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Autor: wp-editor

  • GA 59 – Inhaltsbefund: Lachen, Weinen und Sprache im frĂŒhen Kindesalter

    GA 59: Metamorphosen des Seelenlebens – Pfade der Seelenerlebnisse (Zweiter Teil)
    Neun öffentliche VortrÀge, Berlin 1910

    Inhaltsbefund: GA 59 enthĂ€lt mehrere Passagen, die den frĂŒhen Lebensabschnitt des Kindes behandeln – insbesondere den Nachahmungstrieb als Grundlage der ersten Erziehung, den frĂŒhkindlichen Spracherwerb sowie die Entwicklung von Lachen und Weinen in den ersten Lebenswochen als Zeichen des eintretenden Ich.

    Passage 1: Nachahmungstrieb als Grundlage der ersten Erziehung

    „Nachahmung ist etwas, was wir zum Beispiel beim Kind finden, wenn noch die anderen Seelenglieder wenig entwickelt sind. Nachahmung ist etwas, was zum unterbewußten Wesen der Menschennatur gehört. Daher sollen wir die erste Erziehung auf Nachahmung begrĂŒnden, weil im Menschen, bevor das Ich beginnt, in seinen inneren TĂ€tigkeiten Ordnung zu schaffen, der Nachahmungstrieb wie ein natĂŒrlicher Trieb vorhanden ist.“

    Passage 2: FrĂŒhkindlicher Spracherwerb – Ma, Pa und die Entstehung von Mama, Papa

    „Da können wir sehen, wie das Kind beginnt, irgend etwas, was es fĂŒhlt, in den Ton umzusetzen. Wenn das Kind zuerst Ma und Pa schreit, so ist das nichts anderes als ein innerliches Umgießen des Affektes in den Laut. Es ist nur die Äußerung eines Inneren. Wenn aber dieses Kind sich so Ă€ußert, dann kommt zum Beispiel die Mutter herbei, und das Kind merkt dann, daß demjenigen, was sich innerlich als Freude Ă€ußert, indem es sich umgießt in den Laut Ma, ein Ă€ußeres Ereignis entspricht. […] Da gesellt sich zusammen inneres Erlebnis von Freude oder Schmerz und Ă€ußerer Eindruck, und es verbindet sich das, was von innen hervorstrahlt mit dem Ă€ußeren Eindruck. […] Denn das, was dazu gefĂŒhrt hat aus einer inneren Äußerung – Ma, Pa – die Worte Mama und Papa zu bilden, weil diese Äußerung sich im Herbeieilen von Mutter oder Vater befriedigt fĂŒhlte, das geschieht in unzĂ€hligen FĂ€llen.“

    „Das alles geschieht ohne Zutun des Ich. Erst spĂ€ter ĂŒbernimmt das Ich diese TĂ€tigkeit.“

    Passage 3: Lachen und Weinen – Erscheinen des Ich ab dem 36./40. Lebenstag

    „Wahres Lachen und wahres Weinen tritt erst auf vom sechsunddreißigsten oder vierzigsten Lebenstage an. Vorher kann das Kind nicht lachen und nicht weinen; und der Grund dafĂŒr ist der: Obwohl es entschieden ist, was fĂŒr ein Ich aus einer vorhergehenden Verkörperung gerade in diesem Kinde lebt, so wirkt dieses Ich doch nicht gleich in den ersten Lebenstagen in dem Menschen gestaltend; es wirkt nicht gleich so, daß es Beziehungen zur Außenwelt sucht.“

    „Wenn wir einen Menschen mit der Geburt ins Dasein treten sehen, zeigt sich uns zunĂ€chst das Unbestimmte der Physiognomie des Menschen, und wie unbestimmt dasjenige ist, was der Mensch einmal als Talente, Anlagen und besondere Eigenschaften darleben wird. Aber wir sehen auch, wie das schaffende, wirkende Ich, das sich EntwickelungskrĂ€fte aus den vorhergehenden Leben hereingebracht hat, die unbestimmten ZĂŒge immer bestimmter und bestimmter herausarbeitet und dasjenige modifiziert, was durch die Vererbung gegeben worden ist.“

