Rudolf Steiner, GA 140: „Okkulte Untersuchungen über das Leben zwischen Tod und neuer Geburt. Die lebendige Wechselwirkung zwischen Lebenden und Toten. Zwanzig Vorträge, gehalten 1912/1913 in verschiedenen Städten“. Rudolf Steiner Verlag, Dornach, 2003 (5. Auflage).
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Passage 1
Vom Leben nach dem Tode, Linz, 26. Januar 1913
(S. ca. 176)
„Wenn wir geboren werden, ist unser Gehirn noch weich; dann sind die Verbindungen, die vom Gehirn zu den einzelnen Organen gehen, noch unausgebildet, und diese Weisheit haben wir in den Zeiten unserer Kindheit, um die Organe, um das Instrument einzuspielen. Später, in dem Momente, an den wir uns zurückerinnern als an jenen, wo wir bewußt werden unser selbst, haben wir die Fähigkeit schon verloren, auf unserem Instrument zu spielen; viel besser ist sie in der ersten Kindheit als später.“
Passage 2
Die Mission des Erdenlebens als Durchgangspunkt für das Jenseits, Frankfurt, 2. März 1913
(S. ca. 251)
„Der Mensch muß ja zweierlei mitbringen in dieses physische Dasein, was ihm sozusagen herangebildet und erkraftet ist zwischen dem Tode und der Geburt. Er muß diejenigen Kräfte hereinbringen, die ihn befähigen, wenn er sich verbunden hat mit dem, was in der Vererbungsströmung liegt und ihm sozusagen als von der Vererbungsströmung kommende Substantialität übergeben wird, er muß in dem, was sich da verbindet mit dieser Vererbungsströmung, die Kräfte haben, welche von den ersten Jahren an und dann lange noch durch das Leben hindurch von innen heraus die Leiblichkeit plastisch ausgestalten; so daß die Leiblichkeit durchaus angepaßt ist der Individualität, die sich der Mensch aus dem vorhergegangenen Erdenleben herüberbringt.“
Passage 3
Die Mission des Erdenlebens als Durchgangspunkt für das Jenseits, Frankfurt, 2. März 1913
(S. ca. 261)
„Es ist ganz allbekannt, daß ein Menschenkind, das, bevor es sprechen gelernt hat, versetzt werden würde auf eine einsame Insel, wenn es dort aufwachsen muß, ohne daß ein menschlicher Laut an es herandringt, niemals sprechen lernen würde! Daraus geht hervor, daß der Mensch von selber sich das Sprechen nicht heranbildet, wenn es nicht von außen an ihn herankommt.“
Passage 4
Über den Verkehr mit den Toten, Düsseldorf, 27. April 1913 (Hörernotizen)
(S. ca. 318)
„Und das, was als Empfängnis auftritt, ist, daß der Mensch dann die Kräfte empfängt, die an seinem eigenen Leibe mitarbeiten, namentlich am Kopf und an der allgemeinen Leibesform. Daher müssen wir uns vorstellen, daß von da an am meisten an uns gearbeitet wird in der tieferen Struktur des Kopfes, weniger an Händen und Füßen, auch weniger am Rumpfe, aber am Kopfe gegen den Rumpf zu. Das ziselieren wir aus. Dann setzen wir die Arbeit fort nach der Geburt. Aber wir gliedern erst alles in den Astralleib ein. Wir bereiten die Kopfform astralisch vor. Das geht sogar so weit, daß wir sagen können: zuallerletzt wird in das astralische Vorbild, das sich dann verbindet mit der Leibesform, das geformt, was dann die Schädelform gibt. Die Schädelform ist für jeden Menschen individuell. Das wird zuletzt ausziseliert, was die Gehirnform ist.“
Passage 5
Die Umwandlung menschlich-irdischer Kräfte zu Kräften hellseherischer Forschung, Bergen, Zweiter Vortrag, 11. Oktober 1913
(S. ca. 348)
„Die Entwickelung des Gehirns ist zwar am lebhaftesten in den ersten Jahren des menschlichen Lebens; da sieht man hellsichtig den Ätherleib und auch den Astralleib am meisten tätig an der Furchung, an der Gliederung des Gehirns. Aber es dauert diese Arbeit an unserem Gehirn verhältnismäßig sehr lange. Und es ist nicht zu viel gesagt, wenn man behauptet, daß der Mensch wirklich — wenn es auch in späteren Jahren langsamer geht — durch die Lebenserfahrung schon immer gescheiter und gescheiter wird.“
Passage 6
Die Umwandlung menschlich-irdischer Kräfte zu Kräften hellseherischer Forschung, Bergen, Zweiter Vortrag, 11. Oktober 1913
(S. ca. 352)
„Es gibt etwas, zu dem der Mensch sehr viel Kräfte verwenden muß: das ist, daß er sein Leben lang nicht auf allen vieren kriecht, sondern im jugendlichen Lebensalter dazu kommt, sich aufzurichten. Die Kräfte, die den Menschen zum vertikalen Wesen machen, sind Kräfte, die denjenigen, der eingedrungen ist in die geistige Welt, mit ganz besonderer Ehrfurcht erfüllen. Zuzuschauen, wie ein Kind gehen lernt, das schließt für den, der hellsichtige Forschung anstellt, ein wunderbares Mysterium ein. Die Kräfte, die man verwendet, um sich aufzurichten als Kind, die lassen übrig — aber man berücksichtigt dieses Überbleibsel zu wenig —, die lassen übrig diejenigen Kräfte, die einen befähigen, hineinzuschauen in die Welt zwischen Tod und neuer Geburt.“