🦞

Blog

  • GA 129 – Inhaltsbefund: Die drei Siebenjahresperioden und der Zahnwechsel im Bild der Hekate

    Rudolf Steiner, GA 129: „Weltenwunder, Seelenprüfungen und Geistesoffenbarungen“. Ein Zyklus von zehn Vorträgen, gehalten in München vom 18. bis 27. August 1911, mit einem Vortrag «Unsere Zeit und Goethe» am 28. August 1911. Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz, 1995.

    ─────────────────────────────────────────

    Passage 1
    Zweiter Vortrag, München, 19. August 1911
    (S. ca. 55)

    „Der alte Grieche sagte: Nicht nur die ganze Menschheit in ihrem Werden, sondern auch der einzelne Mensch untersteht, indem seine Leibesform umgestaltet wird, indem er seinem physischen Leibe, Ätherleibe und Astralleibe nach umgeändert wird, den Kräften der Hekate. Hekate wirkt in ihm in dreifacher Art. – Aber das, was dazumal im Bilde der Hekate der menschlichen Seele vermittelt worden ist, kann auch heute wieder vermittelt werden. Der moderne Bekenner der Geisteswissenschaft, der nicht mehr in solcher bildlichen Form spricht, wie drückt er sich aus? Er sagt: Im Laufe der menschlichen Einzelentwickelung von der Geburt bis zur Reife werden im menschlichen Werden die drei Glieder der menschlichen Leibeshülle umgeändert: in den ersten sieben Jahren die physische, in den zweiten sieben Jahren die ätherische, in den dritten sieben Jahren die astralische. – Die Kräfte, die Sie beschrieben finden, ohne daß dies Bild gebraucht ist, in meiner kleinen Schrift über «Die Erziehung des Kindes», die Kräfte, die da wirken in der menschlichen Organisation in dreifacher Weise, es sind die Hekate-Kräfte. Und indem Ihnen beschrieben wird heute von der Geisteswissenschaft, daß der Mensch bis zum Zahnwechsel vorzugsweise seinen physischen Leib ausbildet, wird darauf hingewiesen, daß die eine Form der Hekate in ihm wirkt.“

  • GA 128 – Inhaltsbefund: Zahnwechsel und Entwicklung des Knochensystems in den ersten Lebensjahren

    Rudolf Steiner, GA 128: „Eine okkulte Physiologie“. Ein Zyklus von acht Vorträgen, gehalten in Prag vom 20. bis 28. März 1911. Dornach 1991.

    ─────────────────────────────────────────

    Passage 1
    Sechster Vortrag, Prag, 26. März 1911
    (S. ca. 128)

    „Wir haben schon am Anfang dieser Vortragsreihe im Menschen eine Zweiheit gesehen; jetzt tritt uns diese Zweiheit noch einmal in einer anderen Weise entgegen. Auf der einen Seite das Regsamste, Lebendigste im Blut, auf der anderen Seite etwas wie ein sich der organischen Regsamkeit am meisten Entziehendes, den Tod eigentlich schon in sich Tragendes im Knochensystem. Unser Knochensystem hat einen gewissen Abschluß schon erhalten – in seiner Ausformung wenigstens, wenn es auch nachher noch wächst – bis zu der Lebenszeit des Menschen, wo die Ich-Erlebnisse beginnen regsam zu werden. Bis zum Zahnwechsel im siebten Lebensjahr hat das Knochensystem sich im wesentlichen seine Form gegeben. Gerade in der Zeit also findet die Hauptentwickelung unseres Knochensystems statt, wo wir selber noch der Regsamkeit unseres Ich in hohem Maße entzogen sind. In dieser Zeit, wo das Knochensystem sich aufbaut aus den dunklen Untergründen und Kräften unseres Organismus heraus, können auch die meisten Fehler in der Ernährung gemacht werden. Gerade in diesen ersten sieben Lebensjahren können in der Ernährung des Kindes besonders folgenschwere Fehler gemacht werden, die sich auf das Knochensystem übel auswirken, zum Beispiel in rachitischen Erkrankungen, die namentlich davon herrühren, daß die Ernährungsprozesse in diesen Jahren nicht in der richtigen Weise geleitet werden, zum Beispiel wenn man der Naschhaftigkeit der Kinder nachgibt und ihnen alles mögliche gibt, wonach sie Verlangen tragen. So sehen wir das, was dem Ich entzogen ist, in unser Knochensystem hineinwirken.“

  • GA 127 – Inhaltsbefund: Die Arbeit des Ich am Kinde in den ersten Lebensjahren (Gehirnbildung, aufrechter Gang, Gottessohn und Menschensohn)

    Rudolf Steiner, GA 127: „Die Mission der neuen Geistesoffenbarung. Das Christus-Ereignis als Mittelpunktsgeschehen der Erdenevolution“. Sechzehn Vorträge, gehalten zwischen dem 5. Januar und 26. Dezember 1911 an verschiedenen Orten. Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz, 2. Auflage 1989 (1. Auflage 1975).