    „Das Ich sitzt in den ersten Tagen noch tief verborgen darinnen und wartet, bis es in die unbestimmte Physiognomie dasjenige hineinarbeiten kann, was es aus den frĂŒheren Leben herĂŒbergetragen hat, was es von Tag zu Tag, von Jahr zu Jahr herausarbeiten kann.“

    „Bevor nun das Kind den individuellen, nur fĂŒr diesen Menschen geltenden Charakter annimmt, ist es nicht möglich, daß das Ich irgendeine Beziehung zur Außenwelt ausdrĂŒcken kann durch Lachen und Weinen. Denn auf das Ich kommt es an, auf das Individuellste, das ein Band sucht, das sich in Harmonie, in Einklang bringen will mit der Umgebung.“

    Beitrag mit 3 Passagen veröffentlicht als Post ID 151.

  • GA 58 – Inhaltsbefund: Erste Kindheitsjahre, Charakter und Erziehung

    GA 58: Metamorphosen des Seelenlebens – Pfade der Seelenerlebnisse
    Achtzehn öffentliche VortrÀge, Berlin 1909/1910

    GA 58 enthĂ€lt in einem Vortrag ĂŒber den menschlichen Charakter und seine Entwicklungsepochen pĂ€dagogische AusfĂŒhrungen zur frĂŒhen Kindheit und zu den ersten Lebensjahren bis zum Zahnwechsel.

    PASSAGE 1: Die erste Epoche – Geburt bis Zahnwechsel, physischer Leib und Erziehung

    «Der Mensch macht zunĂ€chst eine Epoche durch vom Momente seiner Geburt bis zu der Zeit, wo der Zahnwechsel um das siebente Jahr herum eintritt. Das ist die Epoche, wo vorzugsweise der physische Leib durch Ă€ußeren Einfluß ausgebildet werden kann.»

    «Da wir aber innerhalb gewisser Grenzen durch die Erziehung dem Kinde bis zum siebenten Jahr KrĂ€fte zufĂŒhren können fĂŒr den physischen Leib, so sehen wir hier einen merkwĂŒrdigen Lebenszusammenhang. Oh, es ist nicht gleichgĂŒltig fĂŒr das spĂ€tere Leben des Menschen, was der Erzieher mit dem Kinde vornimmt!»

    PASSAGE 2: Freude und Liebe in den ersten Jahren formen den physischen Leib

    «Was wir da dem Kinde zufĂŒhren an Freuden des unmittelbaren physischen Lebens, an Liebe, die einströmt aus seiner Umgebung, das fĂŒhrt dem physischen Leibe KrĂ€fte zu, das macht ihn bildungsfĂ€hig, das macht ihn gleichsam weich und plastisch.»

    «Und so viel Freude und so viel Liebe und GlĂŒck wir dem Kinde in dieser ersten Lebensepoche zufĂŒhren, um so weniger Hindernisse und Hemmnisse hat der Mensch dann spĂ€ter, wenn er aus seiner Bewußtseinsseele heraus, durch die Arbeit des Ich, das auf der Bewußtseinsseele wie auf einer Saite spielt, einen offenen, einen freien, mit der Welt in Wechselwirkung tretenden Charakter bilden soll.»

    PASSAGE 3: Schmerz und Unlust in der ersten Epoche verhÀrten den physischen Leib

    «Alles das, was wir an Unliebe, was wir an finsteren Lebensschicksalen, an Schmerz das Kind bis zum siebenten Lebensjahre ertragen lassen, verhĂ€rtet seinen physischen Leib, und das alles schafft dann Hindernisse fĂŒr das spĂ€tere Lebensalter.»

