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GA 88 – Inhaltsbefund: Vorgeburtliches Bewusstsein und kindliche Entwicklung als Karma-Lektion

Verfasst von

in

Rudolf Steiner, GA 88: „Über die astrale Welt und das Devachan. Aufzeichnungen von neunzehn Vorträgen und vier privaten Lehrstunden in Berlin 1903-1904″. 1999, Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz.

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Passage 1
Zweiter Vortrag (Teil II: Die Welt des Geistes oder Devachan), Berlin, 4. Februar 1904
(S. ca. 109)

„Wir müssen nur das Leben nicht rechnen vom Erblicken der äußeren Welt an, sondern von dem ersten Zustande des Keimes im Leibe der Mutter an. Wenn wir den Menschen betrachten vom ersten Zustande im Leibe der Mutter an, dann hat für jeden ein solcher Umschwung stattgefunden. Der Bewußtseinszustand des Menschenkeimes, sein Wahrnehmungsvermögen ist ganz anders als dasjenige des späteren Menschen. Wer das zu beobachten versteht, der weiß, was Wichtiges geschieht mit dem Menschen in den ersten Monaten des Daseins vor seiner Geburt, der weiß, daß sich das Anschauungsvermögen des Menschen schon [mit der Geburt] radikal geändert hat. Der Keim hat ein Wahrnehmungsvermögen, das sich wesentlich unterscheidet von dem Wahrnehmungsvermögen des Menschen, der das Licht der Welt erblickt und ein Wachbewußtsein hat. Der Menschenkeim nimmt nämlich in einer Art wahr, die wir als astrales Wahrnehmungsvermögen bezeichnen. Der Menschenkeim hat also eine astrale Wahrnehmung. Erst später bildet sich das äußere, wache Bewußtsein heraus. Vom astralen Leben zum wachen Bewußtseinsleben entwickelt sich der Mensch. Ein ähnlicher Umschwung, etwas wie eine neue Geburt, ist das Eröffnen des sogenannten devachanischen Sinnes, der dem Seher beschert wird, damit er eine neue Welt wahrnehme. Der Menschenkeim nimmt in der Tat die dunklen Strömungen in der astralen Welt wahr. Er nimmt wahr die in seiner Umwelt waltenden Gefühle. Das können Sie sehen an den Einflüssen der vorhandenen Verhältnisse auf den Embryo im Mutterleib. Dieser Umschwung, diese Umwandlung des astralen Bewußtseins des Keimes zum wachen, sinnlichen Bewußtsein tritt bei jedem Menschen einmal ein.

Es ist also diejenige Welt, in der wir leben, die uns erschlossen wird in dem neuen Bewußtseinszustande. Was wir wahrnehmen in dieser Welt, ist uns zunächst unverständlich; ganz stufenweise werden wir hingeführt zu dem Wahrnehmen in dieser Devachan- oder Geisteswelt. Ebenso wie beim Kinde, wenn in den ersten Lebenstagen die Sinne sich eröffnen, so ist es mit dem Wahrnehmen im Devachan.“

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Passage 2
Physische Krankheiten und kosmologische Gesetzmäßigkeiten, Berlin, 27. Oktober 1903
(S. ca. 198)

„Karma kann also nur so wirken, daß das eine, das Vollkommene, dem anderen, dem Unvollkommenen, entspricht. Denken Sie sich, ein Kind soll sich entwickeln, um sich im Hinblick auf sein späteres Erwachsensein zu vervollkommnen. Da muß es alles erst lernen. Es muß stehen und gehen lernen, es muß lernen, sich selbst im Gleichgewicht zu halten; dabei wird es auch öfters hinfallen.“