GA 34 â Lucifer-Gnosis. Grundlegende AufsĂ€tze zur Anthroposophie 1903â1908
Relevanter Aufsatz: Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft (1907)
1. Die physische Geburt und die Zeit bis zum Zahnwechsel
âFĂŒr eine geistige Weltauffassung, wie sie von der Geistesforschung vertreten wird, ist damit wohl der physische Leib geboren, noch nicht aber der Ăther- oder Lebensleib. Wie der Mensch bis zu seinem Geburtszeitpunkte von einer physischen MutterhĂŒlle, so ist er bis zur Zeit des Zahnwechsels, also etwa bis zum siebenten Jahre von einer ĂtherhĂŒlle und einer AstralhĂŒlle umgeben.“
âMit der physischen Geburt wird der physische Menschenleib der physischen Umgebung der Ă€uĂeren Welt ausgesetzt, wĂ€hrend er vorher von der schĂŒtzenden MutterhĂŒlle umgeben war. Was vorher die KrĂ€fte und SĂ€fte der MutterhĂŒlle an ihm getan haben, das mĂŒssen jetzt die KrĂ€fte und Elemente der Ă€uĂeren physischen Welt an ihm tun. Bis zum Zahnwechsel im siebenten Jahre hat der Menschenleib eine Aufgabe an sich zu verrichten, die wesentlich verschieden von den Aufgaben aller anderen Lebensepochen ist. Die physischen Organe mĂŒssen in dieser Zeit sich in gewisse Formen bringen; ihre StrukturverhĂ€ltnisse mĂŒssen bestimmte Richtungen und Tendenzen erhalten.“
âWie die Natur vor der Geburt die richtige Umgebung fĂŒr den physischen Menschenleib herstellt, so hat der Erzieher nach der Geburt fĂŒr die richtige physische Umgebung zu sorgen. Nur diese richtige physische Umgebung wirkt auf das Kind so, daĂ seine physischen Organe sich in die richtigen Formen prĂ€gen.“
2. Nachahmung und Vorbild â die Zauberworte von Geburt bis zum Zahnwechsel
âEs gibt zwei Zauberworte, welche angeben, wie das Kind in ein VerhĂ€ltnis zu seiner Umgebung tritt. Diese sind: Nachahmung und Vorbild. Der griechische Philosoph Aristoteles hat den Menschen das nachahmendste der Tiere genannt; fĂŒr kein Lebensalter gilt dieser Ausspruch mehr als fĂŒr das kindliche bis zum Zahnwechsel. Was in der physischen Umgebung vorgeht, das ahmt das Kind nach, und im Nachahmen gieĂen sich seine physischen Organe in die Formen, die ihnen dann bleiben.“
âNicht moralische Redensarten, nicht vernĂŒnftige Belehrungen wirken auf das Kind in der angegebenen Richtung, sondern dasjenige, was die Erwachsenen in seiner Umgebung sichtbar vor seinen Augen tun.“
â[E]in Weltreisender mehr von seiner Amme in den ersten Jahren lernt, als auf allen seinen Weltreisen zusammen. Aber das Kind lernt eben nicht durch Belehrung, sondern durch Nachahmung. Und seine physischen Organe bilden sich ihre Formen durch die Einwirkung der physischen Umgebung.“
3. Sprechenlernen durch Nachahmung
âBesonders sollte alles Sprechenlernen im Sinne der Nachahmung in diesen Jahren geschehen. Hörend lernt das Kind am besten sprechen. Alle Regeln und alle kĂŒnstliche Belehrung können nichts Gutes wirken.“
4. Freude und Liebe als organbildende KrÀfte
âFreude und Lust sind die KrĂ€fte, welche die physischen Formen der Organe in der richtigsten Art herauslocken.“
âHeitere Mienen der Erzieher, und vor allem redliche, keine erzwungene Liebe. Solche Liebe, welche die physische Umgebung gleichsam warm durchströmt, brĂŒtet im wahren Sinn des Wortes die Formen der physischen Organe aus.“
âWenn die Nachahmung gesunder Vorbilder in solcher AtmosphĂ€re der Liebe möglich ist, dann ist das Kind in seinem richtigen Elemente.“
5. Erstes Ichbewusstsein in der frĂŒhen Kindheit (Jean Paul-Zitat)
âIm Laufe der Kindheitsentwicklung tritt im Leben des Menschen ein Augenblick ein, in dem er sich zum ersten Male als ein selbstĂ€ndiges Wesen gegenĂŒber der ganzen anderen Welt fĂŒhlt.“ â Steiner zitiert dazu Jean Paul: âNie vergess‘ ich die noch keinem Menschen erzĂ€hlte Erscheinung in mir, wo ich bei der Geburt meines SelbstbewuĂtseins stand […] Als auf einmal das innere Gesicht, ich bin ein Ich, wie ein Blitzstrahl vom Himmel auf mich fuhr und seitdem leuchtend stehen blieb: da hatte mein Ich zum erstenmal sich selber gesehen und auf ewig.“