    PASSAGE 4: Das Kind bei der Geburt – offener Charakter und EinprĂ€gung durch das Ich

    «Das Tier ist seinem Charakter nach von allem Anfange an durch die Geburt bestimmt, ist voll ausgeprĂ€gt; es kann nicht plastisch arbeiten an seinem Äußeren; der Mensch aber hat gerade diesen Vorzug, daß er bei seiner Geburt auftritt, ohne einen bestimmten Charakter nach außen zu zeigen, daß er aber in demjenigen, was in den tiefen UntergrĂŒnden seines Wesens schlummert, was von frĂŒheren Leben her in dieses Dasein hereingeraten ist, KrĂ€fte hat, die sich in dieses unbestimmte Äußere hineinarbeiten und so den Charakter allmĂ€hlich formen.»

    «Im Gröberen arbeitet der Mensch in das Plastische seines Leibes schon vor der Geburt alles das hinein, was er vorher als FrĂŒchte erhalten hat; aber im Feineren arbeitet der Mensch – und das zeichnet ihn dem Tiere gegenĂŒber aus – auch nach der Geburt wĂ€hrend seiner ganzen Kindheit und Jugendzeit, er arbeitet in die feinere Gliederung seiner Ă€ußeren und auch inneren Natur alles das hinein, was das Ich sich an Bestimmungsmerkmalen, an BestimmungsgrĂŒnden aus seinem vorhergehenden Leben mitgebracht hat.»

    Hinweis: Steiner verweist im Text ausdrĂŒcklich auf seine Schrift «Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft» als Grundlage fĂŒr die skizzierten Entwicklungsepochen.

  • GA 56 – Inhaltsbefund: Kindheitsentwicklung und Erziehung bis zum Zahnwechsel

    GA 56: Die Erkenntnis der Seele und des Geistes
    FĂŒnfzehn öffentliche VortrĂ€ge, gehalten zwischen dem 10. Oktober 1907 und dem 14. Mai 1908 im Architektenhaus in Berlin

    GA 56 enthĂ€lt in einem Vortrag ĂŒber „Mann, Weib und Kind“ pĂ€dagogisch-entwicklungsbeschreibende AusfĂŒhrungen zur frĂŒhen Kindheit, zur Epoche von der Geburt bis zum Zahnwechsel sowie zum Wesen der kindlichen IndividualitĂ€t.

    PASSAGE 1: Physische Formbildung von der Geburt bis zum Zahnwechsel

    «Bis zum ersten Zahnwechsel des Kindes bildet sich der physische Leib aus. Der Mensch wĂ€chst dann freilich noch weiter, aber dieses Wachstum ist nur ein GrĂ¶ĂŸerwerden der Gestalt, ein Ausweiten der Form, die er bis zum siebenten Jahre erhalten hat. Darin liegt ein wichtiger Regulator fĂŒr die Erziehung. Bis zu dieser Zeit soll man vorab die physische Form des Kindes ausbilden. Tut man dies nicht, so hat man etwas fĂŒr das ganze Leben des betreffenden Menschen versĂ€umt.»

    PASSAGE 2: Ätherleib und MutterhĂŒlle bis zum Zahnwechsel

    «In der zweiten Periode bis zum PubertĂ€tsalter bildet sich der Ätherleib aus. In der Zeit vorher war dieser freilich nicht untĂ€tig. Nur ist der Ätherleib bis zum Zahnwechsel in einer Art MutterhĂŒlle eingeschlossen. Erst von dieser Zeit an wird er frei und kann sich entfalten. In der Geschlechtsreife ist ein Schlußpunkt der Entwickelung des Ätherleibes erreicht, und von jetzt an wird die Entwickelung des astralischen Leibes frei.»

    PASSAGE 3: Das Kind als lebendiges RĂ€tsel – Vererbung und IndividualitĂ€t

    «Das Kind ist gleichsam ein lebendiges RÀtsel vor unseren Augen. Vorurteile in vielen Zweigen des Lebens können manchmal noch korrigiert werden, Vorurteile aber in der Erziehung des Kindes wirken oft verderblich und können hÀufig nicht mehr verbessert werden.»

    «Was als die tiefere Grundlage, als die IndividualitĂ€t des Kindes erscheint, ist das, was sich als Seele in die Leiblichkeit eingliedert, nachdem es in einem anderen Dasein inzwischen fortgelebt hat. Mann und Weib haben dem Kinde bloß eine HĂŒlle zu geben.»

