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Kategorie: Anthroposophie

  • Das erste Lebensjahr des Kindes bei Rudolf Steiner – Zitatsammlung

    1. Die kindliche Aura (GA 015)
    Waehrend das, was wir die kindliche Aura nennen, in den ersten Lebensjahren wie eine wunderbare, menschenuebergreifende Macht das Kind umschwebt – so umschwebt, dass diese kindliche Aura, der eigentliche hoehere Teil des Menschen, ueberall seine Fortsetzung in die geistige Welt hinein hat.

    2. Nachahmungstrieb (GA 303, 304)
    Von der Geburt bis zum Zahnwechsel = Nachahmungstrieb. Die erste Etappe geht von der Geburt bis zum Zahnwechsel; sie traegt ein ganz besonderes Geprage. Das Kind ist ein nachahmendes Wesen. In den ersten sieben Lebensjahren kann man nicht durch Ermahnungen das Kind lenken, sondern nur durch das eigene Vorbild.

    3. Die drei Hauptfaehigkeiten (GA 310)
    Bis zum Zahnwechsel entwickelt das Kind: das Gehen, das Sprechen und das Denken. Das sind die drei Faehigkeiten, die bis zum Zahnwechsel als die hervorragendsten ausgebildet werden.

    4. Das Gehen lernen (GA 310)
    Das Gehen ist nicht bloss gehen, das man laernt, sondern es ist das Sich-im-Gleichgewicht-Hineinstellen in die Welt. Der Kopf des Menschen ist verhaeltnismaessig schon weit organisiert, wenn der Mensch geboren ist; fertig ist er erst mit dem Zahnwechsel.

    5. Das Sprechen lernen (GA 310, 304)
    Die Sprache entwickelt sich im Zusammenhang mit dem Zirkulations- und Atmungssystem. Das Kind laernt sprechen durch Nachahmung. In den ersten Kindesjahren laernt das Kind die Sprachen; es laernt allmaehlich zu sich ich sagen.

    6. Koerperliche Entwicklung (GA 015, 317)
    Der Mensch kommt auf die Welt mit einem Kopfe, der schon eine ganze Summe von Faehigkeiten enthaelt. Der Koerper, den der Mensch von der Geburt bis zum Zahnwechsel traegt, ist gewissermassen nur ein Modell. Mit dem Zahnwechsel wird dieses erste Modell abgelegt.

    7. Bedeutung des Zahnwechsels (GA 310)
    Der Zahnwechsel ist das aeussere Zeichen fuer tiefe Veraenderungen. Mit dem Zahnwechsel erreicht die Kopforganisation einen gewissen Abschluss.

    8. Erziehungsgrundsatz (GA 304)
    In den ersten sieben Lebensjahren kann man das Kind nicht durch Ermahnungen erziehen, sondern nur durch das eigene Vorbild. Nicht nur durch dasjenige lenkt man das Kind, was man selber tut, sondern auch durch das, was man selber empfindet und denkt.

    Zusammenfassung:
    Das erste Lebensjahr aus anthroposophischer Sicht:
    1. Spirituelle Herkunft – Das Kind kommt aus der geistigen Welt
    2. Nachahmung als Grundprinzip – Das Kind ist ein nachahmendes Wesen
    3. Die drei Hauptfaehigkeiten – Gehen, Sprechen, Denken
    4. Das Gehen lernen – Sich-im-Gleichgewicht-Hineinstellen
    5. Das Sprechen lernen – Durch Nachahmung
    6. Koerperliche Entwicklung – Kopf schon weit entwickelt
    7. Bedeutung des Zahnwechsels – Kopforganisation wird abgeschlossen
    8. Erziehungsgrundsatz – Nur durch eigenes Vorbild

    Quellen: GA 015, 302, 303, 304, 310, 317

  • Muttermilch bei Rudolf Steiner – Umfassende Zitatsammlung

    Einleitung

    Rudolf Steiner hat in zahlreichen VortrĂ€gen ĂŒber die Bedeutung der Muttermilch fĂŒr die kindliche Entwicklung gesprochen. Die folgende Sammlung bietet einen Überblick ĂŒber seine wichtigsten Aussagen aus der Gesamtausgabe (GA).


