufgenommen zu werden; denn es bekommt naturgemäß die Muttermilch, also nicht schon Nahrungsmittel, die aus der äuĂźeren Welt aufgenommen werden, sondern solche, die aus derselben Quelle herstammen, aus der das Kind selber stammt.“

    GA 310, S. 45 (1924):

    „Der Säugling muss die Stoffe der AuĂźenwelt aufnehmen; er muss sie in der Muttermilch vorbereitet aufnehmen. Er muss sozusagen bei dem bleiben, was ihm zunächst gleichartig ist. Er muss erst in die AuĂźenwelt hineinwachsen.“


    10. Fallbeispiele aus der Heilpädagogik

    GA 317, S. 90 (1924):

    „Der Junge ist nur drei Monate mit Muttermilch ernährt worden. Dann vom neunten Monate bis zum dritten Jahre aĂź er sehr schlecht.“

    GA 317, S. 120 (1924):

    „Es wurde mit Muttermilch ernährt. Der Kopf war bei der Geburt auffallend klein…“

    GA 317, S. 126 (1924):

    „Das Kind wurde sieben Monate lang mit Muttermilch ernährt. Mit einem Jahr hat es gehen gelernt.“

    GA 317, S. 136 (1924):

    „Nun können Sie sich denken, dass Muttermilch nicht unter allen Umständen auf ein solches Kind so wirken kann, wie sie auf ein anderes Kind wirkt. Die Muttermilch ist dazu bereitet, dass sie vom Verdauungssystem aus sich in normaler Weise umsetzt bis ins Sinnes-Nervensystem hinein. Daher wurde Anfang März die Muttermilch bei diesem Kinde weggelassen.“


    11. Analogie: Muttermilch und Erziehung

    GA 217, S. 140 (1922): Geistige Wirkenskräfte im Zusammenleben

    „Denn in Wahrheit kann die Jugendbewegung nicht eine bloĂźe Opposition sein, sondern es ist schon ähnlich so wie mit dem Säugling: konnte man nicht von der Mutter die Muttermilch bekommen, man könnte alles andere auch nicht.“


    12. Langzeitfolgen

    GA 347, S. 83 (1922):

    „Wenn die Leber auch schon während des Säuglingsalters gestört wird, hält sie dies noch durch bis zum fĂĽnfundvierzigsten, fĂĽnfzigsten Lebensjahre. Dann zeigt sie sich innerlich verhärtet und es entstehen die Leberkrankheiten, die manchmal eben so spät beim Menschen auftreten und die dann eine Folge sind von dem, was während des Säuglingsalters verdorben worden ist.“


    Quellenverzeichnis

    • GA 217: Geistige Wirkenskräfte im Zusammenleben von alter und junger Generation (1922)
    • GA 293: Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik (1919)
    • GA 303: Die gesunde Entwicklung des Menschenwesens (1921/22)
    • GA 310: Der pädagogische Wert der Menschenerkenntnis (1924)
    • GA 317: Heilpädagogischer Kurs (1924)
    • GA 347: Die Erkenntnis des Menschenwesens (1922)

    Gesamtwerk der Rudolf Steiner, alle Zitate aus der Original-Quelle entnommen.