    ─────────────────────────────────

    Passage 1
    Die Beziehung der menschlichen Wesensglieder zur Menschheitsentwickelung und zum Lebenslauf. Gottessohn und Menschensohn, München, 11. Februar 1911
    (S. ca. 64)

    „Wir haben namentlich als eine sehr wichtige Zeit im Verlauf des menschlichen Einzellebens jene Zeit, welche die drei ersten Lebensjahre ungefähr umfaßt. Im Grunde ist jeder Mensch da ein ganz anderes Wesen als später. Wir wissen, daß diese drei ersten Jahre und die spätere Zeit scharf voneinander abgegrenzt sind durch zwei Tatsachen. Die eine ist diese, daß der Mensch erst nach Verlauf dieser Zeit lernt, das Ich zu erfassen, zu sich Ich zu sagen, seine Ichheit zu verstehen. Das andere ist, daß der Mensch, wenn er sich später zurückerinnert, sich nur bis an diesen Zeitpunkt höchstens zurückerinnert, der diesen Zeitraum von dem späteren Leben trennt. Kein Mensch weiß im normalen Zustand irgend etwas, was diesem Zeitpunkt vorangeht. Der Mensch ist da ein ganz anderes Wesen in einer gewissen Beziehung. Und wenn auch wiederum heutige Psychologen die unglaublichsten Kindereien sagen, müssen wir dennoch an dieser Erkenntnis festhalten, daß in der Tat der Mensch zu einem Bewußtsein seiner Ichheit erst nach Verlauf dieser Zeit kommt. Es gibt heute schon sogar Psychologien, in denen man lesen kann, der Mensch lernte zuerst denken und dann sprechen. Nun, solches Blech, wie es heute geschrieben wird in populären psychologischen Schriften, ist nur möglich in einem Zeitalter, in dem diejenigen Menschen, die heute an den offiziellen Stellen Psychologie treiben, als ernsthafte Wissenschafter angesehen werden. Diese Tatsache gehört zu den wichtigsten, daß wir die Scheidung dieser ersten Lebensjahre von den späteren ins Auge fassen und sozusagen die ersten Lebensjahre hindurch den Menschen als ein ganz anderes Wesen ansehen als später. Später erst tritt das Ich des Menschen, dasjenige, woran alles gebunden ist, auf. Aber kein Mensch sollte behaupten, daß dieses Ich vorher untätig war. Es war natürlich nicht untätig. Es wird nicht erst geboren im dritten Jahre; es war da, es hatte nur eine andere Aufgabe als in die Tätigkeit des Bewußtseins einzugreifen.“

    Passage 2
    Die Beziehung der menschlichen Wesensglieder zur Menschheitsentwickelung und zum Lebenslauf. Gottessohn und Menschensohn, München, 11. Februar 1911
    (S. ca. 65)

    „Was hatte es für eine Aufgabe? Es ist der wichtigste spirituelle Faktor bei der Bildung der drei Hüllen des Kindes, des Astralleibes, Ätherleibes und physischen Leibes. Die physische Hülle des Gehirns wird fortwährend umgebildet. Da haben wir fortwährend das Ich an der Arbeit. Es kann nicht bewußt werden, weil es eine ganz andere Aufgabe hat: es muß erst das Werkzeug des Bewußtseins formen. Dasselbe, was uns später bewußt wird, arbeitet erst an unserem physischen Gehirn in den ersten Lebensjahren. Es ist sozusagen nur eine Änderung der Aufgabe des Ich. Erst arbeitet es an uns, dann in uns. Es ist wirklich ein Plastiker zuerst, dieses Ich, und es ist unsagbar, was dieses Ich an der Formung selbst dieses physischen Gehirns leistet. Ein gewaltiger Künstler ist dieses Ich. Aber wer gibt ihm die Kraft? Diese Kraft hat es aus dem Grunde, weil in das Ich in den ersten drei Lebensjahren die Kräfte der nächsthöheren Hierarchie, der Engel einströmen. In der Tat arbeitet – das ist kein Bild, das ist kein Gleichnis, sondern tatsächlich eine Wahrheit – im Menschen durch das Ich des Menschen Engel, das heißt eine Wesenheit der nächsthöheren Hierarchie. Diese Wesenheit arbeitet in dem Ich und durch das Ich an dem Menschen, ihn plastisch ausgestaltend. Es ist, wie wenn der Mensch den ganzen Strom des spirituellen Lebens hätte, als ob er zu den höheren Hierarchien hinaufflösse und da die Kräfte der höheren Hierarchien auf ihn hereinströmten. Und in dem Augenblick, wo er lernt Ich zu sagen, ist es so, als ob etwas von der Kraft abgetrennt würde, wie wenn er dazu berufen würde, etwas zu tun von dem, was der Engel vorher tat.“