    PASSAGE 4: Recht der kindlichen IndividualitÀt und Erzieheraufgabe

    «Wird so ein jedes Kind betrachtet, haben wir ihm gegenĂŒber kein Recht, unsere Eigenheit ihm aufzudrĂ€ngen. Der richtige Erzieher kann nur so weit die kindliche Entwickelung fördern, als er dies selber an sich gelernt hat. Das Kind ist der grĂ¶ĂŸte Lehrmeister des Erziehers.»

    «Wenn der Erzieher dieses RĂ€tsel am Kinde grĂŒndlich löst, dann ist er der beste Erzieher. Wer derlei Anschauungen mit der ganzen Seele durchdringt, dem verwandeln sie sich in Achtung fĂŒr die Wesenheit des Kindes und erwecken Ehrfurcht fĂŒr das, was da wĂ€chst und wird.»

  • GA 55 – Inhaltsbefund: Das erste Lebensjahr und die frĂŒhe Kindheit

    GA 55: Die Erkenntnis des Übersinnlichen in unserer Zeit und deren Bedeutung fĂŒr das heutige Leben
    Dreizehn öffentliche VortrÀge, gehalten zwischen dem 11. Oktober 1906 und dem 26. April 1907 im Architektenhaus zu Berlin

    GA 55 enthĂ€lt mehrere VortrĂ€ge mit pĂ€dagogischen und entwicklungsbeschreibenden AusfĂŒhrungen zur frĂŒhen Kindheit, zum ersten Lebensjahr und zur Epoche von der Geburt bis zum Zahnwechsel.

    PASSAGE 1: Geburt, physischer Leib und die drei Geburten des Menschen

    «Das wird geleistet in der Epoche von der Geburt bis zum Zahnwechsel. Da arbeitet das physische Prinzip am physischen Leibe so, wie die KrĂ€fte und Stoffe des mĂŒtterlichen Organismus am Kindeskeim arbeiten, bevor das Kind geboren ist. Vom siebenten Jahre bis zur Geschlechtsreife arbeitet am physischen Leibe hauptsĂ€chlich das Ätherprinzip, und von der Geschlechtsreife an arbeiten die KrĂ€fte, die innerhalb des Astralleibes verankert sind.»

    «Mit der Geburt drĂ€ngt er gleichsam den mĂŒtterlichen Leib zurĂŒck, seine Sinne werden frei, und nun ist es möglich, daß die Ă€ußere Welt anfĂ€ngt, auf den menschlichen Organismus einzuwirken. Da stĂ¶ĂŸt der Mensch auch eine HĂŒlle von sich, und derjenige erst begreift richtig die Entwicklung des Menschen, der begreift, daß zwar nicht im physischen, aber im geistigen Leben etwas Ähnliches in der Zeit des Zahnwechsels vor sich geht. Um das siebente Jahr herum wird der Mensch richtig ein zweites Mal geboren. Da wird nĂ€mlich sein Ätherleib zur freien TĂ€tigkeit geboren, wie sein physischer Leib zur Zeit der Geburt.»

    «So wie physisch der Mutterleib an dem Menschenkeim in der Zeit vor der Geburt arbeitet, so arbeiten geistige KrĂ€fte des WeltenĂ€thers bis zum Zahnwechsel an dem Ätherleib des Menschen, und sie werden um das siebente Jahr herum ebenso zurĂŒckgedrĂ€ngt wie der Mutterleib bei der physischen Geburt. Bis zum siebenten Jahre liegt der Ätherleib wie latent im physischen Leibe.»

    PASSAGE 2: Ätherleib, Zahnwechsel und die Freiheit der Leibesglieder

    «Wenn wir den Menschen bis zum siebenten Jahr betrachten, so enthĂ€lt er eine ganze Summe von Vererbungstatsachen, die er nicht mit seinem eigenen Prinzip erbaut hat, sondern die er von den Vorfahren ererbt erhalten hat. Dazu gehört das, was man die MilchzĂ€hne nennt. Erst die ZĂ€hne, die nach dem Zahnwechsel kommen, sind im Kinde die eigene Schöpfung des Prinzips, das als physisches dazu veranlagt ist, die feste StĂŒtze zu bilden.»

