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Kategorie: Anthroposophie

  • GA 35 – Philosophie und Anthroposophie (1904–1923): Befund zum ersten Lebensjahr

    GA 35 – Philosophie und Anthroposophie. Gesammelte AufsĂ€tze 1904–1923

    1. Die ersten Lebensjahre: aufrechte Haltung, Sprache, Denken und Erinnerung

    „Die Kindheitszeit von der Geburt bis zu einem gerade fĂŒr die geistige Betrachtungsweise außerordentlich interessanten Abschnitte, bis zum Erwachsen der zweiten ZĂ€hne, ungefĂ€hr also bis zum sechsten oder siebenten Jahre, muß die erste Periode im Lebensrhythmus des Menschen sein, den Geisteswissenschaft betrachtet.

    Diese erste Periode der Entwicklung bildet in dem Menschen unermeßlich vieles aus, so daß einsichtige PĂ€dagogen gesagt haben: Der Mensch lernt von seiner Mutter oder Amme, selbst wenn er ein Weltumsegier wird, in seinen ersten Lebensjahren mehr als von allen Völkern er lernen kann wĂ€hrend seines ganzen ĂŒbrigen Lebens. Von allem andern abgesehen, fĂ€llt in diese Periode die Aneignung der FĂ€higkeit zur aufrechten Haltung, der SprachfĂ€higkeit, der Denk- und ErinnerungsfĂ€higkeit, dann die Arbeit derjenigen inneren KrĂ€fte, welche mit dem Hervorbringen der zweiten ZĂ€hne einen gewissen Abschluß finden. Alle diese EntwickelungsvorgĂ€nge stellen sich nun fĂŒr den Geistesforscher so dar, daß sie ihm als von irdischen KrĂ€ften hervorgebracht erscheinen.“

    2. Zweite Geburt: der Ätherleib wird frei (ab 7. Jahr)

    „Vom Zahnwechsel an beginnt im menschlichen Leben ein zweiter Abschnitt […] So wie sein physischer Leib mit der Geburt ins physische Dasein tritt, so tritt jetzt ein Ă€therischer, ein ĂŒberirdischer Leib ins Dasein.“

    3. Seelenverfassung des Kindes von Geburt bis Zahnwechsel

    „Die Seelenverfassung des Kindes von der Geburt bis zum Zahnwechsel ist fĂŒr eine durch geisteswissenschaftliche Schulung geschĂ€rfte Beobachtung eine ganz andere als die vom Zahnwechsel bis zur Geschlechtsreife.“

    „[D]iejenige, welche die Kindheitserlebnisse von der Geburt bis zum Zahnwechsel durchschauen kann.“

  • Das erste Lebensjahr des Menschen – Analyse nach Rudolf Steiner – GA9

    1. Vorbemerkung zur Quelle

    Die vorliegende Analyse basiert auf Rudolf Steiners Hauptwerk »Theosophie« (Rudolf Steiner Verlag, Dornach/CH, 1987). Das Buch behandelt die dreifache Natur des Menschen – Körper (Leib), Seele und Geist – und enthĂ€lt mehrere bedeutsame Stellen, die das frĂŒhe Kindheitserleben, insbesondere die geistig-seelische Entwicklung im Kleinstkind- und SĂ€uglingsalter, beleuchten. Da es sich um ein philosophisch-geisteswissenschaftliches Werk handelt, finden sich die relevanten Aussagen zum ersten Lebensjahr eingebettet in ĂŒbergreifende Darstellungen der Menschennatur.

    2. Relevante Textstellen mit Quellenangaben

    2.1 Geburt des Selbstbewusstseins im frĂŒhen Kindesalter

    Steiner schildert anhand eines berĂŒhmten Zitats des Dichters Jean Paul den Moment, in dem das Kind zum ersten Mal ein Bewusstsein von sich selbst als eigenstĂ€ndiges Wesen erlangt – das Erwachen des »Ich«. Er beschreibt zudem, wie kleine Kinder in der Vorstufe dieses Bewusstseins von sich selbst in der dritten Person sprechen:

