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GA 69a – Inhaltsbefund: Gehirnentwicklung in der frühen Kindheit und Bedeutung der ersten Kindheitsjahre

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Rudolf Steiner, GA 69a: „Wahrheiten und Irrtümer der Geistesforschung / Geisteswissenschaft und Menschenzukunft“. Zehn öffentliche Vorträge, gehalten in Zürich, Prag, München, Stuttgart, Tübingen, Karlsruhe und Frankfurt/M., 24. Februar 1911 bis 17. Mai 1913. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 2007.

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Passage 1
Wie widerlegt man Theosophie?, Prag, 19. März 1911
(S. ca. 57)

„[…] der weiß, welchen immensen Einfluß gerade die allerersten Kindheitserlebnisse auf eine Seele haben, wie irgend etwas, was wir im ersten Jahre noch mit halbem Bewußtsein erlebt haben, damals einen gewissen Eindruck auf unsere Seele gemacht und sich in sie hineingebohrt hat. Da ist es dann drinnen verborgen, aber bei dem nötigen Anlaß kommt es hervor, und wir könnten leicht glauben, wenn wir es später hervortreten sehen und nichts davon auf die Erziehung, auch nichts auf die Vererbung zurückführen können, das müsse sich aus einem früheren Leben erklären lassen. Aber das tun wir bloß aus dem Grunde, weil wir nicht achtgeben, wie sich die ersten Jugenderlebnisse in die Seele festsetzen und wie diese gerade eine viel größere Bedeutung haben als alles Spätere. Daher könnte die äußere Wissenschaft sagen: Wir sind noch nicht so weit, um das kindliche Leben genug zu erforschen, um sagen zu können, wie sich für die Seele des Kindes die Erlebnisse der ersten Jahre gestalten; wir müssen warten, bis wir immer tiefer und tiefer hineinkommen in dieses Gebiet, dann wird manches, von dem ihr Geistesforscher behaupten wollt, daß es aus früheren Leben zu erklären sei, sich erklären lassen aus Dingen, die sich auf ganz natürliche Weise abspielen in dem Leben zwischen der Geburt und dem Tode.“

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Passage 2
Wie verteidigt man Theosophie?, Prag, 25. März 1911
(S. ca. 83–85)

„[…] Und er wird gewahr, wie von dem Moment der Geburt an, der uns so rätselhaft vor Augen tritt, geheimnisvoll die menschliche Entwicklung beginnt. Da können wir sehen, wie aus einem tiefen Untergrunde des menschlichen Daseins in die noch unbestimmten Gesichtszüge des Kindes allmählich im Laufe der Jahre sich bestimmte Züge hineinprägen, wie seine Gesten und seine Fähigkeiten von innen nach außen sich immer bestimmter ausprägen. Auch das Gehirn, das Werkzeug unseres Denkens, hat ja nach der Geburt noch lange nicht seine volle Ausbildung erhalten; es wird noch umgestaltet und gegliedert. […] Wann tritt denn eigentlich im Menschenleben der Augenblick ein, wo das Seelisch-Geistige voll imstande ist, sich seines Werkzeuges, des Gehirns zu bedienen? Dies ist ja in den ersten Kindheitsjahren noch nicht der Fall. Denn sonst brauchte das Kind sich nicht mancherlei anzueignen durch die Eindrücke der Außenwelt und durch die Nachahmung, und wir brauchten das Kind nicht zu erziehen. Erst im Laufe unserer ersten Lebensjahre wachsen wir in die Möglichkeit hinein, das Werkzeug des Gehirns zu gebrauchen. […] das Gehirn, dessen sich unser Ich im späteren Lebensalter als Instrument bedient, in den frühen Kindheitsjahren erst ausgearbeitet, ausgeprägt wird. Da zeigt sich dem Geistesforscher, der mit dem geöffneten Auge des Sehers die menschliche Entwicklung betrachtet, daß dasjenige, was später im Menschen ist, um das Gehirn zu gebrauchen, ganz dasselbe ist wie das, was an der Ausbildung und Gestaltung des Gehirns gearbeitet hat aus Kräften heraus, die kein sinnliches Auge sehen kann. […] du gleichsam eine kindliche geistige Atmosphäre siehst um das Kindeshaupt herum und daß durch diese kindliche Atmosphäre, durch eine Art Kopf-Aura, ausstrahlen geistige Kräfte, die an dem Gehirn des Kindes arbeiten, um es so zu bearbeiten, daß es später ein Werkzeug des Ich werden kann.“

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Passage 3
Wie verteidigt man Theosophie?, Prag, 25. März 1911
(S. ca. 90)

„Wenn der Mensch aber in sich diese Stimmung entwickelt, lernt er, zunächst das Tor zu durchbrechen, welches das gewöhnliche Bewußtsein abschließt von den Erlebnissen des Menschen in den ersten Kindheitsjahren; dann lernt er hineinzuschauen in die ersten Kindheitsjahre zunächst, und dann weiter. Kurz, er erschließt sich also dasjenige, was wir nennen können die Rückschau in frühere Erdenleben.“