    «Wir mĂŒssen uns klarmachen, daß in den ersten sieben Jahren des Lebens nur jene Essenz, die wir die Essenz des physischen Leibes nannten, vollstĂ€ndig frei wirkt, daß sie die physische Form gibt; sie leitet die physische Struktur ein. Die Organe wachsen in der Außenwelt heran, so daß sie ihre Form, ihre Anlage haben und nur noch weiterwachsen brauchen.»

    PASSAGE 3: Nachahmung und Vorbild – das Erziehungsprinzip der ersten sieben Jahre

    «DafĂŒr konnten wir zwei Zauberworte anfĂŒhren: Nachahmung und Beispiel oder Vorbild. Alles, was um das Kind herum ist, wird von ihm nachgeahmt, und diese Nachahmung lockt die inneren Organe zu ihrer Form. Wenn auch das Gehirn mit dem siebenten Jahre noch sehr unvollkommen ist, die Richtung hat es doch erhalten, und was ihm bis dahin vorenthalten ist, kann es spĂ€ter nicht mehr nachholen.»

    «Eine FĂ€higkeit des Menschen ist hierbei maßgebend, der Nachahmungstrieb. Der griechische Philosoph Aristoteles sagt bezeichnend: Der Mensch ist das nachahmendste der Tiere. Bis zum Zahnwechsel ist das fĂŒr das Kind besonders zutreffend; da steht es unter dem Zeichen der Nachahmung. Daher muß man in die Umgebung des Kindes alles das bringen, was durch die Sinnesorgane bildend auf dasselbe wirken kann. Dasjenige, was als Lichtstrahl durchs Auge, als Ton durchs Ohr dringt, hat die Bedeutung, daß es fĂŒr die physischen Organe bildend wirkt. Durch Ermahnung hingegen wird nichts erlangt in diesen Jahren. Gebot und Verbot haben gar keine Wirkung. Die grĂ¶ĂŸte Bedeutung aber hat das Vorbild.»

    «Es muß deshalb das Vorbild so sein, daß durch Nachahmung desselben im Kinde innere KrĂ€fte erweckt werden können. Darum kann man durch Predigen nichts nĂŒtzen, nur dadurch, wie man in der Umgebung des Kindes ist. Daher soll man mit dem, was man tut, auf die Gegenwart des Kindes RĂŒcksicht nehmen, sich nicht gestatten etwas zu tun, was es nicht nachahmen darf.»

    «FĂŒr jedes Lebensalter ist der entsprechende Einfluß nötig, fĂŒr das erste Vorbild, Nachahmung, fĂŒr das zweite AutoritĂ€t und Nacheiferung, fĂŒr das dritte GrundsĂ€tze.»

    PASSAGE 4: Freude, Farbe und organische Bildung in den ersten Jahren

    «So ist es nicht gleichgĂŒltig, ob das kleine Kind Schmerz und Leid oder Freude und Lust um sich her sieht. Denn Freude und Lust begrĂŒnden gesunde Anlagen, sind gesunde Organbildner; was anderes einfließt, kann zum BegrĂŒnder von Krankheit werden. Alles um das Kind herum sollte Freude und Lust atmen, und beides hervorzurufen sollte der Erzieher bedacht sein, bis auf die Farbe der Kleider, der Tapeten und der GegenstĂ€nde.»

    «Freude ist der Praktiker in den ersten Lebensjahren, und die gesunden Lebensinstinkte sind die Bildner, die man nur nicht verderben soll.»

