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Kategorie: Anthroposophie

  • GA 44 – EntwĂŒrfe, Fragmente und Paralipomena zu den vier Mysteriendramen: Kurzbefund zum ersten Lebensjahr

    GA 44 – EntwĂŒrfe, Fragmente und Paralipomena zu den vier Mysteriendramen enthĂ€lt ausschließlich dramatische und poetische Entwurfstexte zu den Mysteriendramen (Die Pforte der Einweihung, Die PrĂŒfung der Seele, Der HĂŒter der Schwelle, Der Seelen Erwachen). ErwĂ€hnungen von «Kind» sind Figuren im dramatischen Kontext der Dichtung, keine anthroposophischen Entwicklungslehren. Keine relevanten Inhalte zum ersten Lebensjahr des Menschen gefunden.

  • GA 41–43 – Kurzbefund: Dateien nicht vorhanden

    GA 41, GA 42 und GA 43 sind im vorliegenden Dateibestand nicht als .txt-Dateien vorhanden. Die Nummerierung springt von GA 40 direkt zu GA 44. Eine inhaltliche Analyse war daher nicht möglich.

  • GA 40 – Wahrspruchworte: Kurzbefund zum ersten Lebensjahr

    GA 40 – Wahrspruchworte enthĂ€lt Verse, SprĂŒche, Gebete und Meditationsworte Rudolf Steiners. Der Band umfasst u. a. einen Abschnitt «MĂŒtter und Kinder» mit SegenssprĂŒchen und Kindergebeten sowie einen Geburtstagsvers mit Bezug auf die «Lebensjahre erster Sieben». Diese Texte sind lyrisch-meditative Natur ohne anthroposophische Entwicklungslehre zum ersten Lebensjahr des Menschen. Keine relevanten Inhalte im Sinne der Fragestellung gefunden.

  • GA 39 – Briefe Band II (1890–1925): Kurzbefund zum ersten Lebensjahr

    GA 39 – Briefe Band II (1890–1925) enthĂ€lt ausschließlich persönliche Briefkorrespondenz Rudolf Steiners. Keine relevanten Inhalte zum ersten Lebensjahr des Menschen oder zur anthroposophischen Entwicklungslehre gefunden.

  • GA 38 – Briefe Band I (1881–1890): Kurzbefund zum ersten Lebensjahr

    GA 38 – Briefe Band I (1881–1890) enthĂ€lt ausschließlich persönliche Briefkorrespondenz Rudolf Steiners. Keine relevanten Inhalte zum ersten Lebensjahr des Menschen oder zur anthroposophischen Entwicklungslehre gefunden.

  • GA 37 – Kurzbefund: Datei nicht vorhanden

    GA 37 ist im vorliegenden Dateibestand nicht als .txt-Datei vorhanden. Die Nummerierung springt von GA 36 direkt zu GA 38. Eine inhaltliche Analyse war daher nicht möglich.

  • GA 36 – Der Goetheanum-Gedanke inmitten der Kulturkrisis der Gegenwart (1921–1925): Befund zum ersten Lebensjahr

    GA 36 – Der Goetheanum-Gedanke inmitten der Kulturkrisis der Gegenwart. Gesammelte AufsĂ€tze 1921–1925 aus der Wochenschrift «Das Goetheanum»

    Befund: Relevante Inhalte zum ersten Lebensjahr des Menschen

    In GA 36 finden sich in den pĂ€dagogischen AufsĂ€tzen zwei einander ergĂ€nzende Passagen, die das Wesen des Kindes von der Geburt bis zum Zahnwechsel – und damit auch das erste Lebensjahr – beschreiben.