    »Im Laufe der Kindheitsentwickelung tritt im Leben des Menschen der Augenblick ein, in dem er sich zum erstenmal als ein selbstĂ€ndiges Wesen gegenĂŒber der ganzen ĂŒbrigen Welt empfindet. Fein empfindenden Menschen ist das ein bedeutsames Erlebnis. Der Dichter Jean Paul erzĂ€hlt in seiner Lebensbeschreibung: â€șNie vergeß‘ ich die noch keinem Menschen erzĂ€hlte Erscheinung in mir, wo ich bei der Geburt meines Selbstbewußtseins stand, von der ich Ort und Zeit anzugeben weiß. An einem Vormittag stand ich als ein sehr junges Kind unter der HaustĂŒr und sah links nach der Holzlege, als auf einmal das innere Gesicht, ich bin ein Ich, wie ein Blitzstrahl vom Himmel auf mich fuhr und seitdem leuchtend stehenblieb: da hatte mein Ich zum erstenmal sich selber gesehen und auf ewig.â€č«

    Rudolf Steiner, Theosophie, S. 48 (Zeilen 808–819)

    Unmittelbar im Anschluss erlÀutert Steiner das Verhalten kleiner Kinder, bevor dieses Selbstbewusstsein erwacht ist:

    »Es ist bekannt, daß kleine Kinder von sich sagen: â€șKarl ist bravâ€č, â€șMarie will das habenâ€č. Man findet es angemessen, daß sie von sich so wie von andern reden, weil sie sich ihrer selbstĂ€ndigen Wesenheit noch nicht bewußt geworden sind, weil das Bewußtsein vom Selbst noch nicht in ihnen geboren ist.«

    Rudolf Steiner, Theosophie, S. 48–49 (Zeilen 820–823)

    2.2 ErgÀnzende ErlÀuterung zur Ich-Entwicklung im Kindesalter

    In den abschließenden »Einzelnen Bemerkungen und ErgĂ€nzungen« vertieft Steiner seine Aussagen zur Entwicklung des Ich-GefĂŒhls im frĂŒhen Kindesalter und betont, dass nicht das frĂŒhe Gebrauchen des Wortes »Ich« entscheidend ist, sondern das VerknĂŒpfen des Wortes mit der entsprechenden inneren Vorstellung:

    »Wenn gesagt wird, kleine Kinder sagen: â€șKarl ist bravâ€č, â€șMarie will das habenâ€č, so muß wohl beachtet werden, daß es weniger darauf ankommt, wie frĂŒh Kinder das Wort â€șIchâ€č gebrauchen, als darauf, wann sie mit diesem Worte die entsprechende Vorstellung verknĂŒpfen. [
] Doch deutet der zumeist spĂ€te Gebrauch des Wortes allerdings auf eine wichtige Entwickelungstatsache hin, nĂ€mlich auf die allmĂ€hliche Entfaltung der Ich-Vorstellung aus dem dunklen Ich-GefĂŒhl heraus.«

    Rudolf Steiner, Theosophie, S. 199 (Zeilen 4317–4324)

    2.3 Das Kind als lernendes Wesen – Empfindung und Denken

    Steiner erlĂ€utert am Beispiel eines kleinen Kindes, wie die Wechselwirkung zwischen Sinneserfahrung und Denken im FrĂŒhkindlichen wirkt:

    »Das Kind, das sich verbrannt hat, denkt nach und gelangt zu dem Gedanken: â€șdas Feuer brenntâ€č.«

    Rudolf Steiner, Theosophie, S. 43 (Zeilen 686–687)

    »Die Reize der Außenwelt empfindet auch das Kind als Antrieb des Willens, die Gebote des sittlich Guten gehen ihm aber nur im Laufe der Entwickelung auf, indem es im Geiste leben und dessen Offenbarung verstehen lernt.«

    Rudolf Steiner, Theosophie, S. 53 (Zeilen 910–912)

    2.4 Vererbung und geistige EigenstĂ€ndigkeit – vor und nach der Geburt

    »Meine Arbeit an mir [kann] nicht bei meiner Geburt begonnen haben. Ich muß als geistiger Mensch vor meiner Geburt vorhanden gewesen sein.«

    Rudolf Steiner, Theosophie, S. 73 (Zeilen 1448–1449)

    »Es gehört zu den bedenklichsten Vorurteilen, wenn man die geistigen Eigenschaften eines Menschen durch Vererbung von Vater oder Mutter oder anderen Vorfahren erklÀren will.«