    PASSAGE 5: Muttermilch, SĂ€uglingsalter und der Zusammenhang der Ätherleiber

    «Bei der ErnĂ€hrungsfrage tritt ein innerlicher Zusammenhang hervor zwischen der Muttermilch und dem Kinde, der sich dadurch ausdrĂŒckt, daß in den ersten Lebensjahren geradezu ein geistiges VerhĂ€ltnis zwischen der Mutter und dem Kinde besteht; und eine Mutter, die ihr Kind selbst nĂ€hrt, beachtet das. In der Muttermilch ist nicht bloß das, was physisch und chemisch ist, es ist etwas, was geistig verwandt ist mit dem Kinde. Der Geisteswissenschafter sieht da etwas, was aus dem Ätherleib der Mutter herausgeboren ist, und weil der Ätherleib des Kindes noch ungeboren ist, so vertrĂ€gt er in der ersten Zeit insbesondere nur das, was schon durch einen anderen Ätherleib zubereitet ist.»

    «Prozentual betrachtet: Etwa 16 bis 20 Prozent derjenigen Kinder, die im SÀuglingsalter sterben, sind solche, die von der eigenen Mutter genÀhrt werden; dagegen 26 bis 30 Prozent solche, die von Fremden genÀhrt werden. Darin sehen Sie den Zusammenhang zwischen den Lebensleibern.»

    PASSAGE 6: Vom ersten bis zum dritten Jahr – Friedrich August Wolfs Stufenschema

    «Friedrich August Wolf charakterisierte die Stufen des Menschen von der Kindheit an folgendermaßen. Erste Epoche: das goldene mildharmonische Alter vom ersten bis zum dritten Jahre. Es entspricht dem Leben der heutigen Indianer und SĂŒdseeinsulaner. Zweite Epoche: sie spiegelt wider die KĂ€mpfe in Asien, deren WiderschlĂ€ge und Wirkungen in Europa, die Heroenzeit der Griechen; weiter hinaus die Zeit der nordamerikanischen Wilden, und im einzelnen Kinde die Lebensepoche bis zum sechsten Jahre.»

    PASSAGE 7: Jean Pauls Ausspruch ĂŒber das Kind und seine Amme

    «Jean Paul sagt: Ein Weltreisender, der alle LÀnder durchquert, lernt auf allen seinen Reisen nicht soviel, wie das Kind bis zum siebenten Jahre von seiner Amme.»

    PASSAGE 8: Kinderlied, Rhythmus und Klang in den ersten Lebensjahren

    «Vom ersten bis siebenten Jahre sang man vor, allerlei Verse, die guten alten Ammen- und Kinderlieder. Es kommt dabei nicht auf den Sinn an, und so finden wir in alten Liedern zwischen bedeutungsvollen Zeilen etwas, was nur wegen des Klanges da ist. Es kam beim Vorsingen nur auf den Zusammenklang und die Harmonie fĂŒr das kindliche Ohr an, daher die oft sinnlosen Reime.»

    PASSAGE 9: Erziehung bis zum siebenten Jahr – physischer Leib als Maßstab

    «Vom geisteswissenschaftlichen Standpunkt aus darf auf den Menschen bis zum siebten Jahre erzieherisch nur so gewirkt werden, daß wir bewußt nur seinen physischen Körper beeinflussen. Wir dĂŒrfen seinen Ätherleib vorher so wenig beeinflussen wie den physischen vor der Geburt.»

    «Bis zum siebenten Jahre ist nur der physische Leib den Wirkungen von außen ĂŒbergeben; daher dĂŒrfen wir bis dahin nur diesen erziehen. Und wenn in dieser Zeit etwas von außen an den Ätherleib herangebracht wird, so ist das eine VersĂŒndigung gegen die Gesetze der Menschenerziehung.»

  • GA 54 – Kurzbefund: Kein Inhalt zum ersten Lebensjahr

    GA 54: Die WeltrÀtsel und die Anthroposophie
    Zweiundzwanzig öffentliche VortrÀge, gehalten zwischen dem 5. Oktober 1905 und dem 3. Mai 1906 im Architektenhaus zu Berlin

    Kurzbefund: GA 54 enthĂ€lt keine AusfĂŒhrungen zum ersten Lebensjahr eines Menschen. Die VortrĂ€ge behandeln WeltrĂ€tsel, Seelenglieder, Ätherleib, Karma und Reinkarnation. Eine kurze ErwĂ€hnung der „ersten Monate und Lebensjahre“ erscheint im Kontext des Reinkarnationsarguments (kindliche GesichtszĂŒge als Abdruck der Vorfahren, die sich zum individuellen Wesen wandeln), ohne entwicklungsbeschreibende Tiefe.

