Muttermilch bei Rudolf Steiner – Umfassende Zitatsammlung

Einleitung

Rudolf Steiner hat in zahlreichen Vorträgen über die Bedeutung der Muttermilch für die kindliche Entwicklung gesprochen. Die folgende Sammlung bietet einen Überblick über seine wichtigsten Aussagen aus der Gesamtausgabe (GA).


1. Genius der Natur – Aufweckung des schlafenden Geistes

GA 293, S. 10 (1919): Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik

„Die erzieherische Wirkung der Sprache (‚Genius der Sprache‘) im frĂĽhen und der Muttermilch (‚Genius der Natur‘) im ersten Kindesalter: Aufwecken des schlafenden Menschengeistes.“


2. Der Säugling schmeckt mit dem ganzen Körper

GA 303, S. 275-276 (1921/22): Die gesunde Entwicklung des Menschenwesens

„Der Erwachsene hat ja nur noch die Möglichkeit, Geschmacksempfindungen auf seinem Gaumen und dessen Nachbarorganen zu haben. Er hat schon einmal das Malheur, dass alle Geschmacksempfindungen sich nach dem Kopfe hingezogen haben, und dadurch unterscheidet er sich von dem Kinde, das im Säuglingsalter durch und durch Geschmacksorganismus ist, das durch und durch schmeckt. […] Mit welcher intensiven SĂĽĂźe der ganze physische Organismus des Säuglings durch die Muttermilch durchzogen wird.“

GA 347, S. 101 (1922): Die Erkenntnis des Menschenwesens

„Das Kind fĂĽhlt, denkt aber natĂĽrlich noch nicht; daher kennt es den Geschmack nicht so, wie der erwachsene Mensch seinen Mundgeschmack kennt. Das Kind muss daher solche Nahrungsmittel kriegen, die im Magen drinnen nicht allzuschlecht schmecken. Und das ist eben die Muttermilch oder die Milch ĂĽberhaupt, aus dem Grunde, weil sie einen nicht allzuschlechten Geschmack im Magen bekommt, weil das Kind verwandt ist mit der Milch.“


3. Verwandtschaft zwischen Mutter und Kind

GA 347, S. 83 (1922): Die Erkenntnis des Menschenwesens

„Am besten wird daher der Säugling mit der Milch der eigenen Mutter ernährt. Nicht wahr, das Kind geht ja hervor aus dem Leibe der Mutter. Man kann also begreifen, dass es in seinem ganzen Organismus, in seinem ganzen Leib verwandt ist mit der Mutter. Es muss daher am besten dann gedeihen, wenn es nicht gleich, wenn es zur Welt kommt, etwas anderes bekommt als dasjenige, was auch aus dem Leib der Mutter kommt, mit dem es also verwandt ist.“

GA 347, S. 84 (1922):

„Allerdings, es kommt ja vor, dass die Muttermilch nicht geeignet ist durch ihre Zusammensetzung. Manche Menschenmilch ist zum Beispiel bitter, manche zu salzig. Da muss dann eine andere Ernährung, durch eine andere Persönlichkeit am besten, einsetzen.“


4. Muttermilch vs. Kuhmilch

GA 347, S. 26 (1922):

„Wodurch ist der Mensch ein denkendes Wesen? Milchernährung. Eselsmilch. Muttermilch. Abtötung und Wiederbelebung der Nahrung.“

GA 347, S. 84 (1922):

„Nun kann ja die Frage entstehen: Kann das Kind nicht gleich vom Anfange an mit Kuhmilch ernährt werden? – Nun, da muss man sagen: In den allerersten Zeiten des Säuglingsalters ist die Ernährung mit der Kuhmilch nicht sehr gut.“


5. Die gute Mumie – die lebendige Kraft der Mutter

GA 317, S. 180 (1924): Heilpädagogischer Kurs

„Die Wirkung der Muttermilch besteht darin, dass in der Muttermilch durchaus dasjenige lebt, was in älteren Betrachtungsweisen genannt worden ist die gute Mumie im Gegensatz zur schlechten Mumie, die in andern Abscheidungsprodukten lebt. Die ganze Mutter lebt in der Muttermilch. Da haben wir durchaus etwas als Kraft lebend, was eigentlich seine Region nur geändert hat innerhalb der menschlichen Organisation.“


6. Astralität der Muttermilch und Pflanze

GA 317, S. 181 (1924): Heilpädagogischer Kurs

„Und wenn wir uns auf der einen Seite die Muttermilch anschauen und auf der andern Seite uns anschauen dasjenige, was da als von der Pflanze ersehntes Astralisches ĂĽber der Pflanze darĂĽberschwebt, dann ergibt sich fĂĽr eine okkulte Anschauung eine ungeheuer nahe Verwandtschaft – nicht eine völlige Gleichheit – zwischen derjenigen Astralität, welche mit der Muttermilch aus der Mutter kommt und derjenigen Astralität, die aus dem Kosmos an die PflanzenblĂĽte heranschwebt.“