    Rudolf Steiner, Theosophie, S. 75 (Zeilen 1498–1499)

    2.5 Die Mutterliebe als natĂŒrlichster Selbstlosigkeitsimpuls

    »Es gibt eine rein natĂŒrliche AufopferungsfĂ€higkeit, die sich schon im Tierreiche im hohen Grade findet. In der natĂŒrlichen Mutterliebe findet diese Ausbildung eines animalischen Triebes ihre schönste Vollendung. Diese selbstlosen Naturtriebe kommen in der ersten Aura in hellrötlichen bis rosaroten Farbennuancen zum Ausdruck.«

    Rudolf Steiner, Theosophie, S. 169–170 (Zeilen 3635–3638)

    2.6 Der Ätherleib und die physische Erneuerung des Kindeskörpers

    »Innerhalb einiger Jahre erneuert sich die Stoffmasse, die unsern physischen Körper zusammensetzt, vollstĂ€ndig. Daß diese Stoffmasse die Form des menschlichen Körpers annimmt und daß sie innerhalb dieses Körpers sich immer wieder erneuert, das hĂ€ngt davon ab, daß sie von dem Ätherleib zusammengehalten wird. Und dessen Form ist nicht allein durch die VorgĂ€nge zwischen Geburt – oder EmpfĂ€ngnis – und Tod bestimmt, sondern sie ist von den Gesetzen der Vererbung abhĂ€ngig, die ĂŒber Geburt und Tod hinausreichen.«

    Rudolf Steiner, Theosophie, S. 77–78 (Zeilen 1557–1564)

    2.7 Kindheitserlebnisse und ihre bleibenden FrĂŒchte

    »Man erinnert sich nicht aller Erlebnisse, die man in der Kindheit durchgemacht hat, wĂ€hrend man sich die Kunst des Lesens und des Schreibens angeeignet hat. Aber man könnte nicht lesen und schreiben, wenn man diese Erlebnisse nicht gehabt hĂ€tte und ihre FrĂŒchte nicht bewahrt geblieben wĂ€ren in Form von FĂ€higkeiten.«

    Rudolf Steiner, Theosophie, S. 68 (Zeilen 1325–1328)

    3. Zusammenfassung

    Rudolf Steiners »Theosophie« enthĂ€lt keine explizit medizinisch ausgerichteten Kapitel ĂŒber das erste Lebensjahr, bietet jedoch aus geisteswissenschaftlicher Perspektive tiefgreifende Einsichten ĂŒber das frĂŒhe Menschenleben:

    Das Erwachen des Selbstbewusstseins

    Das herausragendste Thema ist das Erwachen des Ich-Bewusstseins im frĂŒhen Kindesalter. Steiner beschreibt – unterstĂŒtzt durch Jean Pauls Selbstzeugnis – den Moment, in dem ein Kind erstmals sich selbst als eigenstĂ€ndiges Wesen erkennt. Vor diesem Entwicklungsschritt spricht das Kind von sich in der dritten Person, da das Selbstbewusstsein noch nicht geboren ist. Entscheidend ist nicht, wann das Kind das Wort »Ich« ĂŒbernimmt, sondern wann es beginnt, dieses Wort mit der inneren Vorstellung der eigenen Selbstheit zu verbinden – die »allmĂ€hliche Entfaltung der Ich-Vorstellung aus dem dunklen Ich-GefĂŒhl heraus«.

    Empfindung, Wille und sittliche Entwicklung

    Das Neugeborene und das Kleinkind sind von Beginn an empfindungsfĂ€hige Wesen: sie nehmen Ă€ußere Reize wahr und reagieren darauf mit Willensimpulsen. Die eigentlich geistig-sittliche Dimension des Lebens erschließt sich dem Kind jedoch erst im Laufe der Entwicklung.

    Vererbung und individuelle Geistigkeit

    Steiner betont mit Nachdruck, dass das Kind zwar physische Eigenschaften von den Eltern erbt, dass aber seine eigentliche geistige Wesenheit nicht aus der Vererbung stammt. Der Geist des Menschen hat eine ĂŒber die Geburt hinausreichende Existenz. Das neugeborene Kind bringt eine geistige IndividualitĂ€t mit, die aus frĂŒheren Erdenleben geformt ist.

