Rudolf Steiner, GA 125: „Wege und Ziele des geistigen Menschen. Lebensfragen im Lichte der Geisteswissenschaft“. Vierzehn Vorträge, gehalten zwischen dem 23. Januar und 27. Dezember 1910. Dornach 1992.
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Passage 1
Wege und Ziele des geistigen Menschen, Zweiter Vortrag, Kopenhagen, 4. Juni 1910
(S. ca. 56)
„Was wir uns zum Beispiel in der ersten Kindheit zwischen dem dritten und siebenten Jahr aneignen, tritt uns in seiner karmischen Auswirkung im höchsten Lebensalter entgegen. Untersucht man, wie jemand seine erste Kindheit zubringen durfte, wird man in seinem Alter einen merkwürdigen Zusammenhang mit diesen Kindheitsjähren entdecken. Wenn er, statt unter dem äußeren Zwange gewisser Regeln gestanden zu haben, gesunde Bedürfnisse entwickelt hat, wird sich sein Alter anders gestalten. Vielfach pfropft man aber hinein, stopft hinein in die kindliche Seele, was man für richtig hält. Darauf kommt es jedoch nicht an, sondern das Kind muß das Bedürfnis bekommen, aus freiem Antrieb dies oder jenes zu tun. Es stellt sich dann heraus, daß der Mensch sich im Alter seine Gesundheit erhalten kann, daß er sich bis in seinen letzten Lebensabschnitt Frische und innere Kraft bewahrt.“
Passage 2
Die Julfestzeit, die Christfest-Symbole und die welthistorische Stimmung anthroposophischer Vorstellungsart, Stuttgart, 27. Dezember 1910
(S. ca. 257)
„Wo tritt uns denn dasjenige Ich, das noch nicht in die physische Welt verwoben ist, zunächst wenigstens annähernd entgegen? Da wo wir — wenn wir zurückblicken in unser eigenes Leben, wie es zwischen Geburt und Tod verläuft – uns zurückerinnern bis zu dem Augenblick, wo unser Ich-Bewußtsein in einem gewissen Zeitpunkt der ersten Jahre auftritt. Das Ich ist da, wenn der Mensch sich auch nicht erinnert, es ist vorhanden und lebt und webt innerhalb von uns auch da, wo die Ich-Vorstellung noch nicht aufgetreten ist, da wo dieses Ich, das herumsieht in der Außenwelt, sich mit dem physischen Plan verwebt, wo die Ich-Vorstellung noch nicht da ist, wo aber das Ich da ist im kindlichen, unschuldvollen Zustand; das Ich, das wohl als ein Ideal dastehen kann, welches wieder erreicht werden soll, nur mit Durchdrungensein von all dem, was der Mensch erleben kann in dieser Schule des physischen Lebens auf der Erde.“