    1. Ätherischer Organismus und Nachahmung vor dem Zahnwechsel

    „Man sehe auf das Kind hin. Es entwickelt um das siebente Lebensjahr herum seine zweiten ZĂ€hne. Diese Entwickelung ist nicht das Werk bloß des Zeitabschnittes um das siebente Jahr herum. Sie ist ein Geschehen, das mit der Embryonalentwickelung beginnt und im zweiten Zahnen nur den Abschluß findet. Es waren immer schon KrĂ€fte in dem kindlichen Organismus tĂ€tig, welche auf einer gewissen Stufe der Entwickelung die zweiten ZĂ€hne zur Entwickelung bringen. Diese KrĂ€fte offenbaren sich in dieser Art in den folgenden Lebensabschnitten nicht mehr. Weitere Zahnbildungen finden nicht statt. Aber die entsprechenden KrĂ€fte haben sich nicht verloren; sie wirken weiter; sie haben sich bloß umgewandelt. Sie haben eine Metamorphose durchgemacht.

    Betrachtet man in dieser Art den kindlichen Organismus in seiner Entfaltung, so kommt man darauf, daß die KrĂ€fte, um die es sich da handelt, vor dem Zahnwechsel in dem physischen Organismus tĂ€tig sind. Sie sind untergetaucht in die ErnĂ€hrungs- und Wachstumsprozesse. Sie leben in ungetrennter Einheit mit dem Körperlichen. Um das siebente Lebensjahr herum machen sie sich von dem Körper unabhĂ€ngig. Sie leben als seelische KrĂ€fte weiter. Wir finden sie in dem Ă€lteren Kinde tĂ€tig im FĂŒhlen, im Denken.

    Die Anthroposophie zeigt, wie dem physischen Organismus des Menschen ein Àtherischer eingegliedert ist. Dieser Àtherische Organismus ist bis zum siebenten Lebensjahre in seiner ganzen Ausdehnung im physischen Organismus tÀtig. In diesem Lebensabschnitte wird ein Teil des Àtherischen Organismus frei von der unmittelbaren BetÀtigung am physischen Organismus. Er erlangt eine gewisse SelbstÀndigkeit. Mit dieser wird er auch ein selbstÀndiger, von dem physischen Organismus relativ unabhÀngiger TrÀger des seelischen Lebens.

    Da sich aber das seelische Erleben nur mit Hilfe dieses Ă€therischen Organismus im Erdendasein entfalten kann, so steckt das Seelische vor dem siebenten Lebensjahre ganz in dem Körperlichen darinnen. Soll in diesem Lebensalter Seelisches wirksam werden, so muß die Wirksamkeit körperlich sich offenbaren. Das Kind kann nur mit der Außenwelt in ein VerhĂ€ltnis kommen, wenn dieses VerhĂ€ltnis einen Reiz darstellt, der körperlich sich ausleben kann. Das ist nur dann der Fall, wenn das Kind nachahmt. Vor dem Zahnwechsel ist das Kind ein rein nachahmendes Wesen im umfassendsten Sinne. Seine Erziehung kann nur darinnen bestehen, daß die Menschen seiner Umgebung ihm das vormachen, was es nachahmen soll.“

    2. Das Kind als Sinneswesen – Gehirnbildung und Sprechenlernen

    „Das Kind lebt bis zu dem Zeitabschnitte, in dem es, um das siebente Jahr herum, den Zahnwechsel durchmacht, ganz an seine Umgebung hingegeben. Man möchte sagen, das Kind ist ganz Sinn. Wie das Auge in den Farben lebt, so das ganze Kind in den LebensĂ€ußerungen seiner Umgebung. Jede Geste, jede Bewegung des Vaters, der Mutter wird in entsprechender Art im ganzen Innenorganismus des Kindes miterlebt. – Bis in diesen Zeitabschnitt wird von der menschlichen Wesenheit das Gehirn gestaltet. Und vom Gehirn geht in dieser Lebensepoche alles aus, was dem Organismus sein InnengeprĂ€ge gibt. Und im Gehirn bildet sich in feinster Weise nach, was sich durch die Umgebung als Lebensoffenbarung abspielt. Das Sprechenlernen des Kindes beruht ja ganz darauf.