    Ätherleib und körperliche Erneuerung

    Von Geburt an wirkt im Kind der sogenannte Ätherleib oder Lebensleib, der die physische Substanz in der Form des menschlichen Körpers hĂ€lt und stĂ€ndig erneuert. Diese Kraft geht ĂŒber die rein physikalischen VorgĂ€nge hinaus und ist fĂŒr die organische Gestaltung verantwortlich.

    Mutterliebe als selbstloser Naturimpuls

    Die natĂŒrliche Mutterliebe, die wĂ€hrend des ersten Lebensjahres die primĂ€re Bindungsgrundlage bildet, beschreibt Steiner als höchste AusprĂ€gung selbstloser Naturkraft – in seiner Auralehre sichtbar in hellroten bis rosaroten Farbtönen der »ersten Aura«.

    Bleibende Wirkung frĂŒhkindlicher Erlebnisse

    Kindheitserlebnisse, auch wenn sie dem GedĂ€chtnis spĂ€ter entgleiten, wirken als FĂ€higkeiten im Geist des Menschen fort. Die frĂŒhkindlichen Erfahrungen – darunter jene des ersten Lebensjahres – bilden die unsichtbare, aber formgebende Grundlage fĂŒr das spĂ€tere Lernen und die persönliche Entwicklung.

    4. Abschließende Bewertung

    Rudolf Steiners Aussagen zum ersten Lebensjahr sind nicht empirisch-naturwissenschaftlicher, sondern geisteswissenschaftlich-anthroposophischer Natur. Sie eröffnen eine Betrachtungsweise, in der das neugeborene Kind als ein dreifaches Wesen – aus Leib, Seele und Geist – beschrieben wird, das von Anfang an eine ĂŒber die biologische Vererbung hinausgehende individuelle Wesenheit mit sich bringt. Das erste Lebensjahr ist in dieser Sicht die Zeit, in der der physische Leib seine unmittelbarste PrĂ€gung durch den Lebensleib erfĂ€hrt, in der die ersten Empfindungen und Willensimpulse erwachen, in der sich die Mutterliebe als Urschutz des Kindes entfaltet, und in der – noch im verborgenen Dunkel – das Ich-GefĂŒhl zu keimen beginnt.

    5. Literaturangabe

    Steiner, Rudolf: Theosophie. EinfĂŒhrung in ĂŒbersinnliche Weltanschauung und Menschenbestimmung. Dornach (CH): Rudolf Steiner Verlag, 1987 (Taschenbuchausgabe). [Quelldatei: 009.txt]

  • Das erste Lebensjahr des Kindes bei Rudolf Steiner – Zitatsammlung

    Einleitung

    Das erste Lebensjahr ist nach Rudolf Steiner eine der wichtigsten Phasen im menschlichen Leben.


    1. Die kindliche Aura (GA 015)

    WĂ€hrend das, was wir die kindliche Aura nennen, in den ersten Lebensjahren wie eine wunderbare Macht das Kind umschwebt.


  • Das erste Lebensjahr des Kindes bei Rudolf Steiner – Zitatsammlung

    1. Die kindliche Aura (GA 015)
    Waehrend das, was wir die kindliche Aura nennen, in den ersten Lebensjahren wie eine wunderbare, menschenuebergreifende Macht das Kind umschwebt – so umschwebt, dass diese kindliche Aura, der eigentliche hoehere Teil des Menschen, ueberall seine Fortsetzung in die geistige Welt hinein hat.

    2. Nachahmungstrieb (GA 303, 304)
    Von der Geburt bis zum Zahnwechsel = Nachahmungstrieb. Die erste Etappe geht von der Geburt bis zum Zahnwechsel; sie traegt ein ganz besonderes Geprage. Das Kind ist ein nachahmendes Wesen. In den ersten sieben Lebensjahren kann man nicht durch Ermahnungen das Kind lenken, sondern nur durch das eigene Vorbild.

    3. Die drei Hauptfaehigkeiten (GA 310)
    Bis zum Zahnwechsel entwickelt das Kind: das Gehen, das Sprechen und das Denken. Das sind die drei Faehigkeiten, die bis zum Zahnwechsel als die hervorragendsten ausgebildet werden.