    1. Genius der Natur – Aufweckung des schlafenden Geistes

    GA 293, S. 10 (1919): Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der PĂ€dagogik

    „Die erzieherische Wirkung der Sprache (‚Genius der Sprache‘) im frĂŒhen und der Muttermilch (‚Genius der Natur‘) im ersten Kindesalter: Aufwecken des schlafenden Menschengeistes.“


    2. Der SÀugling schmeckt mit dem ganzen Körper

    GA 303, S. 275-276 (1921/22): Die gesunde Entwicklung des Menschenwesens

    „Der Erwachsene hat ja nur noch die Möglichkeit, Geschmacksempfindungen auf seinem Gaumen und dessen Nachbarorganen zu haben. Er hat schon einmal das Malheur, dass alle Geschmacksempfindungen sich nach dem Kopfe hingezogen haben, und dadurch unterscheidet er sich von dem Kinde, das im SĂ€uglingsalter durch und durch Geschmacksorganismus ist, das durch und durch schmeckt. […] Mit welcher intensiven SĂŒĂŸe der ganze physische Organismus des SĂ€uglings durch die Muttermilch durchzogen wird.“

    GA 347, S. 101 (1922): Die Erkenntnis des Menschenwesens

    „Das Kind fĂŒhlt, denkt aber natĂŒrlich noch nicht; daher kennt es den Geschmack nicht so, wie der erwachsene Mensch seinen Mundgeschmack kennt. Das Kind muss daher solche Nahrungsmittel kriegen, die im Magen drinnen nicht allzuschlecht schmecken. Und das ist eben die Muttermilch oder die Milch ĂŒberhaupt, aus dem Grunde, weil sie einen nicht allzuschlechten Geschmack im Magen bekommt, weil das Kind verwandt ist mit der Milch.“


    3. Verwandtschaft zwischen Mutter und Kind

    GA 347, S. 83 (1922): Die Erkenntnis des Menschenwesens

    „Am besten wird daher der SĂ€ugling mit der Milch der eigenen Mutter ernĂ€hrt. Nicht wahr, das Kind geht ja hervor aus dem Leibe der Mutter. Man kann also begreifen, dass es in seinem ganzen Organismus, in seinem ganzen Leib verwandt ist mit der Mutter. Es muss daher am besten dann gedeihen, wenn es nicht gleich, wenn es zur Welt kommt, etwas anderes bekommt als dasjenige, was auch aus dem Leib der Mutter kommt, mit dem es also verwandt ist.“

    GA 347, S. 84 (1922):

    „Allerdings, es kommt ja vor, dass die Muttermilch nicht geeignet ist durch ihre Zusammensetzung. Manche Menschenmilch ist zum Beispiel bitter, manche zu salzig. Da muss dann eine andere ErnĂ€hrung, durch eine andere Persönlichkeit am besten, einsetzen.“


    4. Muttermilch vs. Kuhmilch

    GA 347, S. 26 (1922):

    „Wodurch ist der Mensch ein denkendes Wesen? MilchernĂ€hrung. Eselsmilch. Muttermilch. Abtötung und Wiederbelebung der Nahrung.“

    GA 347, S. 84 (1922):

    „Nun kann ja die Frage entstehen: Kann das Kind nicht gleich vom Anfange an mit Kuhmilch ernĂ€hrt werden? – Nun, da muss man sagen: In den allerersten Zeiten des SĂ€uglingsalters ist die ErnĂ€hrung mit der Kuhmilch nicht sehr gut.“


    5. Die gute Mumie – die lebendige Kraft der Mutter

    GA 317, S. 180 (1924): HeilpÀdagogischer Kurs

    „Die Wirkung der Muttermilch besteht darin, dass in der Muttermilch durchaus dasjenige lebt, was in Ă€lteren Betrachtungsweisen genannt worden ist die gute Mumie im Gegensatz zur schlechten Mumie, die in andern Abscheidungsprodukten lebt. Die ganze Mutter lebt in der Muttermilch. Da haben wir durchaus etwas als Kraft lebend, was eigentlich seine Region nur geĂ€ndert hat innerhalb der menschlichen Organisation.“


    6. AstralitÀt der Muttermilch und Pflanze

    GA 317, S. 181 (1924): HeilpÀdagogischer Kurs

    „Und wenn wir uns auf der einen Seite die Muttermilch anschauen und auf der andern Seite uns anschauen dasjenige, was da als von der Pflanze ersehntes Astralisches ĂŒber der Pflanze darĂŒberschwebt, dann ergibt sich fĂŒr eine okkulte Anschauung eine ungeheuer nahe Verwandtschaft – nicht eine völlige Gleichheit – zwischen derjenigen AstralitĂ€t, welche mit der Muttermilch aus der Mutter kommt und derjenigen AstralitĂ€t, die aus dem Kosmos an die PflanzenblĂŒte heranschwebt.“


    7. Geistig formende KrÀfte der Muttermilch

    GA 317, S. 10 (1924): HeilpÀdagogischer Kurs

    „Die geistig formenden KrĂ€fte der Muttermilch; die Pflanze in ihrer Beziehung zum Menschen; Krankheit und Tierreich.“

    GA 303, S. 381 (1921/22):