    Es sind aber nicht bloß die Äußerlichkeiten im Verhalten der Umgebung, die im Kindeswesen weiterschwingen und die dessen Innerem den Charakter aufprĂ€gen, sondern mit den Äußerlichkeiten der seelische und moralische Inhalt. Ein Vater, der sich vor dem Kinde in LebensĂ€ußerungen offenbart, die dem JĂ€hzorn entspringen, wird die Veranlassung dazu, daß bis in die feinsten organischen Gewebestrukturen das Kind die Neigung zum gestenhaften Darleben des JĂ€hzorns aufnimmt. Eine furchtsam, zaghaft sich verhaltende Mutter pflanzt dem Kinde organische Strukturen und Bewegungstendenzen ein, die bewirken, daß dasselbe an seinem Körper ein Werkzeug hat, das dann die Seele im furchtsamen, zaghaften Sinne gebrauchen will.“

  • GA 35 – Philosophie und Anthroposophie (1904–1923): Befund zum ersten Lebensjahr

    GA 35 – Philosophie und Anthroposophie. Gesammelte AufsĂ€tze 1904–1923

    1. Die ersten Lebensjahre: aufrechte Haltung, Sprache, Denken und Erinnerung

    „Die Kindheitszeit von der Geburt bis zu einem gerade fĂŒr die geistige Betrachtungsweise außerordentlich interessanten Abschnitte, bis zum Erwachsen der zweiten ZĂ€hne, ungefĂ€hr also bis zum sechsten oder siebenten Jahre, muß die erste Periode im Lebensrhythmus des Menschen sein, den Geisteswissenschaft betrachtet.

    Diese erste Periode der Entwicklung bildet in dem Menschen unermeßlich vieles aus, so daß einsichtige PĂ€dagogen gesagt haben: Der Mensch lernt von seiner Mutter oder Amme, selbst wenn er ein Weltumsegier wird, in seinen ersten Lebensjahren mehr als von allen Völkern er lernen kann wĂ€hrend seines ganzen ĂŒbrigen Lebens. Von allem andern abgesehen, fĂ€llt in diese Periode die Aneignung der FĂ€higkeit zur aufrechten Haltung, der SprachfĂ€higkeit, der Denk- und ErinnerungsfĂ€higkeit, dann die Arbeit derjenigen inneren KrĂ€fte, welche mit dem Hervorbringen der zweiten ZĂ€hne einen gewissen Abschluß finden. Alle diese EntwickelungsvorgĂ€nge stellen sich nun fĂŒr den Geistesforscher so dar, daß sie ihm als von irdischen KrĂ€ften hervorgebracht erscheinen.“

    2. Zweite Geburt: der Ätherleib wird frei (ab 7. Jahr)

    „Vom Zahnwechsel an beginnt im menschlichen Leben ein zweiter Abschnitt […] So wie sein physischer Leib mit der Geburt ins physische Dasein tritt, so tritt jetzt ein Ă€therischer, ein ĂŒberirdischer Leib ins Dasein.“

    3. Seelenverfassung des Kindes von Geburt bis Zahnwechsel

    „Die Seelenverfassung des Kindes von der Geburt bis zum Zahnwechsel ist fĂŒr eine durch geisteswissenschaftliche Schulung geschĂ€rfte Beobachtung eine ganz andere als die vom Zahnwechsel bis zur Geschlechtsreife.“

    „[D]iejenige, welche die Kindheitserlebnisse von der Geburt bis zum Zahnwechsel durchschauen kann.“

  • Das erste Lebensjahr des Menschen – Analyse nach Rudolf Steiner – GA9

    1. Vorbemerkung zur Quelle

    Die vorliegende Analyse basiert auf Rudolf Steiners Hauptwerk »Theosophie« (Rudolf Steiner Verlag, Dornach/CH, 1987). Das Buch behandelt die dreifache Natur des Menschen – Körper (Leib), Seele und Geist – und enthĂ€lt mehrere bedeutsame Stellen, die das frĂŒhe Kindheitserleben, insbesondere die geistig-seelische Entwicklung im Kleinstkind- und SĂ€uglingsalter, beleuchten. Da es sich um ein philosophisch-geisteswissenschaftliches Werk handelt, finden sich die relevanten Aussagen zum ersten Lebensjahr eingebettet in ĂŒbergreifende Darstellungen der Menschennatur.