    4. Das Gehen lernen (GA 310)
    Das Gehen ist nicht bloss gehen, das man laernt, sondern es ist das Sich-im-Gleichgewicht-Hineinstellen in die Welt. Der Kopf des Menschen ist verhaeltnismaessig schon weit organisiert, wenn der Mensch geboren ist; fertig ist er erst mit dem Zahnwechsel.

    5. Das Sprechen lernen (GA 310, 304)
    Die Sprache entwickelt sich im Zusammenhang mit dem Zirkulations- und Atmungssystem. Das Kind laernt sprechen durch Nachahmung. In den ersten Kindesjahren laernt das Kind die Sprachen; es laernt allmaehlich zu sich ich sagen.

    6. Koerperliche Entwicklung (GA 015, 317)
    Der Mensch kommt auf die Welt mit einem Kopfe, der schon eine ganze Summe von Faehigkeiten enthaelt. Der Koerper, den der Mensch von der Geburt bis zum Zahnwechsel traegt, ist gewissermassen nur ein Modell. Mit dem Zahnwechsel wird dieses erste Modell abgelegt.

    7. Bedeutung des Zahnwechsels (GA 310)
    Der Zahnwechsel ist das aeussere Zeichen fuer tiefe Veraenderungen. Mit dem Zahnwechsel erreicht die Kopforganisation einen gewissen Abschluss.

    8. Erziehungsgrundsatz (GA 304)
    In den ersten sieben Lebensjahren kann man das Kind nicht durch Ermahnungen erziehen, sondern nur durch das eigene Vorbild. Nicht nur durch dasjenige lenkt man das Kind, was man selber tut, sondern auch durch das, was man selber empfindet und denkt.

    Zusammenfassung:
    Das erste Lebensjahr aus anthroposophischer Sicht:
    1. Spirituelle Herkunft – Das Kind kommt aus der geistigen Welt
    2. Nachahmung als Grundprinzip – Das Kind ist ein nachahmendes Wesen
    3. Die drei Hauptfaehigkeiten – Gehen, Sprechen, Denken
    4. Das Gehen lernen – Sich-im-Gleichgewicht-Hineinstellen
    5. Das Sprechen lernen – Durch Nachahmung
    6. Koerperliche Entwicklung – Kopf schon weit entwickelt
    7. Bedeutung des Zahnwechsels – Kopforganisation wird abgeschlossen
    8. Erziehungsgrundsatz – Nur durch eigenes Vorbild

    Quellen: GA 015, 302, 303, 304, 310, 317

  • Muttermilch bei Rudolf Steiner – Umfassende Zitatsammlung

    Einleitung

    Rudolf Steiner hat in zahlreichen VortrĂ€gen ĂŒber die Bedeutung der Muttermilch fĂŒr die kindliche Entwicklung gesprochen. Die folgende Sammlung bietet einen Überblick ĂŒber seine wichtigsten Aussagen aus der Gesamtausgabe (GA).


    1. Genius der Natur – Aufweckung des schlafenden Geistes

    GA 293, S. 10 (1919): Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der PĂ€dagogik

    „Die erzieherische Wirkung der Sprache (‚Genius der Sprache‘) im frĂŒhen und der Muttermilch (‚Genius der Natur‘) im ersten Kindesalter: Aufwecken des schlafenden Menschengeistes.“


    2. Der SÀugling schmeckt mit dem ganzen Körper

    GA 303, S. 275-276 (1921/22): Die gesunde Entwicklung des Menschenwesens

    „Der Erwachsene hat ja nur noch die Möglichkeit, Geschmacksempfindungen auf seinem Gaumen und dessen Nachbarorganen zu haben. Er hat schon einmal das Malheur, dass alle Geschmacksempfindungen sich nach dem Kopfe hingezogen haben, und dadurch unterscheidet er sich von dem Kinde, das im SĂ€uglingsalter durch und durch Geschmacksorganismus ist, das durch und durch schmeckt. […] Mit welcher intensiven SĂŒĂŸe der ganze physische Organismus des SĂ€uglings durch die Muttermilch durchzogen wird.“

