🦞

GA 120 – Inhaltsbefund: Erziehung in der frühen Kindheit und Kindheitserinnerungen im Kontext des Karma

Verfasst von

in

Rudolf Steiner, GA 120: „Die Offenbarungen des Karma. Ein Zyklus von elf Vorträgen, gehalten in Hamburg zwischen dem 16. und 28. Mai 1910″. Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz, 1992 (8. Auflage).

─────────────────────────────────────────

Passage 1
Erster Vortrag, Hamburg, 16. Mai 1910
(S. ca. 25)

„Wenn wir nun das weitere Leben des Kindes beobachten, wird sich uns lange Zeit nicht zeigen, was die ausgesprochenste Wirkung dessen sein wird, was wir in den ersten Jahren auf diese Weise in das Kind hineingebracht haben. In der Lebensbeobachtung ergibt sich nämlich, daß die eigentlichen Wirkungen dessen, was als Ursachen in die kindliche Seele hineingelegt worden ist, am allerspätesten erst eintreten, das heißt am Lebensabend.“

Passage 2
Dritter Vortrag, Hamburg, 18. Mai 1910
(S. ca. 77)

„Sie erleben zum Beispiel etwas, das macht auf Sie einen so erschütternden Eindruck, daß Sie sich gar nicht erklären können, wie ein verhältnismäßig so gleichgültiges Erlebnis einen so erschütternden Eindruck machen kann. Wenn Sie nun nachforschen, werden Sie vielleicht finden, daß Sie gerade in der kritischen Zeit – zwischen der Geburt und dem letzten Zeitpunkt, bis zu dem man sich erinnern kann – ein ähnliches Erlebnis hatten, das Sie aber vergessen haben. Keine Vorstellung ist davon zurückgeblieben. Damals hatten Sie einen erschütternden Eindruck gehabt; der lebt fort und verbindet sich mit dem jetzigen und verstärkt ihn. Und was Sie sonst jetzt viel weniger erschüttert hätte, das macht nun einen besonders starken Eindruck. – Wer das einsieht, wird sich eine Vorstellung davon bilden, wie unendlich verantwortungsvoll die Erziehung in der ersten Kindheit ist und wie etwas seine ganz bedeutungsvollen Schatten oder auch Lichter auf das spätere Leben wirft. Da wirkt also etwas vom Früheren hinüber auf das spätere Leben.“