    2. Relevante Textstellen mit Quellenangaben

    2.1 Geburt des Selbstbewusstseins im frĂŒhen Kindesalter

    Steiner schildert anhand eines berĂŒhmten Zitats des Dichters Jean Paul den Moment, in dem das Kind zum ersten Mal ein Bewusstsein von sich selbst als eigenstĂ€ndiges Wesen erlangt – das Erwachen des »Ich«. Er beschreibt zudem, wie kleine Kinder in der Vorstufe dieses Bewusstseins von sich selbst in der dritten Person sprechen:

    »Im Laufe der Kindheitsentwickelung tritt im Leben des Menschen der Augenblick ein, in dem er sich zum erstenmal als ein selbstĂ€ndiges Wesen gegenĂŒber der ganzen ĂŒbrigen Welt empfindet. Fein empfindenden Menschen ist das ein bedeutsames Erlebnis. Der Dichter Jean Paul erzĂ€hlt in seiner Lebensbeschreibung: â€șNie vergeß‘ ich die noch keinem Menschen erzĂ€hlte Erscheinung in mir, wo ich bei der Geburt meines Selbstbewußtseins stand, von der ich Ort und Zeit anzugeben weiß. An einem Vormittag stand ich als ein sehr junges Kind unter der HaustĂŒr und sah links nach der Holzlege, als auf einmal das innere Gesicht, ich bin ein Ich, wie ein Blitzstrahl vom Himmel auf mich fuhr und seitdem leuchtend stehenblieb: da hatte mein Ich zum erstenmal sich selber gesehen und auf ewig.â€č«

    Rudolf Steiner, Theosophie, S. 48 (Zeilen 808–819)

    Unmittelbar im Anschluss erlÀutert Steiner das Verhalten kleiner Kinder, bevor dieses Selbstbewusstsein erwacht ist:

    »Es ist bekannt, daß kleine Kinder von sich sagen: â€șKarl ist bravâ€č, â€șMarie will das habenâ€č. Man findet es angemessen, daß sie von sich so wie von andern reden, weil sie sich ihrer selbstĂ€ndigen Wesenheit noch nicht bewußt geworden sind, weil das Bewußtsein vom Selbst noch nicht in ihnen geboren ist.«

    Rudolf Steiner, Theosophie, S. 48–49 (Zeilen 820–823)

    2.2 ErgÀnzende ErlÀuterung zur Ich-Entwicklung im Kindesalter

    In den abschließenden »Einzelnen Bemerkungen und ErgĂ€nzungen« vertieft Steiner seine Aussagen zur Entwicklung des Ich-GefĂŒhls im frĂŒhen Kindesalter und betont, dass nicht das frĂŒhe Gebrauchen des Wortes »Ich« entscheidend ist, sondern das VerknĂŒpfen des Wortes mit der entsprechenden inneren Vorstellung:

    »Wenn gesagt wird, kleine Kinder sagen: â€șKarl ist bravâ€č, â€șMarie will das habenâ€č, so muß wohl beachtet werden, daß es weniger darauf ankommt, wie frĂŒh Kinder das Wort â€șIchâ€č gebrauchen, als darauf, wann sie mit diesem Worte die entsprechende Vorstellung verknĂŒpfen. [
] Doch deutet der zumeist spĂ€te Gebrauch des Wortes allerdings auf eine wichtige Entwickelungstatsache hin, nĂ€mlich auf die allmĂ€hliche Entfaltung der Ich-Vorstellung aus dem dunklen Ich-GefĂŒhl heraus.«

    Rudolf Steiner, Theosophie, S. 199 (Zeilen 4317–4324)

    2.3 Das Kind als lernendes Wesen – Empfindung und Denken

    Steiner erlĂ€utert am Beispiel eines kleinen Kindes, wie die Wechselwirkung zwischen Sinneserfahrung und Denken im FrĂŒhkindlichen wirkt:

    »Das Kind, das sich verbrannt hat, denkt nach und gelangt zu dem Gedanken: â€șdas Feuer brenntâ€č.«

    Rudolf Steiner, Theosophie, S. 43 (Zeilen 686–687)

