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Kategorie: 1. Lebensjahr

  • GA 60 – Inhaltsbefund: Kindheitsamnese, Gehirnplastizität, Spiel und Nachahmungstrieb

    GA 60: Antworten der Geisteswissenschaft auf die großen Fragen des Daseins
    Fünfzehn öffentliche Vorträge, Berlin 1910/1911

    Inhaltsbefund: GA 60 enthält mehrere Passagen mit direktem Bezug zur frühen Kindheit und zum ersten Lebensabschnitt: frühe Kindheitsamnese, die Plastizität des Gehirns nach der Geburt, die Sprache als Bildner des Gehirns, die Bedeutung der frühesten Kindheitseindrücke für die spätere Seelenentwicklung, das Spiel als wesensgemäße Betätigung sowie der Nachahmungstrieb als erste erziehliche Grundlage.

    Passage 1: Frühe Kindheitsamnese – die allererste Kindheit

    „Es gibt einen Punkt im persönlichen Menschenleben, der sehr leicht dahin führen kann, über diese Frage Ansichten zu gewinnen, das ist der folgende. Sie wissen alle, daß es im heutigen normalen Menschenleben eine Zeit gibt, an die das spätere Leben hindurch keine Erinnerung vorhanden ist. Das ist die Zeit der allerersten Kindheit.“

    „Wer viele Kindesleben betrachtet, wird daraus eine Beobachtung machen können. […] Aus der Beobachtung der kindlichen Seele wird man das Resultat gewinnen können, daß die Erinnerung genau so weit zurückgeht, bis sie den Zeitpunkt [des Ich-Erwachens] erreicht hat.“

    Passage 2: Sprache als Bildner des Gehirns – Plastizität nach der Geburt

    „Der geistig-seelische Inhalt, der in die Sprache gekleidet an uns von der Geburt an herantritt, ist nicht etwas, was aus dem Inneren des Menschen herausdringt […], sondern die Sprache ist etwas, was an dem Menschen arbeitet. Sie ist wirklich wie ein Plastiker, der gleichsam das Gehirn formt. Wir können diese Formung des Gehirns in den ersten Zeiten, ja Jahre hindurch, auch äußerlich wissenschaftlich wohl verfolgen.“

    Passage 3: Die ersten Kindheitseindrücke formen die Seele

    „Wer würde das nicht zugeben, wenn er wirklich unbefangen die Entwicklung eines Kindes in den ersten Lebensjahren beachtet. […] Wichtiger ist es, was man in den ersten Jahren vergessen hat, was uns formt und bildet im Seelenwesen, als gewöhnlich zugestanden wird.“

    „Denn wie die ersten Kindheitseindrücke sind, ob wir Freudiges oder Trauriges erleben, Liebe oder Gleichgültigkeit, diese oder jene äußeren Eindrücke, davon hängt unendlich mehr, als der Mensch im späteren Leben vermag, von der Gesamtstimmung und der gesamten Verfassung seiner Seele ab, als man gewöhnlich annimmt.“

    Passage 4: Das plastische Gehirn – erste Lebensjahre als entscheidende Bildungszeit

    „Daher tritt plastisch bestimmbar, formbar sein Geistesorgan, das Gehirn, ins Dasein, und wird daher im Grunde genommen erst nach der Geburt mit den letzten entscheidenden Bahnen, Linien und Richtungen versehen, wie sich die Anlagen ausleben sollen.“

    „Da finden wir in den ersten Lebensjahren des Menschen von ganz besonderer Wichtigkeit, daß wir ihm sozusagen seine Fähigkeiten erhalten, plastisch, bildsam einzugreifen in seine körperliche oder leiblich-seelische Organisation. […] Am meisten versperren wir einem Menschen diese Möglichkeit, wenn wir ihn zu früh mit Begriffen und Ideen vollpfropfen.“