    Passage 3
    Die Arbeit des Ich am Kinde. Ein Beitrag zum Verständnis der Christus-Wesenheit, Zürich, 25. Februar 1911
    (S. ca. 88)

    „Nun fragen wir uns: Wenn das Ich-Erlebnis in den ersten drei Jahren nicht da war, war da auch das Ich nicht da im Kinde? – Man muß unterscheiden, ob wir von dem, was in uns ist, etwas wissen, oder ob es ohne unser Wissen in uns ist. Das Ich ist im Kinde, nur weiß es nichts davon, so wie der Mensch im Schlaf mit dem Ich verbunden ist, aber nichts davon weiß. Es ist, daß wir von etwas wissen, nicht maßgebend dafür, daß etwas da ist. Wir müssen sagen: Das Ich ist da, aber es ist nicht bewußt beim Kinde. Wie ist es denn mit dem Ich? – Ja, das hat seine eigene Bewandtnis. Wenn Sie das menschliche Gehirn rein physisch untersuchen würden, so würden Sie sehen, daß das Gehirn nach der Geburt im Verhältnis zur späteren Gestalt ziemlich unvollkommen aussieht. Manche von den feinen Windungen müssen erst später ausgestaltet, müssen erst in den nächsten Jahren plastisch ausziseliert werden. Das macht das Ich beim Menschen, und weil es das zu tun hat, deshalb kann es nicht zum Bewußtsein kommen. Es hat das Gehirn auszubilden als etwas anderes, in feinerer Gestalt so, daß es später denken kann. Das Ich ist sehr arbeitsam in den ersten Jahren.“

    Passage 4
    Die Arbeit des Ich am Kinde. Ein Beitrag zum Verständnis der Christus-Wesenheit, Zürich, 25. Februar 1911
    (S. ca. 89)

    „Und da erhalten wir die Antwort, daß das Ich bei seiner Tätigkeit unter der Anleitung der Wesenheiten der höheren Hierarchien steht. Wenn wir einen kindlichen Menschen vor uns haben und ihn hellseherisch betrachten, so ist sein Ich als Ich-Aura wohl da, aber von dieser Ich-Aura gehen die Strömungen zu den höheren Hierarchien, zu den Engeln, Erzengeln und so weiter, und herein strömen die Kräfte der Hierarchien. Wenn daher im naiven Bewußtsein gesagt wird, das Kind ist von einem Engel beschützt, so ist dies eine sehr reale Wahrheit.“

    Passage 5
    Die Arbeit des Ich am Kinde. Ein Beitrag zum Verständnis der Christus-Wesenheit, Zürich, 25. Februar 1911
    (S. ca. 96)

    „Da muß es uns erst einmal klar sein, daß der Mensch sich von Anfang an ganz radikal unterscheidet von allen übrigen Wesen. Wenn Sie etwas Nahestehendes, etwa ein Affenwesen, betrachten: Es ist diesem von allem Anfang an durch eine eigentümliche Gleichgewichtslage eingepflanzt sein Gang; durch die eigentümliche Gleichgewichtslage, wie seine Glieder angebracht sind. Der Mensch kann zunächst überhaupt nicht gehen, er muß erst die Gleichgewichtslage im Leibe erringen. Er muß seine Glieder durch die Arbeit seines Ich in jene Lage bringen, in der er sich aufrechterhalten und gehen kann. So muß dieses Ich in den ersten Kindheitsjahren nicht nur daran arbeiten, das Gehirn plastisch auszugestalten, es muß auch die Gleichgewichtslage erringen, die dem Menschen nicht so von vornherein gegeben ist wie den Tieren. Der Mensch muß seine Knochen erst in die Winkelrichtung bringen, die er gemäß seinem Schwerpunkte haben muß, um gehen zu können, um seinen Weg zu finden. Dem Tier ist dieses von vorneherein eingepflanzt, bis herauf zum höchsten Tier. Beim Menschen muß dies erst durch die Arbeit des Ich nach und nach errungen werden. Vorher kriecht er oder fällt um. So würde der Mensch an den Boden gefesselt sein, an denselben Ort, wenn sein Ich nicht arbeiten würde in den ersten Jahren seines Lebens.“

