Rudolf Steiner, GA 137: „Der Mensch im Lichte von Okkultismus, Theosophie und Philosophie. Zehn Vorträge, gehalten in Kristiania (Oslo) vom 2. bis 12. Juni 1912″. Dornach 1993.
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Passage 1
Neunter Vortrag, Kristiania (Oslo), 11. Juni 1912
(S. ca. 174)
„Da haben wir zunächst eine Bewegung, die der Mensch im späteren Leben allerdings wenig mehr ausfĂĽhrt, die aber einmal mit allen Kräften von ihm ausgefĂĽhrt werden muĂźte, denn sonst wäre er ein VierfĂĽĂźler geblieben, hätte sein ganzes Leben hindurch kriechen mĂĽssen. Diejenige Bewegung muĂź der Mensch ausfĂĽhren, die ihn von einem kriechenden Kinde zu einem aufrechtgehenden Wesen macht. Der Mensch ist nicht nur seiner Gestalt nach ein aufgerichtetes Wesen; er ist ein Wesen, das sich während des Lebens selber aufrichtet, so daĂź die erste wichtige innere Bewegung – denn eine innere Bewegung ist das —, die der Mensch ausfĂĽhrt, die Bewegung des Sich-Aufrichtens ist. Also die Aufrichtbewegung ist das erste, was wir ins Auge fassen mĂĽssen.
Die zweite Bewegung innerer Art ist wiederum eine solche, die der Mensch im späteren Leben zwar noch immerzu gebraucht, die er aber sich doch erst als Kind aneignen muĂź. Es ist die Sprechbewegung, jene Bewegung des inneren Lebens, die ausgefĂĽhrt werden muĂź, damit das Wort zustande kommt. Sie mĂĽssen sich vorstellen, daĂź eine Summe innerer Bewegungen notwendig ist, damit das Wort zum Ausdruck gebracht werden kann. Vorher muĂź der Mensch allerdings noch eine andere Bewegung lernen, die sich mehr verbirgt. Eigentlich lernt er beide Bewegungen gewissermaĂźen zusammen; im Grunde genommen oftmals die Sprechbewegung frĂĽher als die andere Bewegung. DarĂĽber können Sie Genaueres finden in meinem Schriftchen «Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft».“