    Passage 5: Das Spiel als wesensgemäße Betätigung in den ersten Jahren

    „Der Erzieher-Instinkt der Menschheit hat schon durch das allgemeine Bewußtsein ein wunderbares Mittel geschaffen, wodurch der Mensch in den ersten Jahren in die Möglichkeit versetzt wird, an dem Veränderlichen, Modifizierbaren, Beweglichen des Geistig-Seelischen zu arbeiten, so daß freier Spielraum für die Ausgestaltung des Menschenwesens gelassen wird. Das ist das Spiel.“

    „Spiel und die eben charakterisierte geistig-seelische Betätigung für das Kind in den ersten Jahren entspringen einem tiefen Bewußtsein dessen, was die Natur und Wesenheit des Menschen eigentlich ist.“

    Passage 6: Nachahmungstrieb – erste Erziehungsgrundlage, Vorbild statt Theorie

    „Worauf man besonders in den ersten Lebensjahren zu sehen hat, daß nicht Theorien, Lehren entwickelt werden, sondern daß das Kind zur Nachahmung angehalten wird, daß man ihm vorlebt, was es nachleben soll. Das ist von unendlicher Wichtigkeit, weil dieser Nachahmungstrieb als eine der allerersten Anlagen auftritt, auf die man wirken kann. Die Ermahnungen und Lehren wirken in dieser Zeit am wenigsten.“

    „Wir legen den ersten Grundstock für das ganze persönliche Wesen des Kindes, wenn wir ihm in den ersten sieben Jahren vorleben, was es nachleben darf, wenn wir erraten, wie wir uns in der Umgebung des Kindes benehmen müssen.“

    „Es genügt nicht, daß man es vor den Kindern verschweigt und sich Gedanken gestattet, die nicht für das Kind sein sollten, sondern unsere Gedanken müssen so ausgelebt werden, daß wir das Gefühl haben: das darf in dem Kinde weiterleben und soll weiterleben.“

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  • GA 59 – Inhaltsbefund: Lachen, Weinen und Sprache im frühen Kindesalter

    GA 59: Metamorphosen des Seelenlebens – Pfade der Seelenerlebnisse (Zweiter Teil)
    Neun öffentliche Vorträge, Berlin 1910

    Inhaltsbefund: GA 59 enthält mehrere Passagen, die den frühen Lebensabschnitt des Kindes behandeln – insbesondere den Nachahmungstrieb als Grundlage der ersten Erziehung, den frühkindlichen Spracherwerb sowie die Entwicklung von Lachen und Weinen in den ersten Lebenswochen als Zeichen des eintretenden Ich.

    Passage 1: Nachahmungstrieb als Grundlage der ersten Erziehung

    „Nachahmung ist etwas, was wir zum Beispiel beim Kind finden, wenn noch die anderen Seelenglieder wenig entwickelt sind. Nachahmung ist etwas, was zum unterbewußten Wesen der Menschennatur gehört. Daher sollen wir die erste Erziehung auf Nachahmung begründen, weil im Menschen, bevor das Ich beginnt, in seinen inneren Tätigkeiten Ordnung zu schaffen, der Nachahmungstrieb wie ein natürlicher Trieb vorhanden ist.“

    Passage 2: Frühkindlicher Spracherwerb – Ma, Pa und die Entstehung von Mama, Papa

    „Da können wir sehen, wie das Kind beginnt, irgend etwas, was es fühlt, in den Ton umzusetzen. Wenn das Kind zuerst Ma und Pa schreit, so ist das nichts anderes als ein innerliches Umgießen des Affektes in den Laut. Es ist nur die Äußerung eines Inneren. Wenn aber dieses Kind sich so äußert, dann kommt zum Beispiel die Mutter herbei, und das Kind merkt dann, daß demjenigen, was sich innerlich als Freude äußert, indem es sich umgießt in den Laut Ma, ein äußeres Ereignis entspricht. […] Da gesellt sich zusammen inneres Erlebnis von Freude oder Schmerz und äußerer Eindruck, und es verbindet sich das, was von innen hervorstrahlt mit dem äußeren Eindruck. […] Denn das, was dazu geführt hat aus einer inneren Äußerung – Ma, Pa – die Worte Mama und Papa zu bilden, weil diese Äußerung sich im Herbeieilen von Mutter oder Vater befriedigt fühlte, das geschieht in unzähligen Fällen.“