    Passage 6
    Der dreifache Ruf aus der geistigen Welt (Notizen aus einem Vortrag zur Einweihung des Zweiges Heidenheim), Heidenheim, 30. November 1911
    (S. ca. 239)

    „Und wenn dann das Kind in seinen ersten Lebensjahren den Moment erlebt, wo es anfängt die Sprache zu gebrauchen, aber sich noch keine Gedanken darüber macht, die Sprache lernt, ohne seine schlummernden denkerischen Fähigkeiten noch zu benützen, so ist das im einzelnen Menschen die Zeit des der Menschheit ertönenden zweiten Rufes durch Johannes den Täufer, dem Rufer in der Einsamkeit.“

  • GA 126 – Kurzbefund: Kein spezifischer Inhalt zum ersten Lebensjahr gefunden

    Rudolf Steiner, GA 126: „Okkulte Geschichte. Esoterische Betrachtungen karmischer Zusammenhänge von Persönlichkeiten und Ereignissen der Weltgeschichte“. Ein Zyklus von sechs Vorträgen, gehalten in Stuttgart vom 27. Dezember 1910 bis 1. Januar 1911. (Ausgabe 1992, Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz.)

    Kurzbefund: In dieser GA wurden keine Passagen gefunden, die sich spezifisch auf das erste Lebensjahr eines Menschen beziehen.

  • GA 125 – Inhaltsbefund: Karma der Kindheit und das Auftreten des Ich-Bewusstseins in den ersten Lebensjahren

    Rudolf Steiner, GA 125: „Wege und Ziele des geistigen Menschen. Lebensfragen im Lichte der Geisteswissenschaft“. Vierzehn Vorträge, gehalten zwischen dem 23. Januar und 27. Dezember 1910. Dornach 1992.

    ─────────────────────────────────────────

    Passage 1
    Wege und Ziele des geistigen Menschen, Zweiter Vortrag, Kopenhagen, 4. Juni 1910
    (S. ca. 56)

    „Was wir uns zum Beispiel in der ersten Kindheit zwischen dem dritten und siebenten Jahr aneignen, tritt uns in seiner karmischen Auswirkung im höchsten Lebensalter entgegen. Untersucht man, wie jemand seine erste Kindheit zubringen durfte, wird man in seinem Alter einen merkwürdigen Zusammenhang mit diesen Kindheitsjähren entdecken. Wenn er, statt unter dem äußeren Zwange gewisser Regeln gestanden zu haben, gesunde Bedürfnisse entwickelt hat, wird sich sein Alter anders gestalten. Vielfach pfropft man aber hinein, stopft hinein in die kindliche Seele, was man für richtig hält. Darauf kommt es jedoch nicht an, sondern das Kind muß das Bedürfnis bekommen, aus freiem Antrieb dies oder jenes zu tun. Es stellt sich dann heraus, daß der Mensch sich im Alter seine Gesundheit erhalten kann, daß er sich bis in seinen letzten Lebensabschnitt Frische und innere Kraft bewahrt.“

    Passage 2
    Die Julfestzeit, die Christfest-Symbole und die welthistorische Stimmung anthroposophischer Vorstellungsart, Stuttgart, 27. Dezember 1910
    (S. ca. 257)

    „Wo tritt uns denn dasjenige Ich, das noch nicht in die physische Welt verwoben ist, zunächst wenigstens annähernd entgegen? Da wo wir — wenn wir zurückblicken in unser eigenes Leben, wie es zwischen Geburt und Tod verläuft – uns zurückerinnern bis zu dem Augenblick, wo unser Ich-Bewußtsein in einem gewissen Zeitpunkt der ersten Jahre auftritt. Das Ich ist da, wenn der Mensch sich auch nicht erinnert, es ist vorhanden und lebt und webt innerhalb von uns auch da, wo die Ich-Vorstellung noch nicht aufgetreten ist, da wo dieses Ich, das herumsieht in der Außenwelt, sich mit dem physischen Plan verwebt, wo die Ich-Vorstellung noch nicht da ist, wo aber das Ich da ist im kindlichen, unschuldvollen Zustand; das Ich, das wohl als ein Ideal dastehen kann, welches wieder erreicht werden soll, nur mit Durchdrungensein von all dem, was der Mensch erleben kann in dieser Schule des physischen Lebens auf der Erde.“