    GA 347, S. 101 (1922): Die Erkenntnis des Menschenwesens

    „Das Kind fĂŒhlt, denkt aber natĂŒrlich noch nicht; daher kennt es den Geschmack nicht so, wie der erwachsene Mensch seinen Mundgeschmack kennt. Das Kind muss daher solche Nahrungsmittel kriegen, die im Magen drinnen nicht allzuschlecht schmecken. Und das ist eben die Muttermilch oder die Milch ĂŒberhaupt, aus dem Grunde, weil sie einen nicht allzuschlechten Geschmack im Magen bekommt, weil das Kind verwandt ist mit der Milch.“


    3. Verwandtschaft zwischen Mutter und Kind

    GA 347, S. 83 (1922): Die Erkenntnis des Menschenwesens

    „Am besten wird daher der SĂ€ugling mit der Milch der eigenen Mutter ernĂ€hrt. Nicht wahr, das Kind geht ja hervor aus dem Leibe der Mutter. Man kann also begreifen, dass es in seinem ganzen Organismus, in seinem ganzen Leib verwandt ist mit der Mutter. Es muss daher am besten dann gedeihen, wenn es nicht gleich, wenn es zur Welt kommt, etwas anderes bekommt als dasjenige, was auch aus dem Leib der Mutter kommt, mit dem es also verwandt ist.“

    GA 347, S. 84 (1922):

    „Allerdings, es kommt ja vor, dass die Muttermilch nicht geeignet ist durch ihre Zusammensetzung. Manche Menschenmilch ist zum Beispiel bitter, manche zu salzig. Da muss dann eine andere ErnĂ€hrung, durch eine andere Persönlichkeit am besten, einsetzen.“


    4. Muttermilch vs. Kuhmilch

    GA 347, S. 26 (1922):

    „Wodurch ist der Mensch ein denkendes Wesen? MilchernĂ€hrung. Eselsmilch. Muttermilch. Abtötung und Wiederbelebung der Nahrung.“

    GA 347, S. 84 (1922):

    „Nun kann ja die Frage entstehen: Kann das Kind nicht gleich vom Anfange an mit Kuhmilch ernĂ€hrt werden? – Nun, da muss man sagen: In den allerersten Zeiten des SĂ€uglingsalters ist die ErnĂ€hrung mit der Kuhmilch nicht sehr gut.“


    5. Die gute Mumie – die lebendige Kraft der Mutter

    GA 317, S. 180 (1924): HeilpÀdagogischer Kurs

    „Die Wirkung der Muttermilch besteht darin, dass in der Muttermilch durchaus dasjenige lebt, was in Ă€lteren Betrachtungsweisen genannt worden ist die gute Mumie im Gegensatz zur schlechten Mumie, die in andern Abscheidungsprodukten lebt. Die ganze Mutter lebt in der Muttermilch. Da haben wir durchaus etwas als Kraft lebend, was eigentlich seine Region nur geĂ€ndert hat innerhalb der menschlichen Organisation.“


    6. AstralitÀt der Muttermilch und Pflanze

    GA 317, S. 181 (1924): HeilpÀdagogischer Kurs

    „Und wenn wir uns auf der einen Seite die Muttermilch anschauen und auf der andern Seite uns anschauen dasjenige, was da als von der Pflanze ersehntes Astralisches ĂŒber der Pflanze darĂŒberschwebt, dann ergibt sich fĂŒr eine okkulte Anschauung eine ungeheuer nahe Verwandtschaft – nicht eine völlige Gleichheit – zwischen derjenigen AstralitĂ€t, welche mit der Muttermilch aus der Mutter kommt und derjenigen AstralitĂ€t, die aus dem Kosmos an die PflanzenblĂŒte heranschwebt.“


    7. Geistig formende KrÀfte der Muttermilch

    GA 317, S. 10 (1924): HeilpÀdagogischer Kurs

    „Die geistig formenden KrĂ€fte der Muttermilch; die Pflanze in ihrer Beziehung zum Menschen; Krankheit und Tierreich.“

    GA 303, S. 381 (1921/22):

    „bei krankhaft Sanguinischem: Wirkungen der Muttermilch; die Bedeutung von Genußmitteln; Interesselosigkeit beim Kind als Barometer fĂŒr unzureichende ErnĂ€hrung.“


    8. Zucker in der Muttermilch – Temperamente

    GA 303, S. 281 (1921/22):