    »Die Reize der Außenwelt empfindet auch das Kind als Antrieb des Willens, die Gebote des sittlich Guten gehen ihm aber nur im Laufe der Entwickelung auf, indem es im Geiste leben und dessen Offenbarung verstehen lernt.«

    Rudolf Steiner, Theosophie, S. 53 (Zeilen 910–912)

    2.4 Vererbung und geistige EigenstĂ€ndigkeit – vor und nach der Geburt

    »Meine Arbeit an mir [kann] nicht bei meiner Geburt begonnen haben. Ich muß als geistiger Mensch vor meiner Geburt vorhanden gewesen sein.«

    Rudolf Steiner, Theosophie, S. 73 (Zeilen 1448–1449)

    »Es gehört zu den bedenklichsten Vorurteilen, wenn man die geistigen Eigenschaften eines Menschen durch Vererbung von Vater oder Mutter oder anderen Vorfahren erklÀren will.«

    Rudolf Steiner, Theosophie, S. 75 (Zeilen 1498–1499)

    2.5 Die Mutterliebe als natĂŒrlichster Selbstlosigkeitsimpuls

    »Es gibt eine rein natĂŒrliche AufopferungsfĂ€higkeit, die sich schon im Tierreiche im hohen Grade findet. In der natĂŒrlichen Mutterliebe findet diese Ausbildung eines animalischen Triebes ihre schönste Vollendung. Diese selbstlosen Naturtriebe kommen in der ersten Aura in hellrötlichen bis rosaroten Farbennuancen zum Ausdruck.«

    Rudolf Steiner, Theosophie, S. 169–170 (Zeilen 3635–3638)

    2.6 Der Ätherleib und die physische Erneuerung des Kindeskörpers

    »Innerhalb einiger Jahre erneuert sich die Stoffmasse, die unsern physischen Körper zusammensetzt, vollstĂ€ndig. Daß diese Stoffmasse die Form des menschlichen Körpers annimmt und daß sie innerhalb dieses Körpers sich immer wieder erneuert, das hĂ€ngt davon ab, daß sie von dem Ätherleib zusammengehalten wird. Und dessen Form ist nicht allein durch die VorgĂ€nge zwischen Geburt – oder EmpfĂ€ngnis – und Tod bestimmt, sondern sie ist von den Gesetzen der Vererbung abhĂ€ngig, die ĂŒber Geburt und Tod hinausreichen.«

    Rudolf Steiner, Theosophie, S. 77–78 (Zeilen 1557–1564)

    2.7 Kindheitserlebnisse und ihre bleibenden FrĂŒchte

    »Man erinnert sich nicht aller Erlebnisse, die man in der Kindheit durchgemacht hat, wĂ€hrend man sich die Kunst des Lesens und des Schreibens angeeignet hat. Aber man könnte nicht lesen und schreiben, wenn man diese Erlebnisse nicht gehabt hĂ€tte und ihre FrĂŒchte nicht bewahrt geblieben wĂ€ren in Form von FĂ€higkeiten.«

    Rudolf Steiner, Theosophie, S. 68 (Zeilen 1325–1328)

    3. Zusammenfassung

    Rudolf Steiners »Theosophie« enthĂ€lt keine explizit medizinisch ausgerichteten Kapitel ĂŒber das erste Lebensjahr, bietet jedoch aus geisteswissenschaftlicher Perspektive tiefgreifende Einsichten ĂŒber das frĂŒhe Menschenleben:

    Das Erwachen des Selbstbewusstseins

    Das herausragendste Thema ist das Erwachen des Ich-Bewusstseins im frĂŒhen Kindesalter. Steiner beschreibt – unterstĂŒtzt durch Jean Pauls Selbstzeugnis – den Moment, in dem ein Kind erstmals sich selbst als eigenstĂ€ndiges Wesen erkennt. Vor diesem Entwicklungsschritt spricht das Kind von sich in der dritten Person, da das Selbstbewusstsein noch nicht geboren ist. Entscheidend ist nicht, wann das Kind das Wort »Ich« ĂŒbernimmt, sondern wann es beginnt, dieses Wort mit der inneren Vorstellung der eigenen Selbstheit zu verbinden – die »allmĂ€hliche Entfaltung der Ich-Vorstellung aus dem dunklen Ich-GefĂŒhl heraus«.