    „Das alles geschieht ohne Zutun des Ich. Erst später übernimmt das Ich diese Tätigkeit.“

    Passage 3: Lachen und Weinen – Erscheinen des Ich ab dem 36./40. Lebenstag

    „Wahres Lachen und wahres Weinen tritt erst auf vom sechsunddreißigsten oder vierzigsten Lebenstage an. Vorher kann das Kind nicht lachen und nicht weinen; und der Grund dafür ist der: Obwohl es entschieden ist, was für ein Ich aus einer vorhergehenden Verkörperung gerade in diesem Kinde lebt, so wirkt dieses Ich doch nicht gleich in den ersten Lebenstagen in dem Menschen gestaltend; es wirkt nicht gleich so, daß es Beziehungen zur Außenwelt sucht.“

    „Wenn wir einen Menschen mit der Geburt ins Dasein treten sehen, zeigt sich uns zunächst das Unbestimmte der Physiognomie des Menschen, und wie unbestimmt dasjenige ist, was der Mensch einmal als Talente, Anlagen und besondere Eigenschaften darleben wird. Aber wir sehen auch, wie das schaffende, wirkende Ich, das sich Entwickelungskräfte aus den vorhergehenden Leben hereingebracht hat, die unbestimmten Züge immer bestimmter und bestimmter herausarbeitet und dasjenige modifiziert, was durch die Vererbung gegeben worden ist.“

    „Das Ich sitzt in den ersten Tagen noch tief verborgen darinnen und wartet, bis es in die unbestimmte Physiognomie dasjenige hineinarbeiten kann, was es aus den früheren Leben herübergetragen hat, was es von Tag zu Tag, von Jahr zu Jahr herausarbeiten kann.“

    „Bevor nun das Kind den individuellen, nur für diesen Menschen geltenden Charakter annimmt, ist es nicht möglich, daß das Ich irgendeine Beziehung zur Außenwelt ausdrücken kann durch Lachen und Weinen. Denn auf das Ich kommt es an, auf das Individuellste, das ein Band sucht, das sich in Harmonie, in Einklang bringen will mit der Umgebung.“

    Beitrag mit 3 Passagen veröffentlicht als Post ID 151.

  • GA 58 – Inhaltsbefund: Erste Kindheitsjahre, Charakter und Erziehung

    GA 58: Metamorphosen des Seelenlebens – Pfade der Seelenerlebnisse
    Achtzehn öffentliche Vorträge, Berlin 1909/1910

    GA 58 enthält in einem Vortrag über den menschlichen Charakter und seine Entwicklungsepochen pädagogische Ausführungen zur frühen Kindheit und zu den ersten Lebensjahren bis zum Zahnwechsel.

    PASSAGE 1: Die erste Epoche – Geburt bis Zahnwechsel, physischer Leib und Erziehung

    «Der Mensch macht zunächst eine Epoche durch vom Momente seiner Geburt bis zu der Zeit, wo der Zahnwechsel um das siebente Jahr herum eintritt. Das ist die Epoche, wo vorzugsweise der physische Leib durch äußeren Einfluß ausgebildet werden kann.»

    «Da wir aber innerhalb gewisser Grenzen durch die Erziehung dem Kinde bis zum siebenten Jahr Kräfte zuführen können für den physischen Leib, so sehen wir hier einen merkwürdigen Lebenszusammenhang. Oh, es ist nicht gleichgültig für das spätere Leben des Menschen, was der Erzieher mit dem Kinde vornimmt!»