  • GA 124 – Inhaltsbefund: Die erste Siebenjahresperiode und das vorbewusste Erleben des kleinen Kindes

    Rudolf Steiner, GA 124: „Exkurse in das Gebiet des Markus-Evangeliums“. Dreizehn Vorträge, gehalten in Berlin, München, Hannover und Koblenz zwischen dem 17. Oktober 1910 und dem 10. Juni 1911, und eine Fragenbeantwortung vom 18. Dezember 1910. Dornach 1995.

    ─────────────────────────────────────────

    Passage 1
    Dritter Vortrag: Zur Aufgabe der fünften Kulturepoche, Berlin, 7. November 1910
    (S. ca. 51)

    „Wir haben die Lebensalter des Menschen dahin unterschieden – und in der «Geheimwissenschaft» ist wieder darauf hingewiesen -, daß wir die ersten sieben Lebensjahre von der Geburt bis zum Zahnwechsel als die erste Periode rechnen. Wir haben gesagt, daß in dieser Zeit der physische Leib des Menschen endgültig seine Formen erlangt und daß mit den zweiten Zähnen im wesentlichen diese Formen festgestellt sind. Dann wächst der Mensch zwar noch innerhalb dieser Formen, aber im wesentlichen haben die Formen ihre Richtungen. Es ist der Ausbau der Form, was sich in den ersten sieben Jahren vollzieht. Solche Rhythmen müssen wir richtig nach allen Seiten hin verstehen. Wir müssen daher auch gesetzmäßig unterscheiden die ersten Zähne, die der Mensch in den ersten Lebensjahren bekommt und die dann ausfallen und ersetzt werden durch die zweiten Zähne.“

    Passage 2
    Sechster Vortrag: Der Sohn Gottes und der Menschensohn – Das Opfer des Orpheus, Berlin, 16. Januar 1911
    (S. ca. 125)

    „Der Unterschied ist ein ganz radikaler. Wenn wir das Kind vor dieser Zeit betrachten könnten, würde sich sofort zeigen, daß es vor dem Zeitpunkt, bis zu dem sich später der Mensch zurückerinnert, sich viel mehr in dem allgemeinen makrokosmischen geistigen Leben drinnen fühlt. Es sondert sich noch nicht heraus, isoliert sich noch nicht, rechnet sich vielmehr zu der ganzen Umgebung zugehörig, spricht sich sogar so an, wie die andern es ansprechen. Denn es sagt nicht «ich will», sondern «Karlchen will», und später erst lernt es sich als ein Ich ansprechen – woran neuere Kinderpsychologen herummäkeln, was aber nicht gegen die Wahrheit spricht, sondern nur gegen die Einsicht der betreffenden Psychologen. Das Kind fühlt sich in den ersten Jahren noch in der Umgebung, fühlt sich als ein Glied der ganzen Umgebung. Sich herauszuisolieren aus der Umgebung als selbständiges Wesen, damit beginnt der Mensch erst in dem Zeitpunkt, bis zu dem er sich dann später zurückerinnert.“

  • GA 123 – Inhaltsbefund: Menschliche Entwicklung von der Geburt bis zum Zahnwechsel

    Rudolf Steiner, GA 123: „Das Matthäus-Evangelium“. Ein Zyklus von zwölf Vorträgen, gehalten in Bern vom 1. bis 12. September 1910. 1. Auflage Berlin 1918, Gesamtausgabe Dornach.

