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GA 97 – Inhaltsbefund: Die dreifache Geburt des Menschen und die Erziehung im ersten Jahrsiebt

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Rudolf Steiner, GA 97: „Die Wahrheitssprache der Evangelien. Das christliche Mysterium. Luzifer und Christus. Alte Esoterik und Rosenkreuzertum. Erkenntnisse und Lebensfrüchte der Geisteswissenschaft“. Notizen von einunddreißig Vorträgen mit sechs Fragenbeantwortungen, gehalten zwischen dem 9. Februar 1906 und 17. März 1907 in verschiedenen Städten. Dornach 1998.

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Passage 1
Geisteswissenschaftliche Gesichtspunkte zur Erziehungsfrage, Leipzig, 12. Januar 1907
(S. ca. 303)

„Veranlagt ist schon alles im Embryo, aber die Entwicklung geht ganz verschieden vor sich. Der Mensch kann sich nicht ohne eine Umgebung entwickeln, er kann nur gedeihen, wenn er von andern Wesen und Gliedern des Kosmos umgeben ist. So muß der mütterliche Organismus den Menschen bis zu einer gewissen Reife umschließen. Was bei der physischen Geburt vor sich geht, wiederholt sich, denn bei der physischen Geburt wird noch nicht der ganze Mensch geboren, sondern so wie der sich entwickelnde Menschenkeim vom physischen mütterlichen Organismus umschlossen wird, so ist der Mensch nach der physischen Geburt von einem geistigen Organismus umgeben, welcher der ganzen Geistwelt angehört. Das Kind ist umgeben von einer Ätherhülle und von einer Astralhülle und ruht darin, wie der Embryo im Mutterschoß.
Im siebenten Lebensjahr, um die Zeit des Zahnwechsels, löst sich vom Ätherleib eine Ätherhülle los, wie sich bei der physischen Geburt der mütterliche Organismus vom physischen Körper des Kindes löst. Der Ätherleib wird frei, während sich vorher eine Wesenheit aus demselben Äther dem Ätherleibe anschließt und Strömungen von ihr auf das Kind übergehen, wie dies vor der physischen Geburt im Mutterleib geschieht. Nach und nach wird das Kind also zum zweiten Mal, und jetzt ätherisch, geboren. Nun ist noch immer das dritte Glied, der Astralleib, von einer schützenden Astralhülle umgeben. Diese Astralhülle umgibt den Menschen bis zur Geschlechtsreife, bis zum vierzehnten, fünfzehnten Jahre, und zieht sich dann zurück. So wird der Mensch zum dritten Mal geboren, die astrale Geburt findet statt.“

Passage 2
Geisteswissenschaftliche Gesichtspunkte zur Erziehungsfrage, Leipzig, 12. Januar 1907
(S. ca. 305)

„So gehört zur Pflege des Kindes bis zum siebenten Jahre alles, was mit dem physischen Leib zusammenhängt. Darunter fällt die harmonische Ausbildung der Organe durch die Einwirkung auf die Sinne des Kindes. Die Physis ist daher das Maßgebende, das zu Erziehende. Dem tragen wir dadurch Rechnung, daß wir dem Kinde alles bringen, was durch die Sinne heranbildend wirkt. Aristoteles sagt: Der Mensch ist das nachahmendste der Tiere. – Das Kind ist also ein Nachahmer, alles steht bei ihm unter dem Zeichen der Nachahmung dessen, was es hört und sieht. In diesem Alter haben Gebote und Verbote wenig Bedeutung. Die größte Bedeutung aber hat das Vorbild, dadurch muß die Umgebung die Sinne des Kindes erwecken. Wie wir sind, das ist die Hauptsache, und bis in die Feinheiten hinein muß der Erwachsene sein eigenes Tun und Lassen beobachten. Er darf nichts tun, was das Kind nicht nachahmen darf, denn alles, was es sieht, das betrachtet es als etwas, was es selber tun und nachahmen darf. So überraschte ein gutgeartetes Kind seine Eltern damit, daß es Geld aus einer Kassette genommen hatte. Die Eltern waren entsetzt und glaubten, das Kind hätte einen Hang zum Stehlen. Auf Befragen stellte sich aber heraus, daß das Kind einfach nur nachgeahmt hatte, was es Vater und Mutter täglich hatte tun sehen. Auf Vorbild und Nachahmung beruht die Erziehung bis zum Zahnwechsel. Daher muß der Erzieher bis zum siebenten Jahre des Kindes in jeder Hinsicht Vorbild sein.“

Passage 3
Geisteswissenschaftliche Gesichtspunkte zur Erziehungsfrage, Leipzig, 12. Januar 1907
(S. ca. 310)

„Der kindliche Geist hat heutzutage zuviel mit dem Toten zu tun. Dem können im ersten Lebensjahrsiebent beispielsweise bewegliche Bilderbücher entgegenwirken. Alles sollte Handlung, Tat, Leben sein, das belebt den Geist und bewegt das Innere.“