    „bei krankhaft Sanguinischem: Wirkungen der Muttermilch; die Bedeutung von Genußmitteln; Interesselosigkeit beim Kind als Barometer fĂŒr unzureichende ErnĂ€hrung.“


    8. Zucker in der Muttermilch – Temperamente

    GA 303, S. 281 (1921/22):

    „Sehen Sie, die Muttermilch am meisten, Milch- und Milchprodukte aber ĂŒberhaupt, wirken so auf den Menschen, dass sie ihre Wirksamkeit in gleichmĂ€ĂŸiger Art auf den ganzen Menschen erstrecken. Alle Organe kommen gewissermaßen in einer gewissen Harmonie zu ihrem Rechte durch Milch und Milchprodukte.“

    GA 310, S. 130 (1924): Der pÀdagogische Wert der Menschenerkenntnis

    „…es war die Muttermilch zu sĂŒĂŸ, hat zu viel Zuckerstoff enthalten. Und dann setze ich der Mutter auseinander, fĂŒr einige Zeit dem Kinde eine DiĂ€t zu geben, die zuckerĂ€rmer ist als bisher…“


    9. Die Muttermilch als „gleiche Quelle“

    GA 310, S. 43 (1924):

    „Das Kind… ist es ja schon physiologisch zunĂ€chst darauf angewiesen, nicht unmittelbar von der Ă€ußeren Welt aufgenommen zu werden; denn es bekommt naturgemĂ€ĂŸ die Muttermilch, also nicht schon Nahrungsmittel, die aus der Ă€ußeren Welt aufgenommen werden, sondern solche, die aus derselben Quelle herstammen, aus der das Kind selber stammt.“

    GA 310, S. 45 (1924):

    „Der SĂ€ugling muss die Stoffe der Außenwelt aufnehmen; er muss sie in der Muttermilch vorbereitet aufnehmen. Er muss sozusagen bei dem bleiben, was ihm zunĂ€chst gleichartig ist. Er muss erst in die Außenwelt hineinwachsen.“


    10. Fallbeispiele aus der HeilpÀdagogik

    GA 317, S. 90 (1924):

    „Der Junge ist nur drei Monate mit Muttermilch ernĂ€hrt worden. Dann vom neunten Monate bis zum dritten Jahre aß er sehr schlecht.“

    GA 317, S. 120 (1924):

    „Es wurde mit Muttermilch ernĂ€hrt. Der Kopf war bei der Geburt auffallend klein…“

    GA 317, S. 126 (1924):

    „Das Kind wurde sieben Monate lang mit Muttermilch ernĂ€hrt. Mit einem Jahr hat es gehen gelernt.“

    GA 317, S. 136 (1924):

    „Nun können Sie sich denken, dass Muttermilch nicht unter allen UmstĂ€nden auf ein solches Kind so wirken kann, wie sie auf ein anderes Kind wirkt. Die Muttermilch ist dazu bereitet, dass sie vom Verdauungssystem aus sich in normaler Weise umsetzt bis ins Sinnes-Nervensystem hinein. Daher wurde Anfang MĂ€rz die Muttermilch bei diesem Kinde weggelassen.“


    11. Analogie: Muttermilch und Erziehung

    GA 217, S. 140 (1922): Geistige WirkenskrÀfte im Zusammenleben

    „Denn in Wahrheit kann die Jugendbewegung nicht eine bloße Opposition sein, sondern es ist schon Ă€hnlich so wie mit dem SĂ€ugling: konnte man nicht von der Mutter die Muttermilch bekommen, man könnte alles andere auch nicht.“


    12. Langzeitfolgen

    GA 347, S. 83 (1922):

    „Wenn die Leber auch schon wĂ€hrend des SĂ€uglingsalters gestört wird, hĂ€lt sie dies noch durch bis zum fĂŒnfundvierzigsten, fĂŒnfzigsten Lebensjahre. Dann zeigt sie sich innerlich verhĂ€rtet und es entstehen die Leberkrankheiten, die manchmal eben so spĂ€t beim Menschen auftreten und die dann eine Folge sind von dem, was wĂ€hrend des SĂ€uglingsalters verdorben worden ist.“


    Quellenverzeichnis

    • GA 217: Geistige WirkenskrĂ€fte im Zusammenleben von alter und junger Generation (1922)
    • GA 293: Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der PĂ€dagogik (1919)
    • GA 303: Die gesunde Entwicklung des Menschenwesens (1921/22)
    • GA 310: Der pĂ€dagogische Wert der Menschenerkenntnis (1924)
    • GA 317: HeilpĂ€dagogischer Kurs (1924)
    • GA 347: Die Erkenntnis des Menschenwesens (1922)

    Gesamtwerk der Rudolf Steiner, alle Zitate aus der Original-Quelle entnommen.