    Empfindung, Wille und sittliche Entwicklung

    Das Neugeborene und das Kleinkind sind von Beginn an empfindungsfĂ€hige Wesen: sie nehmen Ă€ußere Reize wahr und reagieren darauf mit Willensimpulsen. Die eigentlich geistig-sittliche Dimension des Lebens erschließt sich dem Kind jedoch erst im Laufe der Entwicklung.

    Vererbung und individuelle Geistigkeit

    Steiner betont mit Nachdruck, dass das Kind zwar physische Eigenschaften von den Eltern erbt, dass aber seine eigentliche geistige Wesenheit nicht aus der Vererbung stammt. Der Geist des Menschen hat eine ĂŒber die Geburt hinausreichende Existenz. Das neugeborene Kind bringt eine geistige IndividualitĂ€t mit, die aus frĂŒheren Erdenleben geformt ist.

    Ätherleib und körperliche Erneuerung

    Von Geburt an wirkt im Kind der sogenannte Ätherleib oder Lebensleib, der die physische Substanz in der Form des menschlichen Körpers hĂ€lt und stĂ€ndig erneuert. Diese Kraft geht ĂŒber die rein physikalischen VorgĂ€nge hinaus und ist fĂŒr die organische Gestaltung verantwortlich.

    Mutterliebe als selbstloser Naturimpuls

    Die natĂŒrliche Mutterliebe, die wĂ€hrend des ersten Lebensjahres die primĂ€re Bindungsgrundlage bildet, beschreibt Steiner als höchste AusprĂ€gung selbstloser Naturkraft – in seiner Auralehre sichtbar in hellroten bis rosaroten Farbtönen der »ersten Aura«.

    Bleibende Wirkung frĂŒhkindlicher Erlebnisse

    Kindheitserlebnisse, auch wenn sie dem GedĂ€chtnis spĂ€ter entgleiten, wirken als FĂ€higkeiten im Geist des Menschen fort. Die frĂŒhkindlichen Erfahrungen – darunter jene des ersten Lebensjahres – bilden die unsichtbare, aber formgebende Grundlage fĂŒr das spĂ€tere Lernen und die persönliche Entwicklung.

    4. Abschließende Bewertung

    Rudolf Steiners Aussagen zum ersten Lebensjahr sind nicht empirisch-naturwissenschaftlicher, sondern geisteswissenschaftlich-anthroposophischer Natur. Sie eröffnen eine Betrachtungsweise, in der das neugeborene Kind als ein dreifaches Wesen – aus Leib, Seele und Geist – beschrieben wird, das von Anfang an eine ĂŒber die biologische Vererbung hinausgehende individuelle Wesenheit mit sich bringt. Das erste Lebensjahr ist in dieser Sicht die Zeit, in der der physische Leib seine unmittelbarste PrĂ€gung durch den Lebensleib erfĂ€hrt, in der die ersten Empfindungen und Willensimpulse erwachen, in der sich die Mutterliebe als Urschutz des Kindes entfaltet, und in der – noch im verborgenen Dunkel – das Ich-GefĂŒhl zu keimen beginnt.

    5. Literaturangabe

    Steiner, Rudolf: Theosophie. EinfĂŒhrung in ĂŒbersinnliche Weltanschauung und Menschenbestimmung. Dornach (CH): Rudolf Steiner Verlag, 1987 (Taschenbuchausgabe). [Quelldatei: 009.txt]

  • Das erste Lebensjahr des Kindes bei Rudolf Steiner – Zitatsammlung

    Einleitung

    Das erste Lebensjahr ist nach Rudolf Steiner eine der wichtigsten Phasen im menschlichen Leben.


    1. Die kindliche Aura (GA 015)

    WĂ€hrend das, was wir die kindliche Aura nennen, in den ersten Lebensjahren wie eine wunderbare Macht das Kind umschwebt.