    PASSAGE 2: Freude und Liebe in den ersten Jahren formen den physischen Leib

    «Was wir da dem Kinde zuführen an Freuden des unmittelbaren physischen Lebens, an Liebe, die einströmt aus seiner Umgebung, das führt dem physischen Leibe Kräfte zu, das macht ihn bildungsfähig, das macht ihn gleichsam weich und plastisch.»

    «Und so viel Freude und so viel Liebe und Glück wir dem Kinde in dieser ersten Lebensepoche zuführen, um so weniger Hindernisse und Hemmnisse hat der Mensch dann später, wenn er aus seiner Bewußtseinsseele heraus, durch die Arbeit des Ich, das auf der Bewußtseinsseele wie auf einer Saite spielt, einen offenen, einen freien, mit der Welt in Wechselwirkung tretenden Charakter bilden soll.»

    PASSAGE 3: Schmerz und Unlust in der ersten Epoche verhärten den physischen Leib

    «Alles das, was wir an Unliebe, was wir an finsteren Lebensschicksalen, an Schmerz das Kind bis zum siebenten Lebensjahre ertragen lassen, verhärtet seinen physischen Leib, und das alles schafft dann Hindernisse für das spätere Lebensalter.»

    PASSAGE 4: Das Kind bei der Geburt – offener Charakter und Einprägung durch das Ich

    «Das Tier ist seinem Charakter nach von allem Anfange an durch die Geburt bestimmt, ist voll ausgeprägt; es kann nicht plastisch arbeiten an seinem Äußeren; der Mensch aber hat gerade diesen Vorzug, daß er bei seiner Geburt auftritt, ohne einen bestimmten Charakter nach außen zu zeigen, daß er aber in demjenigen, was in den tiefen Untergründen seines Wesens schlummert, was von früheren Leben her in dieses Dasein hereingeraten ist, Kräfte hat, die sich in dieses unbestimmte Äußere hineinarbeiten und so den Charakter allmählich formen.»

    «Im Gröberen arbeitet der Mensch in das Plastische seines Leibes schon vor der Geburt alles das hinein, was er vorher als Früchte erhalten hat; aber im Feineren arbeitet der Mensch – und das zeichnet ihn dem Tiere gegenüber aus – auch nach der Geburt während seiner ganzen Kindheit und Jugendzeit, er arbeitet in die feinere Gliederung seiner äußeren und auch inneren Natur alles das hinein, was das Ich sich an Bestimmungsmerkmalen, an Bestimmungsgründen aus seinem vorhergehenden Leben mitgebracht hat.»

    Hinweis: Steiner verweist im Text ausdrücklich auf seine Schrift «Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft» als Grundlage für die skizzierten Entwicklungsepochen.

  • GA 56 – Inhaltsbefund: Kindheitsentwicklung und Erziehung bis zum Zahnwechsel

    GA 56: Die Erkenntnis der Seele und des Geistes
    Fünfzehn öffentliche Vorträge, gehalten zwischen dem 10. Oktober 1907 und dem 14. Mai 1908 im Architektenhaus in Berlin

    GA 56 enthält in einem Vortrag über „Mann, Weib und Kind“ pädagogisch-entwicklungsbeschreibende Ausführungen zur frühen Kindheit, zur Epoche von der Geburt bis zum Zahnwechsel sowie zum Wesen der kindlichen Individualität.

    PASSAGE 1: Physische Formbildung von der Geburt bis zum Zahnwechsel

    «Bis zum ersten Zahnwechsel des Kindes bildet sich der physische Leib aus. Der Mensch wächst dann freilich noch weiter, aber dieses Wachstum ist nur ein Größerwerden der Gestalt, ein Ausweiten der Form, die er bis zum siebenten Jahre erhalten hat. Darin liegt ein wichtiger Regulator für die Erziehung. Bis zu dieser Zeit soll man vorab die physische Form des Kindes ausbilden. Tut man dies nicht, so hat man etwas für das ganze Leben des betreffenden Menschen versäumt.»

