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GA 64 – Inhaltsbefund: Bildekräfte im Säuglingsalter, Gedächtnis und der Leib als Spiegelungsapparat

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GA 64: Aus schicksaltragender Zeit
Vierzehn öffentliche Vorträge, Berlin/Nürnberg/München 1914/1915

Inhaltsbefund: GA 64 enthält eine ausführliche Passage über die früheste Kindheit: In der ersten Zeit nach der Geburt sind die Seelenkräfte noch Bildekräfte, die plastisch an den zarten Organen – Nervensystem und Gehirn – arbeiten. Erst wenn diese Organisation verhärtet ist, werden die Kräfte zurückgeworfen und ermöglichen das Gedächtnis. Der Leib des Kindes wirkt wie ein Spiegel, der die Seelenerlebnisse zurückwirft.

Passage 1: Kräfte im Säuglingsalter – Bildekräfte des Organismus statt Gedächtnis

„In der ersten Zeit, die der Mensch durchlebt nach seiner Geburt, nachdem er die Welt betreten hat, da ist diese Erinnerung noch nicht lebendig. Diese Erinnerung tritt erst im zartesten Kindesalter auf; bis zu einem bestimmten Punkt des zarten Kindesalters erinnern wir uns später zurück.“

„Diese Kräfte waren schon da, bevor die Erinnerung da war, sie waren schon unmittelbar nach der Geburt vorhanden, aber sie hatten da eine andere Aufgabe. Sie hatten die Aufgabe, noch zu arbeiten an den zarten Organen des Menschen, an dem Nervensystem und dem Gehirn des Menschen; an dem Nervensystem und Gehirn haben sie plastisch zu arbeiten. Sie waren da noch Bildekräfte des menschlichen Organismus, desjenigen, was gleichsam noch weich ist […], was erst so geformt werden muß, daß der Mensch dieser bestimmte Mensch ist. Das läuft als Bildekräfte noch in die leibliche Organisation hinein im zartesten Kindesalter.“

Passage 2: Der Leib als Spiegel – Entstehung von Gedächtnis und Ich-Bewußtsein

„Und wenn diese Organisation verhärtet ist […] so weit verhärtet ist, daß diese Bildekräfte nicht mehr in sie hineinströmen, dann werden sie von dem Leiblichen zurückgeworfen ins Seelische. Das Leibliche wirkt wie ein Spiegel. Und das, was wir dann seelisch erleben, besonders das, was in unseren Erinnerungen aufgespeichert wird, das sind Spiegelbilder, die von unserem Leibesleben zurückgeworfen werden. In Wahrheit erinnern wir uns deshalb, weil unser Leib ein Spiegelungsapparat ist.“

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