    ─────────────────────────────────────────

    Passage 1
    Sechster Vortrag, 6. September 1910
    (S. ca. 125)

    „Nun erinnern Sie sich, wie ich Ihnen immer gesagt habe, daß der Mensch in seiner einzelnen persönlichen Entwickelung von der Geburt bis zum siebenten Jahre vorzugsweise den physischen Leib entwickelt, daß er während der nächsten sieben Jahre, vom Zahnwechsel bis zur Geschlechtsreife, besonders den Ätherleib entwickelt; dann erst kommt die freie Entwickelung des astralischen Leibes.“

  • GA 122 – Kurzbefund: Kein spezifischer Inhalt zum ersten Lebensjahr gefunden

    Rudolf Steiner, GA 122: „Die Geheimnisse der biblischen Schöpfungsgeschichte. Das Sechstagewerk im 1. Buch Moses“. Ein Zyklus von zehn Vorträgen und ein einleitender Vortrag, München, 16. bis 26. August 1910. Gesamtausgabe Dornach, 1961/1984.

    Kurzbefund: In dieser GA wurden keine Passagen gefunden, die sich spezifisch auf das erste Lebensjahr eines Menschen beziehen.

  • GA 121 – Inhaltsbefund: Entwicklungsphasen des Kindes bis zum Zahnwechsel im Kontext der Geister der Form

    Rudolf Steiner, GA 121: „Die Mission einzelner Volksseelen im Zusammenhange mit der germanisch-nordischen Mythologie“. Ein Zyklus von elf Vorträgen, gehalten in Kristiania (Oslo) vom 7. bis 17. Juni 1910.

    ─────────────────────────────────────────

    Passage 1
    VIERTER VORTRAG, Kristiania (Oslo), 10. Juni 1910
    (S. ca. 45)

    „Wenn Sie sich an das erinnern, was über die Erziehung des Kindes vom Standpunkte der Geisteswissenschaft gesagt worden ist, so werden Sie sich sagen: Der Mensch entwickelt hauptsächlich zwischen seiner physischen Geburt und dem Zahnwechsel, also bis zum siebenten Jahre hin, den physischen Leib. An der Entwickelung dieses physischen Leibes haben diese Geister der Form gar kein besonderes Interesse, denn diese ist im Grunde genommen eine Wiederholung dessen, was auf dem alten Saturn mit dem Menschen geschah, was sich schon oftmals wiederholt hat, und was sich nach der letzten physischen Geburt bis zum siebenten Lebensjahre vorläufig zum letzten Male in einer besonderen Art wiederholt hat.“

  • GA 120 – Inhaltsbefund: Erziehung in der frühen Kindheit und Kindheitserinnerungen im Kontext des Karma

    Rudolf Steiner, GA 120: „Die Offenbarungen des Karma. Ein Zyklus von elf Vorträgen, gehalten in Hamburg zwischen dem 16. und 28. Mai 1910″. Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz, 1992 (8. Auflage).

    ─────────────────────────────────────────

    Passage 1
    Erster Vortrag, Hamburg, 16. Mai 1910
    (S. ca. 25)

    „Wenn wir nun das weitere Leben des Kindes beobachten, wird sich uns lange Zeit nicht zeigen, was die ausgesprochenste Wirkung dessen sein wird, was wir in den ersten Jahren auf diese Weise in das Kind hineingebracht haben. In der Lebensbeobachtung ergibt sich nämlich, daß die eigentlichen Wirkungen dessen, was als Ursachen in die kindliche Seele hineingelegt worden ist, am allerspätesten erst eintreten, das heißt am Lebensabend.“

    Passage 2
    Dritter Vortrag, Hamburg, 18. Mai 1910
    (S. ca. 77)

    „Sie erleben zum Beispiel etwas, das macht auf Sie einen so erschütternden Eindruck, daß Sie sich gar nicht erklären können, wie ein verhältnismäßig so gleichgültiges Erlebnis einen so erschütternden Eindruck machen kann. Wenn Sie nun nachforschen, werden Sie vielleicht finden, daß Sie gerade in der kritischen Zeit – zwischen der Geburt und dem letzten Zeitpunkt, bis zu dem man sich erinnern kann – ein ähnliches Erlebnis hatten, das Sie aber vergessen haben. Keine Vorstellung ist davon zurückgeblieben. Damals hatten Sie einen erschütternden Eindruck gehabt; der lebt fort und verbindet sich mit dem jetzigen und verstärkt ihn. Und was Sie sonst jetzt viel weniger erschüttert hätte, das macht nun einen besonders starken Eindruck. – Wer das einsieht, wird sich eine Vorstellung davon bilden, wie unendlich verantwortungsvoll die Erziehung in der ersten Kindheit ist und wie etwas seine ganz bedeutungsvollen Schatten oder auch Lichter auf das spätere Leben wirft. Da wirkt also etwas vom Früheren hinüber auf das spätere Leben.“