    PASSAGE 2: Ätherleib und Mutterhülle bis zum Zahnwechsel

    «In der zweiten Periode bis zum Pubertätsalter bildet sich der Ätherleib aus. In der Zeit vorher war dieser freilich nicht untätig. Nur ist der Ätherleib bis zum Zahnwechsel in einer Art Mutterhülle eingeschlossen. Erst von dieser Zeit an wird er frei und kann sich entfalten. In der Geschlechtsreife ist ein Schlußpunkt der Entwickelung des Ätherleibes erreicht, und von jetzt an wird die Entwickelung des astralischen Leibes frei.»

    PASSAGE 3: Das Kind als lebendiges Rätsel – Vererbung und Individualität

    «Das Kind ist gleichsam ein lebendiges Rätsel vor unseren Augen. Vorurteile in vielen Zweigen des Lebens können manchmal noch korrigiert werden, Vorurteile aber in der Erziehung des Kindes wirken oft verderblich und können häufig nicht mehr verbessert werden.»

    «Was als die tiefere Grundlage, als die Individualität des Kindes erscheint, ist das, was sich als Seele in die Leiblichkeit eingliedert, nachdem es in einem anderen Dasein inzwischen fortgelebt hat. Mann und Weib haben dem Kinde bloß eine Hülle zu geben.»

    PASSAGE 4: Recht der kindlichen Individualität und Erzieheraufgabe

    «Wird so ein jedes Kind betrachtet, haben wir ihm gegenüber kein Recht, unsere Eigenheit ihm aufzudrängen. Der richtige Erzieher kann nur so weit die kindliche Entwickelung fördern, als er dies selber an sich gelernt hat. Das Kind ist der größte Lehrmeister des Erziehers.»

    «Wenn der Erzieher dieses Rätsel am Kinde gründlich löst, dann ist er der beste Erzieher. Wer derlei Anschauungen mit der ganzen Seele durchdringt, dem verwandeln sie sich in Achtung für die Wesenheit des Kindes und erwecken Ehrfurcht für das, was da wächst und wird.»

  • GA 55 – Inhaltsbefund: Das erste Lebensjahr und die frühe Kindheit

    GA 55: Die Erkenntnis des Übersinnlichen in unserer Zeit und deren Bedeutung für das heutige Leben
    Dreizehn öffentliche Vorträge, gehalten zwischen dem 11. Oktober 1906 und dem 26. April 1907 im Architektenhaus zu Berlin

    GA 55 enthält mehrere Vorträge mit pädagogischen und entwicklungsbeschreibenden Ausführungen zur frühen Kindheit, zum ersten Lebensjahr und zur Epoche von der Geburt bis zum Zahnwechsel.

    PASSAGE 1: Geburt, physischer Leib und die drei Geburten des Menschen

    «Das wird geleistet in der Epoche von der Geburt bis zum Zahnwechsel. Da arbeitet das physische Prinzip am physischen Leibe so, wie die Kräfte und Stoffe des mütterlichen Organismus am Kindeskeim arbeiten, bevor das Kind geboren ist. Vom siebenten Jahre bis zur Geschlechtsreife arbeitet am physischen Leibe hauptsächlich das Ätherprinzip, und von der Geschlechtsreife an arbeiten die Kräfte, die innerhalb des Astralleibes verankert sind.»

    «Mit der Geburt drängt er gleichsam den mütterlichen Leib zurück, seine Sinne werden frei, und nun ist es möglich, daß die äußere Welt anfängt, auf den menschlichen Organismus einzuwirken. Da stößt der Mensch auch eine Hülle von sich, und derjenige erst begreift richtig die Entwicklung des Menschen, der begreift, daß zwar nicht im physischen, aber im geistigen Leben etwas Ähnliches in der Zeit des Zahnwechsels vor sich geht. Um das siebente Jahr herum wird der Mensch richtig ein zweites Mal geboren. Da wird nämlich sein Ätherleib zur freien Tätigkeit geboren, wie sein physischer Leib zur Zeit der Geburt.»