7. Geistig formende Kräfte der Muttermilch

GA 317, S. 10 (1924): Heilpädagogischer Kurs

„Die geistig formenden Kräfte der Muttermilch; die Pflanze in ihrer Beziehung zum Menschen; Krankheit und Tierreich.“

GA 303, S. 381 (1921/22):

„bei krankhaft Sanguinischem: Wirkungen der Muttermilch; die Bedeutung von GenuĂźmitteln; Interesselosigkeit beim Kind als Barometer fĂĽr unzureichende Ernährung.“


8. Zucker in der Muttermilch – Temperamente

GA 303, S. 281 (1921/22):

„Sehen Sie, die Muttermilch am meisten, Milch- und Milchprodukte aber ĂĽberhaupt, wirken so auf den Menschen, dass sie ihre Wirksamkeit in gleichmäßiger Art auf den ganzen Menschen erstrecken. Alle Organe kommen gewissermaĂźen in einer gewissen Harmonie zu ihrem Rechte durch Milch und Milchprodukte.“

GA 310, S. 130 (1924): Der pädagogische Wert der Menschenerkenntnis

„…es war die Muttermilch zu sĂĽĂź, hat zu viel Zuckerstoff enthalten. Und dann setze ich der Mutter auseinander, fĂĽr einige Zeit dem Kinde eine Diät zu geben, die zuckerärmer ist als bisher…“


9. Die Muttermilch als „gleiche Quelle“

GA 310, S. 43 (1924):

„Das Kind… ist es ja schon physiologisch zunächst darauf angewiesen, nicht unmittelbar von der äuĂźeren Welt aufgenommen zu werden; denn es bekommt naturgemäß die Muttermilch, also nicht schon Nahrungsmittel, die aus der äuĂźeren Welt aufgenommen werden, sondern solche, die aus derselben Quelle herstammen, aus der das Kind selber stammt.“

GA 310, S. 45 (1924):

„Der Säugling muss die Stoffe der AuĂźenwelt aufnehmen; er muss sie in der Muttermilch vorbereitet aufnehmen. Er muss sozusagen bei dem bleiben, was ihm zunächst gleichartig ist. Er muss erst in die AuĂźenwelt hineinwachsen.“


10. Fallbeispiele aus der Heilpädagogik

GA 317, S. 90 (1924):

„Der Junge ist nur drei Monate mit Muttermilch ernährt worden. Dann vom neunten Monate bis zum dritten Jahre aĂź er sehr schlecht.“

GA 317, S. 120 (1924):

„Es wurde mit Muttermilch ernährt. Der Kopf war bei der Geburt auffallend klein…“

GA 317, S. 126 (1924):

„Das Kind wurde sieben Monate lang mit Muttermilch ernährt. Mit einem Jahr hat es gehen gelernt.“

GA 317, S. 136 (1924):

„Nun können Sie sich denken, dass Muttermilch nicht unter allen Umständen auf ein solches Kind so wirken kann, wie sie auf ein anderes Kind wirkt. Die Muttermilch ist dazu bereitet, dass sie vom Verdauungssystem aus sich in normaler Weise umsetzt bis ins Sinnes-Nervensystem hinein. Daher wurde Anfang März die Muttermilch bei diesem Kinde weggelassen.“


11. Analogie: Muttermilch und Erziehung

GA 217, S. 140 (1922): Geistige Wirkenskräfte im Zusammenleben

„Denn in Wahrheit kann die Jugendbewegung nicht eine bloĂźe Opposition sein, sondern es ist schon ähnlich so wie mit dem Säugling: konnte man nicht von der Mutter die Muttermilch bekommen, man könnte alles andere auch nicht.“


12. Langzeitfolgen

GA 347, S. 83 (1922):

„Wenn die Leber auch schon während des Säuglingsalters gestört wird, hält sie dies noch durch bis zum fĂĽnfundvierzigsten, fĂĽnfzigsten Lebensjahre. Dann zeigt sie sich innerlich verhärtet und es entstehen die Leberkrankheiten, die manchmal eben so spät beim Menschen auftreten und die dann eine Folge sind von dem, was während des Säuglingsalters verdorben worden ist.“


Quellenverzeichnis

  • GA 217: Geistige Wirkenskräfte im Zusammenleben von alter und junger Generation (1922)
  • GA 293: Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik (1919)
  • GA 303: Die gesunde Entwicklung des Menschenwesens (1921/22)
  • GA 310: Der pädagogische Wert der Menschenerkenntnis (1924)
  • GA 317: Heilpädagogischer Kurs (1924)
  • GA 347: Die Erkenntnis des Menschenwesens (1922)

Gesamtwerk der Rudolf Steiner, alle Zitate aus der Original-Quelle entnommen.

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