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GA 56 – Inhaltsbefund: Kindheitsentwicklung und Erziehung bis zum Zahnwechsel

GA 56: Die Erkenntnis der Seele und des Geistes
FĂŒnfzehn öffentliche VortrĂ€ge, gehalten zwischen dem 10. Oktober 1907 und dem 14. Mai 1908 im Architektenhaus in Berlin

GA 56 enthĂ€lt in einem Vortrag ĂŒber „Mann, Weib und Kind“ pĂ€dagogisch-entwicklungsbeschreibende AusfĂŒhrungen zur frĂŒhen Kindheit, zur Epoche von der Geburt bis zum Zahnwechsel sowie zum Wesen der kindlichen IndividualitĂ€t.

PASSAGE 1: Physische Formbildung von der Geburt bis zum Zahnwechsel

«Bis zum ersten Zahnwechsel des Kindes bildet sich der physische Leib aus. Der Mensch wĂ€chst dann freilich noch weiter, aber dieses Wachstum ist nur ein GrĂ¶ĂŸerwerden der Gestalt, ein Ausweiten der Form, die er bis zum siebenten Jahre erhalten hat. Darin liegt ein wichtiger Regulator fĂŒr die Erziehung. Bis zu dieser Zeit soll man vorab die physische Form des Kindes ausbilden. Tut man dies nicht, so hat man etwas fĂŒr das ganze Leben des betreffenden Menschen versĂ€umt.»

PASSAGE 2: Ätherleib und MutterhĂŒlle bis zum Zahnwechsel

«In der zweiten Periode bis zum PubertĂ€tsalter bildet sich der Ätherleib aus. In der Zeit vorher war dieser freilich nicht untĂ€tig. Nur ist der Ätherleib bis zum Zahnwechsel in einer Art MutterhĂŒlle eingeschlossen. Erst von dieser Zeit an wird er frei und kann sich entfalten. In der Geschlechtsreife ist ein Schlußpunkt der Entwickelung des Ätherleibes erreicht, und von jetzt an wird die Entwickelung des astralischen Leibes frei.»

PASSAGE 3: Das Kind als lebendiges RĂ€tsel – Vererbung und IndividualitĂ€t

«Das Kind ist gleichsam ein lebendiges RÀtsel vor unseren Augen. Vorurteile in vielen Zweigen des Lebens können manchmal noch korrigiert werden, Vorurteile aber in der Erziehung des Kindes wirken oft verderblich und können hÀufig nicht mehr verbessert werden.»

«Was als die tiefere Grundlage, als die IndividualitĂ€t des Kindes erscheint, ist das, was sich als Seele in die Leiblichkeit eingliedert, nachdem es in einem anderen Dasein inzwischen fortgelebt hat. Mann und Weib haben dem Kinde bloß eine HĂŒlle zu geben.»

PASSAGE 4: Recht der kindlichen IndividualitÀt und Erzieheraufgabe

«Wird so ein jedes Kind betrachtet, haben wir ihm gegenĂŒber kein Recht, unsere Eigenheit ihm aufzudrĂ€ngen. Der richtige Erzieher kann nur so weit die kindliche Entwickelung fördern, als er dies selber an sich gelernt hat. Das Kind ist der grĂ¶ĂŸte Lehrmeister des Erziehers.»

«Wenn der Erzieher dieses RĂ€tsel am Kinde grĂŒndlich löst, dann ist er der beste Erzieher. Wer derlei Anschauungen mit der ganzen Seele durchdringt, dem verwandeln sie sich in Achtung fĂŒr die Wesenheit des Kindes und erwecken Ehrfurcht fĂŒr das, was da wĂ€chst und wird.»