    «So wie physisch der Mutterleib an dem Menschenkeim in der Zeit vor der Geburt arbeitet, so arbeiten geistige Kräfte des Weltenäthers bis zum Zahnwechsel an dem Ätherleib des Menschen, und sie werden um das siebente Jahr herum ebenso zurückgedrängt wie der Mutterleib bei der physischen Geburt. Bis zum siebenten Jahre liegt der Ätherleib wie latent im physischen Leibe.»

    PASSAGE 2: Ätherleib, Zahnwechsel und die Freiheit der Leibesglieder

    «Wenn wir den Menschen bis zum siebenten Jahr betrachten, so enthält er eine ganze Summe von Vererbungstatsachen, die er nicht mit seinem eigenen Prinzip erbaut hat, sondern die er von den Vorfahren ererbt erhalten hat. Dazu gehört das, was man die Milchzähne nennt. Erst die Zähne, die nach dem Zahnwechsel kommen, sind im Kinde die eigene Schöpfung des Prinzips, das als physisches dazu veranlagt ist, die feste Stütze zu bilden.»

    «Wir müssen uns klarmachen, daß in den ersten sieben Jahren des Lebens nur jene Essenz, die wir die Essenz des physischen Leibes nannten, vollständig frei wirkt, daß sie die physische Form gibt; sie leitet die physische Struktur ein. Die Organe wachsen in der Außenwelt heran, so daß sie ihre Form, ihre Anlage haben und nur noch weiterwachsen brauchen.»

    PASSAGE 3: Nachahmung und Vorbild – das Erziehungsprinzip der ersten sieben Jahre

    «Dafür konnten wir zwei Zauberworte anführen: Nachahmung und Beispiel oder Vorbild. Alles, was um das Kind herum ist, wird von ihm nachgeahmt, und diese Nachahmung lockt die inneren Organe zu ihrer Form. Wenn auch das Gehirn mit dem siebenten Jahre noch sehr unvollkommen ist, die Richtung hat es doch erhalten, und was ihm bis dahin vorenthalten ist, kann es später nicht mehr nachholen.»

    «Eine Fähigkeit des Menschen ist hierbei maßgebend, der Nachahmungstrieb. Der griechische Philosoph Aristoteles sagt bezeichnend: Der Mensch ist das nachahmendste der Tiere. Bis zum Zahnwechsel ist das für das Kind besonders zutreffend; da steht es unter dem Zeichen der Nachahmung. Daher muß man in die Umgebung des Kindes alles das bringen, was durch die Sinnesorgane bildend auf dasselbe wirken kann. Dasjenige, was als Lichtstrahl durchs Auge, als Ton durchs Ohr dringt, hat die Bedeutung, daß es für die physischen Organe bildend wirkt. Durch Ermahnung hingegen wird nichts erlangt in diesen Jahren. Gebot und Verbot haben gar keine Wirkung. Die größte Bedeutung aber hat das Vorbild.»

    «Es muß deshalb das Vorbild so sein, daß durch Nachahmung desselben im Kinde innere Kräfte erweckt werden können. Darum kann man durch Predigen nichts nützen, nur dadurch, wie man in der Umgebung des Kindes ist. Daher soll man mit dem, was man tut, auf die Gegenwart des Kindes Rücksicht nehmen, sich nicht gestatten etwas zu tun, was es nicht nachahmen darf.»

    «Für jedes Lebensalter ist der entsprechende Einfluß nötig, für das erste Vorbild, Nachahmung, für das zweite Autorität und Nacheiferung, für das dritte Grundsätze.»

