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GA 95 – Inhaltsbefund: Entwicklung der Wesensglieder und Erziehung in den ersten Lebensjahren

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Rudolf Steiner, GA 95: „Vor dem Tore der Theosophie“. Vierzehn Vorträge, gehalten in Stuttgart vom 22. August bis 4. September 1906, mit zwei Fragenbeantwortungen (Hörernotizen). Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz, 1990.

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Passage 1
Fünfter Vortrag, Stuttgart, 26. August 1906
(S. ca. 56)

„Nun darf man sich nicht vorstellen, daß die höheren Wesensglieder von Anfang an in vollster Weise mit dem Embryo verbunden sind. Was seine Tätigkeit zunächst entfaltet, ist der Kausalkörper, denn dieser arbeitet schon bei der allerersten Entstehung des physischen Leibes. Der Ätherleib fängt erst in der siebenten Woche an, am Embryo zu arbeiten, der Astralleib erst im siebenten Monat. Vorher arbeitet am Kinde der Ätherleib und der Astralleib der Mutter. Es ist nun sehr wichtig für die Erziehung der ersten Jahre beim Kinde, diese Körper weiterzuentwickeln. Diesem sollte bei der Erziehung des Kindes viel mehr Rechnung getragen werden, als es geschieht. Es sollte die Zeit beobachtet werden, wo der Ätherleib und der Astralleib des Kindes anfangen mitzuarbeiten.“

Passage 2
Sechster Vortrag, Stuttgart, 27. August 1906
(S. ca. 54)

„Nach der Geburt tritt der Mensch hinein in ein neues Leben, und seine verschiedenen Leiber entwickeln sich in ganz verschiedener Art und Zeit. Der Erzieher sollte darauf Rücksicht nehmen. Ganz anders ist es vom ersten bis zum siebenten Jahre, ganz anders in den zweiten sieben Jahren, vom siebenten bis zum fünfzehnten oder sechzehnten Jahre, bei den Knaben später, bei den Mädchen früher. […] Von der Geburt bis zum siebenten Jahre kommt für Eltern und Erzieher eigentlich nur der physische Leib des Kindes in Betracht. Durch die Geburt ist der physische Leib für seine Umgebung frei geworden. Vor der Geburt bildet derselbe einen Bestandteil des Organismus der Mutter. Die ganze Zeit während der Keimung geht das Leben der Mutter und dasjenige des menschlichen Keimes ineinander. Der physische Leib der Mutter umhüllt den physischen Leib des Kindes; das bedeutet, daß er noch unzugänglich ist für die physische Außenwelt. Erst nach der Geburt ändert sich dies.“

Passage 3
Sechster Vortrag, Stuttgart, 27. August 1906
(S. ca. 56)

„Wie wirkt man in den ersten sieben Jahren am besten auf den Menschen ein? Indem man die Sinnesorgane ausbildet. Alles, was von außen auf sie einwirkt, ist bedeutsam. Alles, was der Mensch in den ersten sieben Jahren sieht und hört, wirkt auf ihn ein durch die Sinnesorgane. Aber nicht durch einen Lehrstoff oder mündliche Belehrung wirkt man auf die Sinnesorgane ein, sondern durch das Beispiel, das Vorbild. Man muß dem Kinde etwas für seine Sinne bieten; das ist wichtiger als alles andere in den ersten sieben Jahren. Das Kind sieht, wie sich die Menschen benehmen in seiner Umgebung, es sieht es mit seinen Augen. Aristoteles sagt mit Recht: Der Mensch ist das nachahmendste der lebenden Wesen. – Vorzugsweise ist das in den ersten sieben Jahren der Fall. Nie wieder ist der Mensch so sehr der Nachahmung zugänglich wie in diesen ersten sieben Jahren.“

Passage 4
Sechster Vortrag, Stuttgart, 27. August 1906
(S. ca. 57)

„Nicht was man sagt, sondern wie man ist, wirkt in den ersten sieben Jahren auf das Kind ein. Wegen der ungemeinen Subtilität dieser Wesensglieder muß sich die Umgebung des Kindes aller unreinen, unmoralischen Gedanken und Gefühle enthalten.“