    „Sehen Sie, die Muttermilch am meisten, Milch- und Milchprodukte aber ĂŒberhaupt, wirken so auf den Menschen, dass sie ihre Wirksamkeit in gleichmĂ€ĂŸiger Art auf den ganzen Menschen erstrecken. Alle Organe kommen gewissermaßen in einer gewissen Harmonie zu ihrem Rechte durch Milch und Milchprodukte.“

    GA 310, S. 130 (1924): Der pÀdagogische Wert der Menschenerkenntnis

    „…es war die Muttermilch zu sĂŒĂŸ, hat zu viel Zuckerstoff enthalten. Und dann setze ich der Mutter auseinander, fĂŒr einige Zeit dem Kinde eine DiĂ€t zu geben, die zuckerĂ€rmer ist als bisher…“


    9. Die Muttermilch als „gleiche Quelle“

    GA 310, S. 43 (1924):

    „Das Kind… ist es ja schon physiologisch zunĂ€chst darauf angewiesen, nicht unmittelbar von der Ă€ußeren Welt aufgenommen zu werden; denn es bekommt naturgemĂ€ĂŸ die Muttermilch, also nicht schon Nahrungsmittel, die aus der Ă€ußeren Welt aufgenommen werden, sondern solche, die aus derselben Quelle herstammen, aus der das Kind selber stammt.“

    GA 310, S. 45 (1924):

    „Der SĂ€ugling muss die Stoffe der Außenwelt aufnehmen; er muss sie in der Muttermilch vorbereitet aufnehmen. Er muss sozusagen bei dem bleiben, was ihm zunĂ€chst gleichartig ist. Er muss erst in die Außenwelt hineinwachsen.“


    10. Fallbeispiele aus der HeilpÀdagogik

    GA 317, S. 90 (1924):

    „Der Junge ist nur drei Monate mit Muttermilch ernĂ€hrt worden. Dann vom neunten Monate bis zum dritten Jahre aß er sehr schlecht.“

    GA 317, S. 120 (1924):

    „Es wurde mit Muttermilch ernĂ€hrt. Der Kopf war bei der Geburt auffallend klein…“

    GA 317, S. 126 (1924):

    „Das Kind wurde sieben Monate lang mit Muttermilch ernĂ€hrt. Mit einem Jahr hat es gehen gelernt.“

    GA 317, S. 136 (1924):

    „Nun können Sie sich denken, dass Muttermilch nicht unter allen UmstĂ€nden auf ein solches Kind so wirken kann, wie sie auf ein anderes Kind wirkt. Die Muttermilch ist dazu bereitet, dass sie vom Verdauungssystem aus sich in normaler Weise umsetzt bis ins Sinnes-Nervensystem hinein. Daher wurde Anfang MĂ€rz die Muttermilch bei diesem Kinde weggelassen.“


    11. Analogie: Muttermilch und Erziehung

    GA 217, S. 140 (1922): Geistige WirkenskrÀfte im Zusammenleben

    „Denn in Wahrheit kann die Jugendbewegung nicht eine bloße Opposition sein, sondern es ist schon Ă€hnlich so wie mit dem SĂ€ugling: konnte man nicht von der Mutter die Muttermilch bekommen, man könnte alles andere auch nicht.“


    12. Langzeitfolgen

    GA 347, S. 83 (1922):

    „Wenn die Leber auch schon wĂ€hrend des SĂ€uglingsalters gestört wird, hĂ€lt sie dies noch durch bis zum fĂŒnfundvierzigsten, fĂŒnfzigsten Lebensjahre. Dann zeigt sie sich innerlich verhĂ€rtet und es entstehen die Leberkrankheiten, die manchmal eben so spĂ€t beim Menschen auftreten und die dann eine Folge sind von dem, was wĂ€hrend des SĂ€uglingsalters verdorben worden ist.“


    Quellenverzeichnis

    • GA 217: Geistige WirkenskrĂ€fte im Zusammenleben von alter und junger Generation (1922)
    • GA 293: Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der PĂ€dagogik (1919)
    • GA 303: Die gesunde Entwicklung des Menschenwesens (1921/22)
    • GA 310: Der pĂ€dagogische Wert der Menschenerkenntnis (1924)
    • GA 317: HeilpĂ€dagogischer Kurs (1924)
    • GA 347: Die Erkenntnis des Menschenwesens (1922)

    Gesamtwerk der Rudolf Steiner, alle Zitate aus der Original-Quelle entnommen.