    PASSAGE 4: Freude, Farbe und organische Bildung in den ersten Jahren

    «So ist es nicht gleichgültig, ob das kleine Kind Schmerz und Leid oder Freude und Lust um sich her sieht. Denn Freude und Lust begründen gesunde Anlagen, sind gesunde Organbildner; was anderes einfließt, kann zum Begründer von Krankheit werden. Alles um das Kind herum sollte Freude und Lust atmen, und beides hervorzurufen sollte der Erzieher bedacht sein, bis auf die Farbe der Kleider, der Tapeten und der Gegenstände.»

    «Freude ist der Praktiker in den ersten Lebensjahren, und die gesunden Lebensinstinkte sind die Bildner, die man nur nicht verderben soll.»

    PASSAGE 5: Muttermilch, Säuglingsalter und der Zusammenhang der Ätherleiber

    «Bei der Ernährungsfrage tritt ein innerlicher Zusammenhang hervor zwischen der Muttermilch und dem Kinde, der sich dadurch ausdrückt, daß in den ersten Lebensjahren geradezu ein geistiges Verhältnis zwischen der Mutter und dem Kinde besteht; und eine Mutter, die ihr Kind selbst nährt, beachtet das. In der Muttermilch ist nicht bloß das, was physisch und chemisch ist, es ist etwas, was geistig verwandt ist mit dem Kinde. Der Geisteswissenschafter sieht da etwas, was aus dem Ätherleib der Mutter herausgeboren ist, und weil der Ätherleib des Kindes noch ungeboren ist, so verträgt er in der ersten Zeit insbesondere nur das, was schon durch einen anderen Ätherleib zubereitet ist.»

    «Prozentual betrachtet: Etwa 16 bis 20 Prozent derjenigen Kinder, die im Säuglingsalter sterben, sind solche, die von der eigenen Mutter genährt werden; dagegen 26 bis 30 Prozent solche, die von Fremden genährt werden. Darin sehen Sie den Zusammenhang zwischen den Lebensleibern.»

    PASSAGE 6: Vom ersten bis zum dritten Jahr – Friedrich August Wolfs Stufenschema

    «Friedrich August Wolf charakterisierte die Stufen des Menschen von der Kindheit an folgendermaßen. Erste Epoche: das goldene mildharmonische Alter vom ersten bis zum dritten Jahre. Es entspricht dem Leben der heutigen Indianer und Südseeinsulaner. Zweite Epoche: sie spiegelt wider die Kämpfe in Asien, deren Widerschläge und Wirkungen in Europa, die Heroenzeit der Griechen; weiter hinaus die Zeit der nordamerikanischen Wilden, und im einzelnen Kinde die Lebensepoche bis zum sechsten Jahre.»

    PASSAGE 7: Jean Pauls Ausspruch über das Kind und seine Amme

    «Jean Paul sagt: Ein Weltreisender, der alle Länder durchquert, lernt auf allen seinen Reisen nicht soviel, wie das Kind bis zum siebenten Jahre von seiner Amme.»

    PASSAGE 8: Kinderlied, Rhythmus und Klang in den ersten Lebensjahren

    «Vom ersten bis siebenten Jahre sang man vor, allerlei Verse, die guten alten Ammen- und Kinderlieder. Es kommt dabei nicht auf den Sinn an, und so finden wir in alten Liedern zwischen bedeutungsvollen Zeilen etwas, was nur wegen des Klanges da ist. Es kam beim Vorsingen nur auf den Zusammenklang und die Harmonie für das kindliche Ohr an, daher die oft sinnlosen Reime.»

    PASSAGE 9: Erziehung bis zum siebenten Jahr – physischer Leib als Maßstab

    «Vom geisteswissenschaftlichen Standpunkt aus darf auf den Menschen bis zum siebten Jahre erzieherisch nur so gewirkt werden, daß wir bewußt nur seinen physischen Körper beeinflussen. Wir dürfen seinen Ätherleib vorher so wenig beeinflussen wie den physischen vor der Geburt.»