  • GA 53 – Kurzbefund: Kein Inhalt zum ersten Lebensjahr

    GA 53: Ursprung und Ziel des Menschen – Grundbegriffe der Geisteswissenschaft
    Dreiundzwanzig öffentliche VortrÀge, gehalten in Berlin zwischen dem 29. September 1904 und 8. Juni 1905

    Kurzbefund: GA 53 enthĂ€lt keine AusfĂŒhrungen zum ersten Lebensjahr eines Menschen. Die VortrĂ€ge behandeln Grundbegriffe der Geisteswissenschaft: Seelenglieder, Karma, Wiederverkörperung, Kamaloka, Geisterland. ErwĂ€hnungen des Kindes erscheinen ausschließlich als Analogien (z. B. Kind und Animismus) oder im Kontext des Ichbewusstseins, nicht als Beschreibungen kindlicher Entwicklung im ersten Lebensjahr.

  • GA 52 – Kurzbefund: Kein Inhalt zum ersten Lebensjahr

    GA 52: Spirituelle Seelenlehre und Weltbetrachtung
    Achtzehn öffentliche VortrĂ€ge (Berlin 1903–1904)

    Kurzbefund: GA 52 enthĂ€lt keine AusfĂŒhrungen zum ersten Lebensjahr eines Menschen. Die VortrĂ€ge behandeln Seelenlehre, Karma, Wiederverkörperung und Weltbetrachtung aus spiritueller Sicht. Das Bild des Kindes beim Laufenlernen erscheint zweimal ausschließlich als Gleichnis fĂŒr seelisch-spirituelle Entwicklung, nicht als pĂ€dagogische oder entwicklungsbeschreibende Aussage.

  • GA 51 – Kurzbefund: Kein Inhalt zum ersten Lebensjahr

    GA 51: Über Philosophie, Geschichte und Literatur
    Autoreferate und Referate von vierunddreißig VortrĂ€gen, gehalten in den Jahren 1901 bis 1905 (Arbeiterbildungsschule und Freie Hochschule Berlin)

    Kurzbefund: GA 51 enthĂ€lt keine AusfĂŒhrungen zum ersten Lebensjahr eines Menschen. Die VortrĂ€ge behandeln philosophische, historische und literarische Themen (u. a. Kant, Schiller, Nietzsche, Weltgeschichte, Mystik). Kindliche Entwicklung, SĂ€uglingszeit oder das erste Lebensjahr werden nicht thematisiert.

  • GA 46–50 – Kurzbefund: Dateien nicht vorhanden

    GA 46, GA 47, GA 48, GA 49 und GA 50 sind im vorliegenden Dateibestand nicht als .txt-Dateien vorhanden. Die Nummerierung springt von GA 45 direkt zu GA 51. Eine inhaltliche Analyse war daher nicht möglich.

  • GA 45 – Anthroposophie. Ein Fragment: Kurzbefund zum ersten Lebensjahr

    GA 45 – Anthroposophie. Ein Fragment ist ein erkenntnistheoretisches, unvollendetes Werk zur Sinneswahrnehmung und zum menschlichen Organismus. Der einzige Kindheitsbezug findet sich im Kapitel ĂŒber den Sprachsinn: Das Kind lernt die Lautbedeutungen der Worte frĂŒher empfinden, als es zum Gebrauch des Urteils kommt. An der Sprache lernt das Kind urteilen. Dieser Hinweis steht im Kontext der Sinnesphysiologie, nicht als eigenstĂ€ndige Entwicklungslehre zum ersten Lebensjahr. Keine weitergehenden relevanten Inhalte gefunden.