Rudolf Steiner, GA 116: „Der Christus-Impuls und die Entwicklung des Ich-Bewußtseins“. Sieben Vorträge, gehalten in Berlin zwischen dem 25. Oktober 1909 und 8. Mai 1910. Dornach, 1982.
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Passage 1
Zweiter Vortrag: „Das Karmagesetz in bezug auf Einzelheiten des Lebens“, Berlin, 22. Dezember 1909
(S. ca. 43)
„Während meiner langjährigen Erziehertätigkeit konnte ich nicht nur diejenigen Kinder beobachten, welche mir gerade zur Erziehung anvertraut waren, sondern Sie wissen ja, da kommen bei Gelegenheiten verschiedene Familien zusammen, und dabei lernt man auch andere Kinder kennen, nicht nur Kinder in den verschiedensten Lebensaltern, sondern auch Kinder sozusagen von dem ersten Moment an, wo sie in die Welt treten.
Es ist jetzt vielleicht fünfundzwanzig bis dreißig Jahre her, da hatte man eine bestimmte Zeitlang in der Medizin – bei der Sie vielleicht auch schon bemerkt haben, wie sie eine von fünf zu fünf Jahren stetig sich ändernde Auffassung hat von dem, was dem Menschen «gesund» ist – eine ganz besondere Anschauung: nämlich die Anschauung, daß es besonders stärkend wäre für schwache Kinder, wenn man ihnen im Alter von drei, vier, fünf Jahren täglich ein tüchtiges Glas Rotwein verabreicht. Ich habe Kinder gesehen, die dieses Glas Rotwein bekommen haben, und auch solche, die es nicht bekommen haben. Ich konnte nun warten mit meinem Beobachten – denn selbstverständlich, die Medizin ist ja zunächst unfehlbar; gegen sie etwas auszusprechen, würde unter den Vorurteilen einer jeweiligen Gegenwart gar nicht viel fruchten -, ich konnte also mit meinen Beobachtungen warten. Die Kinder nun, welche damals von zwei bis fünf Jahren zu ihrer Stärkung täglich ihr Glas Rotwein bekommen haben, sind jetzt jüngere Leute von fünfundzwanzig bis siebenundzwanzig Jahren, und ich habe gefunden – denn ich habe wohl darauf geachtet, denn da erst zeigen sich die Wirkungen einer solchen Anschauung -, ich habe gefunden: alle die Kinder, welche ihren Rotwein bekommen haben, sind «Zappel-Philippe» geworden, ihr astralischer Leib zappelt, und sie können nicht viel mit ihm anfangen, sie wissen nicht, wie sie mit ihrem unwillkürlich sich regenden Seelenleben sich zurechtfinden sollen. Diejenigen dagegen, welche damals «leider», wie man sagte, nicht mit jenem Glas Rotwein gestärkt werden konnten, sind jetzt ganz in sich gefestigte Naturen geworden, die nun nicht so zappelig sind in ihrem astralischen Leib oder in ihrem Nervensystem, wie man es materialistisch ausdrückt.“