    «Bis zum siebenten Jahre ist nur der physische Leib den Wirkungen von außen übergeben; daher dürfen wir bis dahin nur diesen erziehen. Und wenn in dieser Zeit etwas von außen an den Ätherleib herangebracht wird, so ist das eine Versündigung gegen die Gesetze der Menschenerziehung.»

  • GA 54 – Kurzbefund: Kein Inhalt zum ersten Lebensjahr

    GA 54: Die Welträtsel und die Anthroposophie
    Zweiundzwanzig öffentliche Vorträge, gehalten zwischen dem 5. Oktober 1905 und dem 3. Mai 1906 im Architektenhaus zu Berlin

    Kurzbefund: GA 54 enthält keine Ausführungen zum ersten Lebensjahr eines Menschen. Die Vorträge behandeln Welträtsel, Seelenglieder, Ätherleib, Karma und Reinkarnation. Eine kurze Erwähnung der „ersten Monate und Lebensjahre“ erscheint im Kontext des Reinkarnationsarguments (kindliche Gesichtszüge als Abdruck der Vorfahren, die sich zum individuellen Wesen wandeln), ohne entwicklungsbeschreibende Tiefe.

  • GA 53 – Kurzbefund: Kein Inhalt zum ersten Lebensjahr

    GA 53: Ursprung und Ziel des Menschen – Grundbegriffe der Geisteswissenschaft
    Dreiundzwanzig öffentliche Vorträge, gehalten in Berlin zwischen dem 29. September 1904 und 8. Juni 1905

    Kurzbefund: GA 53 enthält keine Ausführungen zum ersten Lebensjahr eines Menschen. Die Vorträge behandeln Grundbegriffe der Geisteswissenschaft: Seelenglieder, Karma, Wiederverkörperung, Kamaloka, Geisterland. Erwähnungen des Kindes erscheinen ausschließlich als Analogien (z. B. Kind und Animismus) oder im Kontext des Ichbewusstseins, nicht als Beschreibungen kindlicher Entwicklung im ersten Lebensjahr.

  • GA 52 – Kurzbefund: Kein Inhalt zum ersten Lebensjahr

    GA 52: Spirituelle Seelenlehre und Weltbetrachtung
    Achtzehn öffentliche Vorträge (Berlin 1903–1904)

    Kurzbefund: GA 52 enthält keine Ausführungen zum ersten Lebensjahr eines Menschen. Die Vorträge behandeln Seelenlehre, Karma, Wiederverkörperung und Weltbetrachtung aus spiritueller Sicht. Das Bild des Kindes beim Laufenlernen erscheint zweimal ausschließlich als Gleichnis für seelisch-spirituelle Entwicklung, nicht als pädagogische oder entwicklungsbeschreibende Aussage.

  • GA 51 – Kurzbefund: Kein Inhalt zum ersten Lebensjahr

    GA 51: Über Philosophie, Geschichte und Literatur
    Autoreferate und Referate von vierunddreißig Vorträgen, gehalten in den Jahren 1901 bis 1905 (Arbeiterbildungsschule und Freie Hochschule Berlin)

    Kurzbefund: GA 51 enthält keine Ausführungen zum ersten Lebensjahr eines Menschen. Die Vorträge behandeln philosophische, historische und literarische Themen (u. a. Kant, Schiller, Nietzsche, Weltgeschichte, Mystik). Kindliche Entwicklung, Säuglingszeit oder das erste Lebensjahr werden nicht thematisiert.

  • GA 46–50 – Kurzbefund: Dateien nicht vorhanden

    GA 46, GA 47, GA 48, GA 49 und GA 50 sind im vorliegenden Dateibestand nicht als .txt-Dateien vorhanden. Die Nummerierung springt von GA 45 direkt zu GA 51. Eine inhaltliche Analyse war daher nicht möglich.